Die Entdeckung des Tuberkel-Bakteriums
1882 durch Robert Koch war eine Sternstunde medizinischer
Forschung. Sie wies den Weg zur Überwindung einer
der verheerendsten Seuchen: der Tuberkulose. Jahrhunderte
hindurch führte die "Schwindsucht" unrettbar
in Siechtum und Tod. Heute haben Chemotherapie, bessere
Betreuung der Patienten und eine verfeinerte Diagnostik
dieser Krankheit viel von ihrem früheren Schrecken
genommen. Aber dennoch scheint es, als wurden gerade
in jüngster Zeit neue Mikroben wieder zu einer
ernsten Bedrohung der Menschheit.
Abb.: Block zum 100.
Jahrestages der Entdeckung des Tuberkuloseerregers
durch Robert Koch

Zur Unterstützung seiner Arbeit
wurde 1907 die "Robert-Koch-Stiftung" zur
Bekämpfung der Tuberkulose begründet mit dem
Ziel, der Tuberkulose-Forschung durch finanzielle Förderung
von Wissenschaftlern weiteren Auftrieb zu geben.
Nach einer durch Zeitverhältnisse bedingten Ruhepause
hat sie aus Anlaß der fünfzigsten Wiederkehr
des Todestages von Robert Koch im Jahre 1960 ihre Tätigkeit
wieder aufgenommen und seither zentrale Fortschritte
der modernen Immunologie vorgehoben, ausgezeichnet und
mit finanziellen Mitteln unterstützt; gemäß
ihrer Satzung fördert die Robert-Koch-Stifting
wissenschaftliche Arbeiten und Forschungen zur Bekämpfung
der Infektionskrankheiten und anderer Volkskrankheiten.
Ihr steht dabei ein wissenschaftlicher Beirat und ein
Kuratorium unter Vorsitz der Präsidentin des Bundestages
zur Seite.
Koch gilt als Hauptbegründer der
medizinischen Bakteriologie. Er entwickelte naturwissenschaftliche
Standardmethoden, mit denen er als Erster bewies, daß
die Ursache der so verheerend wirkenden ansteckenden
Krankheiten wie Cholera, Milzbrand, Tuberkulose, Malaria,
Schlafkrankheit und Pest, gegenüber denen die Ärzte
völlig machtlos gegenüberstanden, spezielle
Bakterien sind. Koch, eines von 13 Kindern einer
Bergmannsfamilie, begann 1862 in Göttingen das
Studium der Naturwissenschaften, mit dem Ziel, Lehrer
zu werden, doch wechselte er schon bald zur Medizin.
1872 absolvierte er das Physikum und erhielt eine Stelle
in Wollstein (Posen), wo er als Kreisphysikus, Arzt
und Geburtshelfer in einer großen Praxis arbeitete.
Hier begann Koch, täglich aufs Neue die Machtlosigkeit
der ärztlichen Kunst gegen ansteckende Krankheiten
vor Augen, sich mit ihren Ursachen zu beschäftigen.
Zufällig erstes Studienobjekt wurde der Milzbrand,
eine Krankheit an Schafen, dessen Erreger (der Bacillus
antracis) er 1876 nach mühsamen Experimenten fand.
Dazu hatte er ein System der isolierten Züchtung
von Bakterien auf Nährboden (Plattenkultur) entwickelt,
die seitdem Bestandteil jeder bakteriologischen Forschung
ist. Die Entdeckung des Milzbranderregers wurde begeistert
aufgenommen und erhob Koch von dem bis dahin unbekannten
Landarzt zu einem medizinischen Forscher von Rang.
Noch in Wollstein wandte er sich der Erforschung der
Wundinfektionskrankheiten zu und wurde 1880 an das neugegründete
Kaiserliche Gesundheitsamt nach Berlin berufen, wo er
die Leitung der Bakteriologischen Abteilung übernahm
und die Untersuchungen ansteckender Krankheiten unter
optimaleren Bedingungen fortführen konnte.
Weltruhm erlangte Koch mit der Entdeckung des Tuberkelbazillus
im Jahre 1882. Als er 1890 auf dem X. Internationalen
Medizinischen Kongreß in Berlin das Tuberkulin,
einen aus Tuberkel-Bakterien gewonnenen Impfstoff, vorstellte,
strömten Tausende Kranke hierher, und die Berliner
Stadtverordneten ernannten Koch zum 42. Ehrenbürger.
Für seine Entdeckungen über die Tuberkulose
erhielt Koch 1905 den Nobelpreis für Medizin und
Physiologie.
Abb.: Sonderstempel
und Gedenkmünze der Deutschen Bundespost
anläßlich des 150. Geburtstages
Robert Kochs vom 9.2.94 (älteres
Markenmotiv) und Sondermarke der Freien
stadt Danzig
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