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Ferdinand Sauerbruch (1875 - 1951)

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Abb.: Sondermarke zu Ehren Ferdinad Sauerbruchs

Ferdinand Sauerbruch
geb. 03. Juli 1875 in Barmen
(bei Wuppertal)
verst. 02. Juli 1951 in Berlin


Sauerbruch war der führende deutsche Chirurg in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er war ein genialer, geschickter und schneller Operateur, ein erfinderischer Pionier und ein Meister der Improvisation, ein impulsiv und schwer berechenbarer Vorgesetzter, ein geliebter und gefürchteter Lehrer. Sauerbruch über seinen Beruf: "Arzttum ist das Letzte und Schönste und Größte an Beziehungen von Mensch zu Mensch..."

Sauerbruch studierte in Marburg, Jena und Leipzig Medizin, wo er 1902 promovierte. Anschließend ging er nach Kassel, Erfurt, Berlin und war 1903 bis 1905 in Breslau. Während seiner Assistenzzeit in Breslau wandte er sich unter seinem Lehrer und Förderer Johannes von Mikulicz-Radecki (1850-1905) der Brustraumchirurgie zu, - dem Teilgebiet der Chirurgie, auf dem er mit seiner Entwicklung des Druckdifferenzverfahrens Bahnbrechendes leistete. Am 6. April 1904 führte Sauerbruch seine Unterdruckkammer ("Sauerbruch-Kammer") bei einer Operation am offenen Thorax mit Erfolg öffentlich vor.
1905 bis 1907 lehrte er in Greifswald, 1907 bis 1910 in Marburg und 1910 bis 1918 in Zürich. In Marburg wurde er 1908 außerordentlicher Professor und in Zürich erhielt er 1911 einen Lehrstuhl für Chirurgie; hier widmete er sich vor allem der Thoraxchirurgie. In den Jahren des 1. Weltkrieges schuf Sauerbruch mit seinen neuartigen Arm- und Beinprothesen mit willentlich beweglichen Gliedmaßen ("Sauerbruch-Hand", "Sauerbruch-Arm", "Sauerbruch-Bein") erste verwendbare Überlebenshilfen für die vom Krieg zum Krüppel geschossenen Soldaten. Diese reichgegliederten, überraschend beweglichen Prothesen sicherten ihm eine Popularität, wie sie nur selten ein Arzt gewinnen kann. 1918 erhielt er in München das Ordinariat für Chirurgie und war hier an der Universität bis 1927 tätig und widmete sich vor allem der operativen Behandlung der Lungentuberkulose und entwickelte Diätmaßnahmen für Tuberkulosekranke.

In den Jahren 1928 bis 1949 war Sauerbruch Ordinarius für Chirurgie an der Berliner Universität und Direktor der Chirurgischen Universitätsklinik an der Berliner Charité. Hier erlebte er die Krönung seiner Laufbahn. In diese Zeit fallen seine komplizierten und riskanten Operationen, die ihm im In- und Ausland ein fast legendäres Vertrauen und Bewunderung eintrugen, und die auch heute noch ungebrochen sind. Nach dem Kriege nahm man es ihm übel, dass er dem Ungeist des Nationalsozialismus nicht stärkeren Widerstand geleistet hatte.
Im September 1933 hatte er sogar in einem "Offenen Brief an die Ärzteschaft der Welt" die nationale Wiedergeburt Deutschlands begrüßt, und auch später trug er mit seinem Namen dazu bei, das Regime hoffähig zu machen. In späteren Jahren dagegen hat er immer mehr Distanz zu den Machthabern bewahrt, ist dem Nationalismus mit abfälligen Bemerkungen und beißenden Sarkasmus in die Parade gefahren und hat sich unter eigener Gefahr für in Not geratene deutsche und jüdische Mitbürger erfolgreich eingesetzt. Möglich war ihm dies sicherlich auch, da man nicht auf ihn verzichten konnte: Seine großartigen Leistungen auf dem Gebiet der Amputationstechnik, die Entwicklung einer "Umkipp-Plastik" des Unterschenkels und seine sichere Chirurgenhand waren im Kriege notwendiger als je.
Die letzten Lebensjahre Sauerbruchs waren überschattet von einer schnell um sich greifenden Zerebralsklerose, die seinem Können Grenzen setzte. Er hinterließ mehrere Lehrbücher, u.a. "Technik der Thoraxchirurgie", "Die willkürlich bewegbare künstliche Hand", "Die Chirurgie der Brustorgane" und seine Memoiren, in denen er mit viel Humor, Ironie und Herzenswärme seinen Lebensweg beschreibt. Für die an Kunst Interessierten sei erwähnt, dass Sauerbruch sehr eng mit dem Berliner impressionistischen Maler und Graphiker Max Liebermann (1847-1935) befreundet war, und zusammen mit seinem Sohn einer der wenigen Menschen war, die dem Juden Liebermann nach seinem Tod hinter seinem Sarg schreitend die Letzte Ehre erwiesen.

Empfehlung biografische(r) Seite(n):
http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/SauerbruchFerdinand/


 



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