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Arzt, Pathologe, Wissenschaftler,
Sozialpolitiker geb. am 13. Oktober 1821 in
Schivelbein, Pommern verst. am 05. September
1902 in Berlin
Rudolf Virchow kam in kleinbäuerlichen
und finanziell sehr beengten Verhältnissen in Schivelbein,
einer Kreisstadt im damaligen Hinterpommern, heute Swidwin/Polen
zur Welt. Mit 18 Jahren, also im Jahr 1839, begann er
als Stipendiat an der Berliner Militärärztlichen
Akademie, der Pépinière, mit seinem Studium.
Nach seiner Promotion im Jahre 1843 arbeitete er ab
1844 als "Kompanie-Chirurg" an der Berliner
Charité, wurde hier 1844 Assistent des Prosektors,
und legte im Jahr 1846 das medizinische Staatsexamen
ab, habilitierte sich 1847 und erhielt zugleich die
Zulassung als Privatdozent. Anfang des Jahres 1848
erhielt er vom preußischen Kultusministerium den
Auftrag, die Hungertyphus-Epidemie in Oberschlesien
zu analysieren. Er benannte sehr mutig die menschenunwürdigen
Lebensumstände der dort lebenden Menschen als eine
wesentliche Ursache für den Ausbruch der Erkrankung.
An der im März des selben Jahres ausbrechenden
"Märzrevolution" beteiligte er sich sogar
als Barrikadenbauer und vertrat öffentlich reformerische
Ideen. Im Jahr 1849 wurde er für sein Engagement
offiziell staatlicherseits gemaßregelt, was seiner
Berufung an den Lehrstuhl für pathologische Anatomie
an der Universität in Würzburg aber nicht
im Wege stand. Im Jahre 1856 kehrte er als Direktor
des neu gegründeten Pathologischen Instituts der
Charité nach Berlin zurück. Er gilt
bis heute als Inbegriff des deutschen Mediziners und
Wissenschaftlers des 19. Jahrhunderts und "Papst
der Berliner Medizin": Rudolf Virchow - Begründer
der Zellularpathologie (Krankheitserklärung aus
Zellveränderungen), vergleichenden Pathologie (Krankheiten,
die bei Mensch und Tier vorkommen), Anthropologie (Abstammungslehre,
Bevölkerungsbiologie) und Ethnologie (völkerkundliche
Kulturforschung). Ein berühmter Satz
Virchows lautet: "Jede Zelle kann nur aus einer
anderen Zelle entstehen (Omnis cellula e cellula)".
Mit dieser grundlegenden Erkenntnis begründete
er die Zellularpathologie und damit den Grundstein der
modernen Medizin. Nach dem morphologischen Gedanken
der Zellularpathologie kann nicht der ganze Körper
erkranken, sondern immer nur einzelne Zellen oder Zellgruppen
- damit hatte Virchow als Erster den Begriff der Krankheit
objektiviert. Bis Virchow sein synthetisches Werk der
Zellularpathologie, mit seinen weitreichenden Aspekten
auch auf die gesamte Biologie, im Jahre 1858 der Öffentlichkeit
vorlegen konnte, musste er freilich mühsame, systematische
Forschungsarbeit leisten. Die überragende Persönlichkeit
Virchows und seine Leistungen auf den unterschiedlichsten
Gebieten wie Anatomie, Anthropologie, Ethnologie, Histologie,
Pathologie, Philosophie, Sozialwesen, Technik, Kommunalpolitik
sind außergewöhnlich. Als man zu seinem 80.
Geburtstag ein Titelverzeichnis zusammenstellte wurde
es ein Werk von 118 Seiten - 800 Arbeiten waren rein
medizinischen, 1150 anthropologischen Themen gewidmet,
wobei die Zahl seiner Vorträge und Aufsätze
auf anderen Fachgebieten nicht bekannt ist. Auf kommunalhygienischem
Gebiet setzte sich Virchow nachdrücklich für
Verbesserungen der Gesundheitsfürsorge ein, führte
1877 die obligatorische Fleischbeschau ein, initiierte
die ersten vier städtischen Krankenhäuser
Berlins sowie das System der Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung
der Stadt. Virchow begleitete Heinrich Schliemann
(1822-1890) bei dessen Ausgrabungen von Troja, gründete
und leitete die Deutsche Anthroplogische und die Deutsche
Pathologische Gesellschaft. Auch seine politische
Laufbahn ist für einen Wissenschaftler ungewöhnlich:
Berliner Stadtverordneter (1859), Mitbegründer
der Fortschrittspartei und Wahl in den Preußischen
Landtag (1860), Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses
(1861) und des Deutschen Reichstages (1880 bis 1893).
Alss Lehrer erfreute sich Virchow großer Wertschätzung
- auch wenn er ein strenger und anspruchsvoller Examinator
war. Wenn er den Hörsaal betrat, folgte in der
Regel hinter ihm ein Wagen mit einer meist älteren
Leiche, die wenig angenehm roch. Wehe dem, der sich
die Nase zuhielt, denn der Betreffende wurde unverzüglich
von Virchow gebeten, ihm bei der Demonstration und Leichenöffnung
behilflich zu sein und gewöhnlich fügte er
dann ironisch hinzu: "Sie wollen Mediziner werden!?"
Empfehlung biografische(r) Seite(n):
http://www.onmeda.de/lexika/persoenlichkeiten/virchow.html
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