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Früherkennung des diabetischen Fußsyndroms

Eine Methode zur Früherkennung des diabet.Fußes wird von R.Zick und A.Staudenmeyer in der Z.Allg. Med. 1996;72: 575-576 vorgestellt. Sie beruht auf der Prüfung der Wahrnehmung eines auf 10 g normierten Nylonmonofilaments. Die Methode soll in der Lepra-Forschung bereits erfolgreich zur Erkennung von Sensibilitätsstoerungen eingesetzt worden sein und könnte sich evtl. als Screeningmethode bei der Suche nach dem neuropathischen Fuss bei Diabetikern bewähren.

Der Test ist so simpel,dass er sich zur regelmäßigen Selbstuntersuchung eignet. Er ist unter dem Namen THIO-FEEL (die Ähnlichkeit mit einem bekannten alpha-Liponsäure-Präparat ist nicht zufällig) fuer unter 9,- DM in Apotheken zu erwerben.

Das Messprinzip sei hier kurz beschrieben:
Ein ca. 5 cm langes Nylonmonofilament ist am Ende eines Plastgriffes im senkrechtem Winkel zu diesem angebracht. Das Filament wird so plantarseitig auf den Vorfußballen in Höhe des zweiten distalen Mittelfußsknochens (andere Meßstellen sind ungenauer -> siehe unten) aufgesetzt, bis es sich zu einem Kreisbogen spannt. Dadurch wird am Druckpunkt ein punktueller Druck von 10 g erzeugt, der bei intaktem Nervensystem wahrgenommen wird.
Die Verfasser testeten den Nylonfaden versus Vibrameter und Thermorezeptionsmesser. In die Testgruppe wurden Diabetiker nur dann unter der Diagnose Neuropathie aufgenommen, wenn beide objektiven Testverfahren positiv ausfielen. Nicht aufgenommen in die Studie wurden Probanden mit peripherer artieller Durchblutungsstörung (Ausschluß durch Doppler-Druck-Index-Bestimmung) und bei andersweitig bedingten Schädigungen der Nerven (Alkohol-Neuropathie u.a.) sowie Patienten mit Nierenschädigung.
Insgesamt wurden untersucht: 67 Patienten mit Diabetes mell. - davon 22 Typ I ; 45 Typ II : insges. 34 Frauen u. 33 Maenner Alter 18 bis 71 , Mittelwert 50,5 mittlere Diabetes Dauer 13,7 Jahre

Von der Diabetikergruppe wurden 37 Probanden mit Hilfe der beiden objektiven Verfahren als neuropathisch erfaßt. Bei 15 dieser 37 Patienten war in der Vergangenheit bereits ein neuropathisches Ulcus diagnostiziert worden.
Vergleichsgruppe: 20 gesunde Probanden mit einem mittleren Alter von 47,5

Getestet wurde an den Praedilektionsstellen eines neuropathieschen Ulcus: Distale Köpfchen der Mittelfussknochen 1, 2 und 5, mittlere Ferse an der Fußsohle und 1 Meßstelle am Fußrücken.

Hier die grobe Uebersicht der Messergebnisse:
Spezifität des Tests 100 % an allen Messstellen - also kein falsch positives Testergebnis!

Sensitivität:    MTK 1    MTK 2    MTK 5    Ferse    Fußrücken   
[in %] 87 92 87 65 16
absolut x/37    5 3 5 13 31


Bei Messung ueber dem MTK 2 war das Ergebnis nur in 3 von 37 Fällen falsch negativ. Dies ist nach Auffassung der Autoren für ein wahrnehmungsphysiologisches Testverfahren der Vorfelddiagnostik außerordentlich gut! Bemerkenswert auch, daß alle Hochrisikopatienten, also Patienten, die bereits im Vorfeld ein neuropatisches Ulcus in der Anamnese angaben, sicher erfaßt wurden.
Zink und Studenmeyer heben hervor, dass sich die Methode im Gegensatz zur Rydel-Seifer-Stimmgabel hervorragend zur Selbsttestung der Patienten eignet. Nach ihrer Auffassung wäre der Methode eine rasche Verbreitung zu wünschen, wie dies in USA schon der Fall sein soll.
Weitere Literatur:
KUMAR,S. et aliqu.: Semmes-Weinstein monofilaments - a simple,effective and inexpensive screening device to identifying diabetic patients at risc of foot ulceration ; Diabetes Research and Clinical Practice 1991;13:63-68
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