Wadenwickel gegen Fieber: Richtig machen bei Kindern und Erwachsenden – Durchführung, wie lange und wie oft

Der Wadenwickel ist eine einfache häusliche Maßnahme, um

  • Fieber schnell und effektiv zu senken,
  • Fieberkomplikationen abzuwenden
  • und das Befinden des Fiebernden schneller zu bessern.

Da Fieber die Abwehrreaktionen unseres Körpers gegenüber dem Krankheitserreger unterstützt, sollten fiebersenkende Maßnahmen mit Ausnahme bei bekannten Fieberkrämpfen nicht zu früh einsetzen. Eine Körperkerntemperatur (Messungen im After, Mund oder im Ohr sind am genauesten) bis 37,5°C sind normal. Bis zu einer Temperatur von 38,5° sind in der Regel keine besonderen Maßnahmen erforderlich, sofern nicht ärztlicherseits die Maßgabe erfolgte, mit der Fiebersenkung zu beginnen.

Der Wadenwickel kann als alleinige Methode oder in Kombination mit fiebersenkenden Medikamenten erfolgen. Besonders geeignete Arzneimittel sind:

  • Aspirin (Acetylsalicylsäure) [nicht bei Kleinkindern!],
  • Paracetmol [tägliche Höchstmenge beachten!]
  • Novaminsulfon [nur bei bekannter guter Verträglichkeit]
  • Ibuprofen

All diese Substanzen stehen als Tabletten, Zäpfchen und Saft für jede Altersgruppe zur Verfügung und sind in den Apotheken z.T. rezeptfrei erhältlich. Zäpfchen sind allerdings die schlechteren Arzneiträger und sollten nur bei bestimmten Umständen (Erbrechen, starke Schluckbeschwerden) verabreicht werden.

In jedem Falle sollte auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden! Bei Fieber sollte die Kost leicht verdaulich und kalorienarm sein und überwiegend aus Kohlenhydraten bestehen. Säurearme Obstspeisen und fettarmer Joghurt, Reis- und Kartoffelbrei, dünner Pudding oder Götterspeise (Wackelpeter) erfüllen diese Bedingungen.
Bei starkem Appetitmangel kann auch Fasten sinnvoll sein. Eine Minimum an Energieträgern kann dann z.B. über Traubenzucker-Tee zugeführt werden.

Voraussetzungen für einen Wadenwickel

Ein Wadenwickel setzt voraus, das die unteren Extremitäten gut durchblutet sind. Alter und Störungen der Durchblutung (Raucherbein z.B.) können sich als Hindernis erweisen. Ebenso können insbes. bei Kleinkindern in der Phase hohen Fiebers die peripheren Gefäße enggestellt sein, so daß trotz einer sehr hohen Körpertemperatur die Waden und Füße sich sehr kühl anfühlen. Holen Sie in solchen Fällen immer den Rat eines Arztes ein! Eine solche Konstellation kann ein Hinweis auf eine schweres Infektionsgeschehen sein. Übrigens stellt dies auch einen Grund dar, daß man bei Kindern die Körpertemperatur prinzipiell nicht unter der Achselhöhle messen sollte.

Wadenwickel nur bei warmen Extremitäten anlegen!

Benötigte Materialien

  • 2 große (Männer-) Taschentücher
  • 1 Schüssel mit Leitungswasser (so temperiert, wie es aus der Kaltwasserleitung kommt)
  • ggf. Plastikbeutel (in Abb. blauer Müllbeutel) oder Gummiunterlage als Nässeschutz für das Krankenlager
  • Fieberthermometer, ggf. noch kariertes oder sog. Millimeterpapier zur Aufzeichnung und grafischen Darstellung des
  • Temperaturverlaufes

Wie geht man vor?

  1. Den Patienten mit leichtem Schlafanzug aber unbedeckten Waden lagern. Als Zudecke reicht ein leichter Bettbezug für den Bauch und Oberkörper. Schüttelfrost und Frieren vergehen, wenn die Temperatur effektiv gesenkt wird. Keinesfalls darf der Kranke mit dicken Decken zugehüllt werden!
  2. Der Helfer setzt sich am besten an das Fußende des Krankenbettes.
  3. Taschentücher ins Wasser tauchen und leicht auswringen. Die Tücher dürfen nicht tropfen, sollten aber auch nicht zu stark ausgepreßt werden.
  4. 1 Taschentuch um die erste Wade zwischen Knöchel und Kniescheibe umschlagen.
  5. Jetzt das zweite Tuch um die andere Wade schlingen.
  6. Zwischenzeitlich hat sich das erste Tuch bereits deutlich erwärmt! Es kann neu mit kaltem Wasser durchtränkt werden.
  7. Im 30-60-Sekunden-Rhythmus fährt man so ca. 10-15 Minuten fort. Der Helfer ist also ständig beschäftigt.

Fehler beim Wadenwickel

Das häufig empfohlene Umschlagen oder Zudecken der feuchten Tücher durch Bettdecke oder Handtücher ist falsch! Wärmeentzug findet nur statt, wenn das Wasser aus dem Wickel verdunsten kann. Anderenfalls bildet sich ein eine Dunstglocke, die die Wärme anstaut! Der Wadenwickel wirkt dann eher vor Auskühlung ähnlich einem Taucheranzug!

Patient wird zu stark mit Wärmedecken eingehüllt, weil Schüttelfrost als Frieren (im Sinne einer Unterkühlung) fehlgedeutet wird.
Anwendung beim Säugling, da durch Kältereiz starke Unruhe auftreten kann. Beim schreienden Säugling verengen sich die Gefäße, und die Wärmeableitung wird gestört, die Wärmebildung durch Unruhebewegung gefördert.

Weitere Fiebersenkende Maßnahmen

Unser Körperschweiß ist das effektivste Instrumentarium des menschlichen Körpers, seine Temperatur in den Normalgrenzen zu halten und vor Überhitzung zu schützen. Die Verdunstung des Schweißes ist ein wärmeentziehender Prozeß. Er ist besonders intensiv, wenn der Schweiß auf der Körperoberfläche vernetzen kann. Die Effektivität läßt nach, wenn der Schweiß perlt! Um ein Vernetzen zu fördern, ist neben einer reichlichen Flüssigkeitszufuhr auch eine 2-3x tägliche Waschung des Fiebernden mit einer lauwarmen Seifenlauge zu empfehlen. Nach der Klarpülung sollter der Körper gut frottiert werden!

Bedenken Sie bitte auch, daß die Haut bei Fieber verstärkt fettet. Außerdem verhindert ein Fetten mit Kosmetika, aber auch mit medizinischen Einreibungen (z.B. Erkältungsbalsam), die Vernetzung des Schweißes auf der Körperoberfläche! In der Fieberphase haben diese vielerorts empfohlenen “unschädlichen” Mittelchen nur einen begrenzten Nutzen und sollten daher gemieden werden.

Schreibe einen Kommentar