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Andreas
Vesal [Vesalius] (1514 - 1564) |
  
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geb. am 31.12.1514 (Sylvesternacht)
in Brüssel verst. am 15.10.1564 Insel Sakinthos
(Griechenland) 1543 veröffentlichte Andreas
Vesal, seinerzeit Professor der Anatomie zu Padua, in
Basel sein grundlegendes 663 Seiten starkes Buch über
die Anatomie "De humani corporis fabrica libri
septem". Damit beginnt die wissenschaftliche Anatomie
der Neuzeit.
Mit scharfen Worten, mehr als 250 beeindruckenden
Illustrationen, 14 ganzseitigen "Muskelmännern"
und drei Skelettdarstellungen - alle von Tizian (1477-1576)
vor Landschaftsmotiven des Domenico Campagnola (1500-1564)
gezeichnet - deckt Vesal darin mehr als 200 Fehler der
bisherigen Anatomie auf. Neben seiner fachlichen Kompetenz
ist das Werk gleichermaßen in künstlerisch-ästhetischer
Hinsicht ein einzigartiges bibliophiles Ereignis. Es
enthält auch ein Bildnis Vesals vom Tizian-Schüler
Johann Stephan von Kalkar (1500-1646) - die einzig bekannte
Darstellung des großen Arztes, Chirurgen und Anatomen.
Der als Sproß einer deutschen
Familie geborene Vesal verlebte seine Jugend in Brüssel.
Im Alter von 14 Jahren begann er in Löwen (Belgien)
Sprachen und Wissenschaften zu studieren, wechselte
1531 zur Medizin und ging 1533 als Medizinstudent nach
Paris. Bei seinen akademischen Lehrern Johann Guenther
(1505-1574) und Jacques Dubois (1478-1555) lernte er
vor allem die galenische Medizin und Anatomie.
 Abb.: Vesal und Ibn Khaldoum
auf einer tunesischen Marke
Der altgriechische Arzt Claudius Galenus
(Galen; 129-199) galt mit seinem umfassenden System
der Medizin und Anatomie über einem Jahrtausend
als der unumstrittene Herrscher der Heilkunde. Selbst
wenn bei gelegentlichen Sektionen am Menschen Unterschiede
zwischen Befund und galenischer Lehrmeinung auftraten,
war man eher geneigt, an eine Veränderung der menschlichen
Körpers als an einen Fehler des großen Gelehrten
zu glauben. Vesals Lehrer Dubois sezierte als einer
der ersten Bestandteile des Menschen anstelle von Schweinen,
nannte Muskeln mit Namen statt Zahlen, erfand die Injektion
von Farblösungen in Blutgefäße. Vesal
ging einen Schritt weiter: Auf Friedhöfen und Hinrichtungsstätten
organisierte er sich Material zur eigenen Präparation,
deren Resultate oft gar nicht mit den in den Anatomiebüchern
übereinstimmten. Bald führte Vesal für
seine Lehrer die Sektionen durch. Nach Löwen zurückgekehrt,
demonstrierte er dort 1536 eine öffentliche Sektion.
Im Jahre 1537 ging er an die Universität Padua
und promovierte hier. In Anerkennung seiner hervorragenden
Kenntnisse erhielt Vesal vom venezianischen Senat einen
fünfjährigen Zeitvertrag als Professor für
Chirurgie mit Lehrverpflichtung zur Anatomie. In diesen
fünf Jahren schuf Vesal sein anatomisches Lebenswerk.
Bereits 1538 veröffentlichte er
in Venedig die "Tabulae anatomicae sex" mit
drei von ihm selbst entworfenen Arterien- und Eingeweidedarstellungen
sowie drei wirkunsgvollen Skelettfiguren, die Stephan
von Kalkar zeichnete. Professor und Prosektor in sich
vereinigend sezierte Vesal ab 1539 die Leichen aller
in Padua zum Tode verurteilten Deliquenten. Daneben
führte er 1540 anatomische Demonstrationen in Bologna
durch. Bei seinen Forschungen bestätigte sich,
dass Galen offenbar keine Menschen, sondern Rhesusaffen
und Hunde präpariert hatte. Vesal stellte jedoch
Galen niemals in Frage, sondern beabsichtigte nur eine
Korrektur und Ergänzung. Nach vierjähriger
Forschungsarbeit veröffentlichte er 1543 sein o.g.
Hauptwerk . Das Buch fand sofort zahlreiche Nachahmer,
wurde in 25 (soweit bekannt ist) Ausgaben und unzähligen
Plagiaten publiziert. Während Vesals neue Anatomie
bei Studenten und fortschrittlichen Professoren begeisterte
Zustimmung fand, regte sich - wie immer in solchen Fällen
- in den Kreisen der dogmatischen Galenisten Widerstand.
Dies schadete seiner Reputation allerdings kaum, zumal
Vesal in dem Buch eine Widmung an den römisch-deutschen
Kaiser Karl V. (1500-1558) gerichtet hatte. Vielleicht
wirkte sich dies auch für seine Berufung als Hofarzt
beim Kaiser aus. Vesal lebte jetzt in Spanien und begleitete
den Monarchen auf seinen zahlreichen Reisen und Heereszügen
und widmete sich dabei besonders der Chirurgie. Später
folgte er Karls Sohn Philipp II. von Spanien (1527-1598)
als Leibarzt nach Madrid.
1555 gab Vesal noch einmal ein aktualisiertes
anatomisches Werk heraus. Während einer Pilgerreise
in das Heilige Land starb er auf der Insel Sakinthos;
er wurde auf der Insel Korfu begraben. Ein von Vesal
präpariertes Skelett, das erste anatomische Präparat
diesseits der Alpen, ist noch heute in Basel zu besichtigen.
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