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Nagelpilz - Onychomykose

...chronische, langsam die Nagelplatte zerstörende Fadenpilzinfektion der Finger und/oder Zehennägel, wobei einzelne oder mehrere bis alle Nägel betroffen sein können.

Synonym: Tinea unguium

Erreger: Fadenpilze (Dermatophyten), ca. 84% D.rubrum, dann D.mentagrophytes, andere seltener

Häufigkeit/Verteilung: bei Naturvölkern eine Rarität, bei zivilisierten Völkern ca. 4% (bis 10%) der Bevölkerung, Kinder aber sehr selten, Finger- : Fußnägeln = 1:4, bei Patienten mit Pilzinfektionen anderer Lokalisation steigt der Anteil der Onychomykosen bis auf 40%

Begünstigende Faktoren: mechanische bzw. traumatische Nagelschädigung (z.B. Verletzungen, enges Schuhwerk oder verstärkte Reibung), Zirkulationsstörungen

Symptome/Klinik: In der Regel schon am Nagelzustand erkennbar, wobei drei Typen unterschieden werden:

  1. distolateraler Typ: häufigste Form, Infektion erfolgt von den distalen Nagelrändern her und wächst langs in Richtung auf den Körper (nach proximal) zur Nagelmatrix und in der Tiefe zum Nagelbett, dabei durch Verhornungsstörung, die gelblich durchscheint, Anhebung der Nagelplatte möglich, nach Jahren wird der Nagel völlig zerstört (siehe Abbildung)
  2. proximal subungualer Typ: Wachstum geht von Nagelmatrix aus und dringt von dort in die Randzonen (nach distal wachsend), Zonen des Nagelabbaus wirken mehr weißlich
  3. weißer, superfizieller Typ: kommt praktisch nur an den Zehen vor, meist D. mentagrophytes, Pilzelemente nur in den äußeren Nagelschichten, die durch Lufteinschlüsse weißlich erscheint

Diagnose: typische Hauterscheinung, bakteriologischer Nachweis von Fadenpilzeelementen im Nativpräparat des mit Kalilauge aufbereiteten Nagelmaterials oder kulturelle Anzüchtung auf Spezialnährböden

Insbes. bei älteren bzw. gefährdeten Patienten darf die Suche nach einem begünstigendem Grundleiden (Diabetes, periphere Verschlußkrankheit oder HIV) nicht vergessen werden!

Differential-Diagnose (Abgrenzung gegen...):gelegentlicher Hefepilzbefall der Nägel, Schuppenflechte mit Nagelbefall, Ekzemnagel, Lichen ruber des Nagels, Nageldystrophie (Ernährungs- u. Verhornungsstörung ohne Infektion, z.B. nach Verletzung), Onychogryphosis (Holznagel)

Therapie:
  1. Strikte Hygiene bei der Nagelpflege, in Bädern, bei der Benutzung von Toilettenartikeln etc. !
  2. Ungeeignetes Schuhwerk austauschen !
  3. In frühen Stadien und oberflächlichen Verläufen Versuch einer lokalen Therapie mit antimykotischen Nagellacken bzw. -pasten. Diese enthalten ggf. auch Substanzen, die den Nagel aufweichen und die eigentlichen pilztötenden Substanzen besser eindringen lassen ( z.B. Mykospor®, Nagel-Batrafen®, Loceryl®-Nagellack u.a.)
  4. Bei ausgedehnten Befall, Zerstörung der Nagelmatrix oder bei bestehenden Grundleiden, wie sie oben genannt wurden, hilft am besten eine systemische Behandlung mit Antimykotika, die eingenommen werden müssen (Sempera®, Lamisil® u.a.).

Die interne Behandlung birgt einige Gefahren (Unverträglichkeiten, Wechselwirkungen) und sollte daher nur in komplizierten Fällen Anwendung finden. Sie gehört in die Hand eines Arztes, der Kenntnis im Umgang mit diesen Medikamenten hat. Deswegen erfolgen dazu an dieser Stelle keine weiteren Ausführungen.

Die Behandlung der Nagelpilzerkrankungen erfordert Geduld und Disziplin, da ansonsten Rückfälle vorprogrammiert sind. Die Therapie ist in der Regel nicht vor Ablauf von drei Monaten beendet. Bis zum vollständigen Auswachsen der zerstörten Nagelteile kann nochmals ein Jahr vergehen (größen- und altersabhängig).

In erster Linie ist das Krankheitsbild ein kosmetisches Problem; in zweiter Linie jedoch ein ernstzunehmende Infektion. Die Meinungen über die systemische Behandlung gehen daher selbst unter Experten etwas auseinander. An dieser Stelle möchte ich daher Herrn Dr. Rausch, niedergelassener Hautarzt/Wien, zitieren: [Aus: Jatros Dermatologie , Ausgabe 4 - 5/02]

Onychomykose: lokal oder systemisch?
Herr Dr. Rauch, welchen Stellenwert hat die Onychomykose in der Praxis?
"In der Praxis stellt die Onychomykose eine immer wiederkehrende Erkrankung dar. Es sind zwei Patientengruppen zu unterscheiden: die eine, bei denen die Pilzerkrankung der Nägel ein rein kosmetisches Problem ist, die andere Gruppe, wo die Pilzerkrankung der Nägel im Rahmen einer Grundkrankheit wie Diabetes mellitus oder einer schweren Angiopathie als behandlungswürdige schwere Mitbeteiligung doch eine ernste Erkrankung und Beeinträchtigung für die Patienten darstellt"...

"Die Patienten, für die das Problem rein kosmetisch von Bedeutung ist, werden von uns über die relative Harmlosigkeit aufgeklärt und der Patient wird sehr genau über die Vor- und Nachteile einer Therapie informiert. Primär wird die Lokaltherapie versucht, wobei hier die Ergebnisse in der Praxis meist sehr enttäuschend sind. Die Lokaltherapie führt eigentlich nur bei einem geringen Prozentsatz der Patienten, die an einer Onychomykose leiden, zu einem Erfolg"...

Wann sollte man eine systemische antimykotische Therapie anraten?
"Die systemische Therapie muss bei Patienten, die primär am kosmetischen Problem der Nagelpilze leiden, vor allem wegen der Nebenwirkungen ausführlich diskutiert" ...

"Ich empfehle eine systemische Therapie lediglich bei Patienten, wo mindestens 10 von 20 Nägeln betroffen sind und ein großer Leidensdruck vorliegt, da die Nebenwirkungen im Verhältnis zur Wirkung oft ein bedeutendes Risiko darstellen." ...

"Bei Patienten, die an einem Diabetes mellitus leiden, eine schwere Durchblutungsstörung haben oder bei denen fast alle Nägel befallen sind, wird auf jeden Fall eine systemische Therapie nach Abwägung der Risiken und des Nebenwirkungspotenzials in der Praxis verordnet"...

Abb.: Onychomykose der Großzehe li. vom distolateralem Typ. Die sehr trockene, spröde Haut, Verhornungsstörungen, Pigmentierungsstörungen und Ausfall der ursprünglich vorhandenen Sekundärbehaarung auf den Zehengrundgliedern deuten auf bestehendes Grundleiden bei dem 50-jähr. Patienten [im vorliegenden Fall ein diabetisches Fußsyndrom].

Onychomykose

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Erstellt: 17.02.2002 / Änderung: keine / Autor: F.Wiegleb (fwiegleb@gmx.de)