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Gürtelrose - Herpes zoster

... Virusinfektion, die mit Schmerzen, Empfindungsstörungen und Hautveränderungen im Versorgungsgebiet eines bestimmten Nerven einhergeht.

Synonym: Zoster

Ursache: Die Ursache der Gürtelrose besteht in einer Reaktivierung im Körper vorhandener Varicella-Zoster-Viren (Abb. rechts)zoster3.jpg;7k. Die Gürtelrose tritt nur bei Menschen auf, die in ihrer Kindheit an Windpocken erkrankt waren.

Inkubationszeit (Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch): 7 bis 21 Tage; seronegative Personen können bei Ansteckung durch einen Zosterkranken an Windpocken erkranken, seropositive (also früher durchgemachte Windpocken) erkranken aber nicht obligat an einer Gürtelrose. Bei einer Reinfektion ist die Inkubationszeit anscheinend kürzer (3 bis 7 Tage?).

Kontagiosität (Ansteckungsfähigkeit): wie bei Windpocken ("vom Winde angeweht") sehr hoch

Häufigkeit: bis zu ca. 4 Neuerkrankungen auf 1000 Einwohner und Jahr
Besondere Gefährdung: ältere Menschen, Immundefekte (z.B.AIDS oder Patienten unter immunsuppressiver Therapie, wie bei Leukämie und Tumoren, - hier auch sehr gefährliche Komplikationen möglich -, strahlentherapierte Patienten u.a., gehäuft auch bei Systemerkrankungen wie Diabetes mellitus oder Tumorleiden zu beobachten).
Man sollte deshalb ggf. bei allen Patienten nach einem Grund suchen, wobei man nach einigen in der Literatur geäußerten Schätzungen bei ca. 20% der an Zoster erkrankten Personen auf ein bedeutsames Grundleiden stößt.

Symptome: kleine Bläschen auf geröteter Haut, die halbseitig begrenzt auftreten und von Schmerzen und Empfindungsstörungen begleitet werden, am Brustkorb und am Bauch häufig ringförmig entlang der von einem bestimmten Nerven versorgten Haut (Segment), ggf. auch mehrerer Segmente, typischerweise also gürtelförmig, worauf die Namensgebung beruht; kann sich aber auch am Kopf oder den Extremitäten (z.B. sehr häufig im Ausbreitungsgebiet eines Astes des Trigeminusnerven oder am Bein im Ausbreitungsgebiet des Ischiasnerven) mehr vertikal ausbreiten.
Anfangs kann Juckreiz bestehen, der jedoch bei unbehandeltem Verlauf mehr und mehr in Schmerzen übergeht. Das Allegemeinbefinden schwankt von kaum gestört (ggf. durch Schmerz) bis hin zu Abgeschlagenheit und Fieber mit starkem Krankheitsgefühl. Abortive Verläufe ohne oder mit ganz geringer Bläschenbildungen können gelegentlich vorkommen. Der Befall von Schleimhäuten und die Schwellung regionaler Lyphknoten ist ebenfalls möglich.
Mit Beginn der Krustenbildung läßt der Schmerz nach. Nach abfall der Krusten bleiben wie bei den Windpocken depigmentierte kleine Hautnarben zurück.

Diagnose: Wie bei den Windpocken ist der mikrobiologische Nachweis schwierig.
Der Nachweis von Elementarkörperchen mit dem Elektronenmikroskop oder die Erregeranzucht auf humanen Embryozellen ist möglich, doch spielen diese Verfahren in der Praxis keine Rolle.
Aus dem Geschabsel frischer Blasen können lichtmekroskopisch zwar Riesenzellen und Kerneinschlußkörper nachgewiesen werden, doch auch dies ist ohne Bedeutung, da sich die Diagnose in aller Regel anhand der vom Patienten geschilderten Symptome und anhand der typischen Hautveränderungen stellen läßt.
Nur bei besonders schwieriger Abgrenzung gegen andere Erkrankungen wird man in Einzelfällen auf den Antikörpernachweis im Serum zurückgreifen.
Mikrobiologische Erregernachweise bei der Gürtelrose könnten aber nötig werden, wenn die primären Hauterscheinungen durch Unsauberkeit (insbes. durch Kratzen) sekundär mit anderen Keimen besiedelt werden (Superinfektion). Hierbei sollte der mikroskopische oder kulturelle Nachweis des Erregers angestrebt werden.

Klinik: Der klinische Verlauf kann am besten an den typischen Hauterscheinungen dargestell werden:

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Abb.1: 49-jähriger Patient, wenige, z.T. verstreute Bläschen, unkomplizierter Verlauf

Abb.2: 65-jähriger Patient, über mehrere Segmente verteilte und großflächig zusammenfließende Bläschengruppen, teils livide Flecken durch Unterblutung (Marcumar-Therapie)

Abb.3: Der selbe Patient wie in Abb.2 nach 1-wöchiger Therapie mit 5 x 800 mg Aciclovir, Restkrusten, noch Spannungsgefühl, bereits sichtbare Depigmentierung (Narben)
Komplikationen:
Unterblutung (bei sehr starker Entzündung der Bläschen) = Zoster haemorrhagicus
geschwürsartiger Zerfall (bei Superinfektion) = Zoster gangraenosus

Ganzkörperbefall wie bei Windpocken (insbes. Immunsupprimierte oder ältere Patienten) = Zoster generalisatus
anhaltende Nervenschmerzen (oft über Monate) = Post-Zosterneuralgie
Letztere ist seit Einführung der antiviralen Therapie doch deutlich rückläufig!
Befall beider Körperhälften oder mehrerer Segmente einer Körperhälfte = Zoster duplex bzw. multiplex unilateralis
Befall des 1.Trigeminusastes mit Beteiligung des Auges (Hornahaut u. Bindehaut) = Zoster ophthalmicus
Befall des 2. Zervicalsegmentes mit Beteiligung des Ohres (Hörstörungen, Gesichtsnervlähmung u.a.) = Zoster oticus

Mitbeteiligung und Entzündungen des Gehirns (Enzephalitis), der Hirnhäute (Meningitis) und des Rückenmarks (Myelitis) sind möglich und erfordern schnelle und stationäre Behandlung.

Prognose: im allgemeinen gut, lebensgefährlich ist der Zoster generalisatus, außerdem Prognose immer vom gleichzeitigen Bestehen einer schweren Grunderkrankung mitbestimmt.

Therapie: Mittel der Wahl ist ein Virostatikum Aciclovir (z.B. Zovirax©) oder Brivudin (Zostex©), ggf. intravenös oder als Kurzzeitinfusion in schwierigen Fällen (z.B. Immunsuppression); bei Nicht-Ansprechen Foscarnet (Foscavir©) als Infusion, Dosierung nach Alter und Gewicht

Äußerlich: Zinklotionen, Clioquinol-Lsg. (oft auch gar keine Behandlung erforderlich)
Schmerzen: alle gängigen Schmerzmittel bishin zur vorübergehenden Therapie mit Opiaten
Superinfektion: nach Erreger antibiotisch extern oder intern
Zosterneuralgie: Schmerzmitel und/oder das Antikonvulsivum Carbamazepin (Tegretal©), alternativ Amantadin (PK-Merz©)

Im allgemeinen kann die Behandlung ambulant erfolgen. Komplizierte Verläufe gehören in die Klinik. Bei Zoster opthalmicus bzw. oticus kann ggf. ambulant therapiert werden, doch sollte der zuständige Facharzt eingeschaltet werden.

Prophylaxe: Bisher keine bekannt! Mit Einführung der Windpocken-Impfung im Kindesalter seit 2004 wird möglicherweise auch die Gürtelrose in Zukunft rückläufig sein.

Bildquellen: Abb.: Zoster-Varicellen-Virus (Seitenanfang) von Medicine-Worlwide (http://www.m-ww.de/krankheiten/infektionskrankheiten/zoster.html)
Abb. 1-3 sind Eigentum des Autors.

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Erstellt: 03.12.2004 / Änderung: keine / Autor: F.Wiegleb (fwiegleb@gmx.de)