|
Ignaz Philipp Semmelweis (1818
- 18165) Max von Pettenkofer (1818 -
1901) |
  
|

Abb.1: ETB, SSt und SMarken
Bedeutende Persönlichkeiten der ehemaligen
Post der DDR - drei Ärzte, der einzige deutsche
Schachweltmeister E. Lasker und ein Komponist.
obere Reihe links: K.Landsteiner (siehe 1.Seite
dieser Folge) - untere Reihe: I.Semmelweis und M.von
Pettenkofer Abb.2: Sondermarke
der Bundespost aus der Reihe Helfer der Menschheit.
Diese Ehrung ist mit einem Fehler behaftet, denn
Fieberkurven (am Bett) wurden erst nach Semmelweis´
Tod in die klinische Praxis eingeführt.
Ignaz Philipp Semmelweis
geb.* 1. Juli 1818 in Ofen (bei Buda;
heute: Budapest) verst. 13. August 1865 in Döbling
(bei Wien)
Ignaz Philipp Semmelweis war ein
Vorkämpfer für die Antisepsis und wurde damit
zum "Retter der Mütter".Sein Wirken endete
tragisch. Semmelweis entdeckte die Ursache des Kindbettfiebers,
- eine von hohem Fieber begleitete eitrige Berührungsinfektion,
die vor- wiegend im Bereich der Geburtswunde auftritt.
Man nannte sie "Frauentod aus Männerhand",
da sie fast durchweg bei der Untersuchung durch die
Hand des Arztes entstand. In manchen Kliniken starben
daran über 90 Prozent der Wöchnerinnen! Semmelweis
führte die Händedesinfektion ein und reduzierte
damit die Zahl der Erkrankungen drastisch. Doch statt
Anerkennung erntete er die Feindschaft seiner Fachkollegen.
Ihre Ignoranz und vor allem Ablehnung war verständlich:
Hatten sie sich doch gerade erst die Geburtshilfe aus
den Händen der Frauen erobert, konnte es nicht
angehen, dass ausgerechnet sie für ihren Tod verantwortlich
sein sollten. Semmelweis hat die allgemeine Bestätigung
seiner Erkenntnis nicht erlebt. Er erkrankte an einer
endogenen Psychose und starb 47-jährig in der Landesirrenanstalt
Döbling an einer Wundinfektion. Semmelweis hatte
in Pest (heute: Budapest) und Wien Medizin studiert
und dort im Jahre 1844 auch promoviert. 1846 wurde er
zum Assistenten der Geburtshilflichen Klinik des Allgemeinen
Krankenhauses in Wien ernannt. Diese bestand aus zwei
Abteilungen, eine, die den Ärzten und Medizinstudenten
zugeordnet war und eine zweite, für die die Hebammen
verantwortlich waren. Die schweren "Epidemien"
mit auffallend mehr Todesopfern in der ersten Abteilung
führten Semmelweis zu der Annahme, dass die Ursache
in der ärztlichen Untersuchung liegen musste. Durch
den Tod des befreundeten Gerichtsmediziners Jakob K.
Kolletschka (1803-1847), der an einer Blutvergiftung
(Sepsis) starb, die er sich durch eine Wunde beim Sezieren
zuzog, konnte Semmelweis im Mai 1847 zeigen, dass das
Krankheitsbild der Sepsis bei diesem Kollegen identisch
war mit dem Krankheitsbild des Kindbettfiebers der Mütter.
Die gemeinsame Ursache waren, wie er schrieb, "die
Leichenteilchen, die in das Blutgefäßsystem
gelangten". Dies war nicht verwunderlich, denn
Ärzte und Studenten kamen direkt vom Seziersaal
zur Untersuchung und infizieren so ihre Patientinnen.
Durch Einführung der Desinfektion durch Waschungen
der Hände mit einer Lösung aus Chlorkalk als
hygienische Maßnahme konnte Semmelweis in seiner
Abteilung die hohe Sterblichkeit der Frauen um die Hälfte
herabsenken. Man ernannte ihn zwar zum Privatdozenten,
doch ansonsten wurde er in Kollegenkreisen diskreditiert.
Gekränkt verließ Semmelweis 1849 Wien und
kehrte in seine ungarische Heimat zurück.
Im
Jahr 1855 erhielt Semmelweis an der Pester Universität
eine Professur für Geburtshilfe. Hier verfaßte
er eine umfassende Darstellung seiner Entdeckung, Untersuchungen
und Ergebnisse, die er in "Offenen Briefen"
verbreitete, und die 1861 als "Die Ätiologie,
der Begriff und die Prophylaxe des Kindbettfiebers"
erschienen. Nur wenige Kollegen, unter ihnen die Mediziner
Ferdinand von Hebra (1816-1880) und Joseph Skoda (1805-1881),
setzten sich für ihn ein und verbreiteten seine
Ideen. Jedoch erst als man das von dem schottischen
Chirurgen Joseph Lister (1827-1912) im Jahre 1867 vorgeführte
Besprühen des Operationsfeldes mit desinfizierendem
Karbol in die Chirurgie eingeführt und damit einen
steilen Abfall der Mortalität im Operationssaal
erreicht hatte, erhielt Semmelweis posthume Anerkennung.
Erst über Lister und die Erkenntnisse in der noch
jungen Bakteriologie fand das Händewaschen vor
einer geburtshilflichen Untersuchung Eingang in die
alltägliche Arztpraxis. Bis dahin hatten noch unzählige
Mütter durch ärztliche Ignoranz ihr Leben
lassen müssen. Heute tritt das Kindbettfieber bei
aseptischer Entbindung bis auf ganz wenige Fälle
von Autoinfektionen nur selten auf.
Max von Pettenkofer
geb. am 3.12.1818 in Lichtenstein
gest. am 10.02.1901 in München Max Pettenkofer
wurde als Bauerssohn in Lichtenheim bei Neuburg an der
Donau geboren. 1837 ging er nach München, um Philosophie
und Naturwissenschaften zu studieren. 1844 ging er zu
Justus von Liebig nach Gießen, kehrte jedoch schon
ein Jahr später nach München zurück und
wurde Assistent beim Hauptmünzamt. 1847 wurde
er zum Professor für das Institut für Medizinische
Chemie an der Universität in München ernannt.
1865 wurde er dessen Direktor. Pettenkofer schuf die
Grundlagen der modernen Hygiene. In einem Selbstversuch,
bei dem er eine ganze Kultur von Cholerabakterien trank,
wollte er nachweisen, dass der 1883 vom Bakteriologen
Robert Koch entdeckte Cholera-Erreger nicht der allein
auslösende Faktor für die Erkrankung ist.
Da er nicht erkrankte, fühlte er sich mit dieser
irrigen Ansicht bestätigt. Ansonsten erwarb er
sich jedoch Ruhm und Ansehen in seinem Bemühen
um eine hygienegerchte Wohn- und Umwelt. Ein
entscheidender Faktor in der Seuchenprophylaxe sah Max
Pettenkofer in sauberem Trinkwasser. Zur Erforschung
der nützlichen und schädlichen Faktoren für
die Gesundheit forderte er das naturwissenschaftliche
Studium der Umwelt. Neben München führten
auch andere Städte die von Pettenkofer vorgeschlagenen
Maßnahmen zur Gesundheitsvorsorge ein. Damit sank
die allgemeine Seuchengefahr. 1879 wurde das
nach Pettenkofers Plänen errichtete erste Hygiene-Institut
der Welt in München eröffnet. Für seine
Verdienste um die Gesundheit der Menschheit wurde Pettenkofer
1883 in den erblichen Adelsstand erhoben. Max von Pettenkofer
beging am 10.2.1901 in München Selbstmord.
 Copyright 2001-2006 by Dipl.-Med.Frank
Wiegleb, Siebigerode; Germany. All Rights Reserved.
|