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TIETZE-Syndrom

... neben dem Brustbein gelegene, schmerzhafte Schwellung, meist in Höhe des Rippenknorpelansatzes der 1., 2. oder 3.Rippe, meist einseitige, selten zweiseitig, knorpelharter Konsistenz, Frauen wesentlich häufiger als Männer, mittleres Lebensalter bevorzugt

Ursache: nicht bekannt, zumindest Auffassung uneinheitlich; vermutlich abnutzungsbedingt bzw. unspezifisch chronisch-entzündlich, gelegentlich durch Überbeanspruchung bedingte Ermüdungsfraktur; folgende Ursachen werden diskutiert:
Symptome: knorpelharte Auftreibung (Schwellung) des Rippenknorpelgelenkes der 1., 2. oder 3.Rippe mit dem Brustbein, druckschmerzhaft, bei Druck auf die Schwellung kann Schmerzausstrahlung in den Arm oder hinter dem Brustbein ausgelöst werden, was den Verdacht auf einen Herzinfarkt auslöst, nicht selten sind die Patienten wegen der tumorähnlichen Schwellung beunruhigt, daß es sich um einen bösartigen Tumor handelt.

Diagnostik/Differential-Dignose: Der klinische Befund ist so typisch, daß man normalerweise auf eine ausgiebige Diagnostik verzichten kann.
Die klassische Röntgenaufnahme hilft fast nie weiter. Sollten sich differentialdiagnostische Schwierigkeiten ergeben, wären CT oder MRT zu erwägen. Ggf. benötigt man in diesem Falle auch Laborparameter wie Blutsenkungsreaktion, Phosphatasen, C-reaktives Protein u.a., wenn der Verdacht auf Tumor, Osteomyelitis oder Tuberkulose ausgeräumt werden muß.

Therapie: Der Arzt sollte sich weder therapeutisch noch diagnostisch in die Sackgasse treiben lassen. Bei fast allen Patienten mit Tietze-Syndrom besteht Tumorangst. Wichtig ist daher eine umfassende Aufklärung und ein beruhigendes Einwirken auf den Patienten. Die Erscheinungen sind schmerzhaft aber immer harmlos.
Bestimmt der Schmerz den Verlauf kommen am ehesten lokalanaesthetische Maßnahmen in Frage: EMLA-Pflaster, lokale Infiltration von Lokalanaesthetika ggf. kombiniert mit Kortikoiden. Für besonders empfindsame Patienten kann auch die vorübergehende Verabreichung einfacher Schmerzmittel sinnvoll sein.
Die lokale Verabreichung von Wärme (z.B. Kurzwelle) oder Ultraschall hilft in einigen Fällen. Auch kann gelegentlich die Verordnung körperlicher Ruhe für einen kurzen Zeitraum empfohlen werden; zumindest sollten körperliche Beanspruchungen des Brustkorbes und Schultergürtels (z.B. Kraftsport, schwere Hebe- und Tragearbeiten) vorübergehend vermieden werden.
Die operative Abtragung der Knorpelschwellungen werden in einigen Arbeiten als letztes Mittel erwogen, doch dürfte dies in den allermeisten Fällen kaum anzuraten sein. Wichtig ist der Hinweis für den Patienten, daß eine spontane Beruhigung fast immer eintritt, wenn auch die Schmerzsymptomatik über Wochen oder Monate anhalten kann.

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Erstellt: 14.07.2002 / Änderung: keine / Autor: F.Wiegleb (fwiegleb@gmx.de)