Abb.: Sondermarke zu Ehren Theodor
Kochers
Theodor
Kocher wurde als zweiter Sohn des Ingenieurs Jakob Alexander
Kocher (1814-1893) und dessen Frau Maria geb. Wermuth
(1820-1900) am 25. August 1841 in Bern geboren. Einige
Kinderjahre verbrachte er in Burgdorf. Nach dem Besuch
des Literargym- nasiums immatrikulierte er sich 1858
an der Medizinischen Fakultät der Universität
Bern. Er wurde Mitglied des Zofingervereins. 1865 promovierte
er "summa cum laude". Es folgten Studienaufenthalte
in Zürich ( 1865), Berlin (1865-1867), London
und Paris (1867). Zurückgekehrt habilitierte er
sich und wurde chirurgischer Assistent am Inselspital
(1867). 1869 eröffnete er eine eigene Praxis und
verheiratete sich mit Marie (1850-1925), der einzigen
Tochter des Grosskaufmanns Johannes Witschi. Aus dieser
Ehe entstammten drei Söhne. 1872 wurde
Kocher in Bern zum ordentlichen Professor für Chirurgie
gewählt. 1880 schlug er einen Ruf an die Universität
Prag aus, benutzte ihn aber, um den Neubau des aus dem
18. Jahrhundert stammenden Inselspitals zu befördern
(Einweihung 1. Etappe 1884). Kochers Ruhm wuchs rasch,
er galt ebenso dem Forscher und praktischen Chirurgen
wie dem charismatischen Arzt und Dozenten. In den
Jahren 1904-1905 liess er an der Schlösslistrasse
eine Privatklinik mit 25 Zimmern bauen, den «Ilmenhof».
Dieses «Kocherspital» wurde später
von einem der Söhne, Privatdozent Dr. med. Albert
Kocher ( 1872-1941 ), weitergeführt. Neben dem
Krankenhaus stand das Gästehaus, das heutige "Haus
der Universität". Unter Kocher studierten
viele ausländische Studenten, darunter mit Zustimmung
von Regierungsrat Albert Gobat russische Emigranten.
Unter den Patienten sei genannt Lenins Frau, Nadeschda
Konstantinowa Krupskaja, die sich 1913 von Kocher operieren
liess. Stationen von Kochers Ruhm waren: das Präsidium
der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie ( 1901),
der Vorsitz des Ersten Internationalen Chirurgenkongresses
(Brüssel 1905, mit Kochers Aufforderumng zur Krebsforschung),
die Auszeichnung durch den Nobelpreis (1909, als erster
chirurgisch tätiger Mediziner) für seine "bahnbrechenden
Arbeiten über die Physiologie, Pathologie und Chirurgie
der Schilddrüse", die Feier zum 40. Jahrestag
seiner Ernennung zum Ordinarius (22. Juni 1912). Diese
Feier vergalt er durch die Errichtung der Theodor-Kocher-Stiftung
zur «Erweiterung der wissenschaftlichen Forschung»
mit einem Kapital von 200.000 Franken, und die Öffentlichkeit
dankte wiederum durch die Umbenennung der Inselgasse
in Theodor-Kocher-Gasse. Als Wissenschaftler wurde
Kocher 1870 bekannt durch eine neue Reduktionsmethode
bei Schulterverrenkungen. Durch seine grundlegenden
Arbeiten auf dem Gebiete der Antisepsis und Asepsis,
der Schussverletzungen, der Leibesbrüche, der Knochenbrüche,
der chirurgischen Krankheiten der männlichen Geschlechtsorgane,
des Gehirns und Rückenmarks, des Magens und Darmes,
durch die Entdeckung der Funktion der Schilddrüse
und durch seine Operationslehre, die in fünf Sprachen
übersetzt worden ist, wurde er zu einer Autorität
von Weltruf» (HBLS). Theodor Kocher soll eigenhändig
6000 Operationen an der Schilddrüse ausgeführt
haben. Der bogenförmige Kragenschnitt bei Schiddrüsenoperationen
ist noch heute mit seinem Namen verknüpft. Er starb
am 27. Juli 1917 in Bern. Mutter und Gemahlin Kochers
stammten aus Herrnhuterkreisen. Nach vielen Zeugnissen
war auch der berühmte Chirurg gottesfürchtig.
Er übte private Wohltätigkeit, u.a. unentgeltliche
ärztliche Behandlung ärmerer Personen. Zusammen
mit seiner Frau stiftete er das Chorfenster der Blanche
Eglise von La Neuveville.
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