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Philipe Pinel (1745-1826)

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Psychiater, Pathologe, Philosoph, Physiker

geb. am 20. April 1745 in Jonquières (Frankreich)
verst. am 25. Oktober 1826 in Paris

Pinels Verdienst ist die Befreiung der Geisteskranken von ihren tatsächlichen und gesellschaftlichen Zwängen. Bis dahin waren Geisteskranke nicht als Kranke angesehen worden, sondern wurden als vermeintlich gemeingefährliche Irre gleich Verbrechern, oft gefesselt, in Eisen gelegt oder sonstwie "ruhiggestellt", in "Irrenabteilungen" von Hospitälern, in "Tollkoben" und "Narrentürmen" oder feuchten Kellergeschossen ehemaliger Zuchthäuser gesperrt oder in "Narrenkolonien" weit ab menschlicher Ansiedlungen verbracht und von korrupten und kriminellen Wärtern beaufsichtigt. Der inhumane Umgang mit den unglücklichen Geschöpfen beschränkte sich darauf, den Körper am Leben zu erhalten, und die ärztliche Kunst erschöpfte sich in Therapien wie "Kopfkühlungen", Abszeßbildung, Einschließen in Schleudermaschinen und dergleichen. Der englische Arzt und Erzähler Archibald J. Cronin (1896-1981) schildert in seinen sozialkritischen Romanen die grausamen Heilungsversuche aus eigener Anschauung.
Pinel kam erst über ein Studium der Theologie und Philosophie zur Medizin, die er in Toulouse studierte. Zur weiteren Ausbildung ging er nach Montpellier und anschließend Paris, wo er sich dem Studium der Geisteskrankheiten zuwandte. Hier begann er im Rahmen seiner Tätigkeit als Arzt an den Anstalten Bicêtre und an der Salpêtrière mit Versuchen zur Kenntnis über das Wesen der Geisteskrankheiten und ihrer Heilung oder zumindest Linderung.
1794 wurde er Professor an der Medizinschule in Paris, zunächst für Medizinische Physik, dann für Pathologie.
Die im wahrsten Sinne des Wortes "Kettenbefreiung" durch Pinel begann ab dem Jahre 1793 - begünstigt durch die politischen und sozialen Umwälzungen der 1789 begonnenen Französischen Revolution. In umfangreichen Untersuchungen hatte Pinel die Eigenheiten der Geisteskranken studiert und daraus ein Konzept der psychischen Krankheiten aufgestellt, mit dem er die unterschiedlichen Krankheitserscheinungen auf eine gemeinsame anatomische, physiologische und pathologische Basis zu stellen suchte. Dieser Versuch muß nach unserem heutigem Kenntnisstand zum Scheitern verurteilt gewesen sein. Aber die durch Pinel erstmals in dieser Breite und Ausführlichkeit durchgeführte Nosographie der zu dieser Zeit deutbaren Geisteskrankheiten zeigt ihn als einen vom aufklärerischen Impuls getragenen humanitären Arzt. Pinel war der Erste, der die Psychiatrie an die allgemeine Medizin heranführte und damit die soziale und wissenschaftliche Isolation der Geisteskranken aufbrach, und sie so allmählich der medizinischen Methodik und ärztlichen Betreuung zuführte. Die auf seine Arbeiten basierende "Irrengesetzgebung" durch Jean-Etienne Esquirol (1772-1840) veranlaßte zwischen 1805 und 1838 die Neuorganisation der psychiatrischen Einrichtungen in Frankreich. Im Zuge der Hinwendung zur wissenschaftlich-administrativen Institution der Psychiatrie insgesamt wurde unter anderem im Jahre 1814 der klinische Unterricht über psychische Krankheiten und Schutzbestimmungen für die Geisteskranken eingeführt. Letztere sahen zum Beispiel den vollständigen Ersatz der Ketten durch Zwangsjacken, das Verbot des Ochsenziemers, mehrmalige tägliche Mahlzeiten, hygienische Grundregeln und regelmäßige Arztbesuche vor.
Den von Pinel vorgezeichneten Weg ist wenig später der Begründer der wissenschaftlichen Psychiatrie in Deutschland, Wilhelm Griesinger (1817-1868), weitergegangen; er initiierte die Universitätspsychiatrie und verschaffte damit der deutschen Psychiatrie internationale Geltung.

  Empfehlung biografische(r) Seite(n):
http://www.ch-charcot56.fr/histoire/biograph/pinel.htm (franz.)
 
http://www.onmeda.de/lexika/persoenlichkeiten/pinel.html


 



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