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Johan Baptista van Helmont (1579 - 1644)

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Arzt, Naturforscher, Chemiker

geb. am 12. Januar 1579 in Brüssel
verst. am 30. Dezember 1644 in Vilvoorde (bei Brüssel)

Als Sohn einer Familie aus dem Landadel - sein Vater war Staatsanwalt - studierte Johan van Helmont in Löwen Philosophie, Theologie sowie Naturkunde und erhielt 1599 dort die medizinische Doktorwürde. Anschließende ärztliche und wissenschaftliche Studienreisen führten ihn in die Schweiz, nach Italien, Frankreich und England. 1605 kehrte er zurück und heiratete 1609 Margarite van Ranst - ein Mädchen aus vornehmer Familie -, mit der er einen Sohn, Franciscus Mercurius (1618-1699) hatte, der später Philosoph wurde.

1606 ging van Helmont nach Vilvoorde, richtete sich hier ein Laboratorium ein, und gab sich bis zum Jahre 1616 privaten Forschungen hin. Anschließend arbeitete er wieder hauptsächlich als Arzt.
Johan van Helmont war für seine Zeit ein aufgeschlossener, neugieriger Gelehrter, der seine Beobachtungsgabe und seinen Verstand benutzte. Dabei bemerkte er die Widersprüche der auf die Scholastik begründeten dogmatischen Wissenschaft der experimentellen Forschung, so wie sie mit den damaligen Erkenntnissen und Mitteln ausgeübt wurde. Zu seinen Untersuchungen gehörte auch der Nachweis, dass nicht die vier Elemente Feuer, Wasser, Erde, Luft die Grundbausteine der Materie seien, sondern alleine das Wasser und die Luft. Van Helmont nahm dazu eine Weide von bekanntem Gewicht, die er in eine genau abgewogene Menge Erde pflanzte. Nach fünf Jahren wog das Bäumchen knapp 80 kg, während das Gewicht der Erde sich kaum merklich verringert hatte. Van Helmont folgerte daraus (unrichtig), dass sich das Wasser zum Gießen des Bäumchens in pflanzliche Substanz umgewandelt habe. Heute gehört es natürlich zum Schulwissen,, dass die Gewichtszunahme vor allem auf das von der Pflanze "veratmete" Kohlendioxid zurückzuführen ist. Auch wenn van Helmonts Folgerung falsch war, da er ja auf keinerlei Basisdaten zurückgreifen konnte - war sein experimentelles Vorgehen der erste (geschichtlich nachweisbare) Versuch einer wissenschaftlich quantitativen Methode, das heißt durch exaktes Messen, etwas zu erfahren oder zu beweisen.

Obwohl er ein Anhänger der Lehren Paracelsus (1493-1541) war - die herausragende Ärztepersönlichkeit bis in die Neuzeit - lehnte er dessen Prinzipienlehre ab. Krankheiten fasste van Helmont als Störungen der chemischen Vorgänge im Körper auf. Daher empfahl er zur Behandlung vor allem chemische Mittel (iatrochmische Substanzen). Van Helmont kann damit als ein früher Wegbereiter der Biochemie gelten - Paracelsus war ja ein Wegbereiter pharmazeutischen Chemie.

Mit derartigen Praktiken, sowie durch die von ihm (mit Recht) vehement verneinte "Heilkraft der Religion" löste Johan van Helmont heftige Kontroversen aus, so dass die Medizinische Fakultät von Löwen ihn ermahnen musste. Doch seine Schriften gelangten 1623 zur Untersuchung an die spanische Inquisition in den Niederlanden, die sie schließlich 1625 beschlagnahmte.
1626 wurde Johan van Helmont wegen "Ketzerei, Arroganz und Beziehungen zu Lutherianern und Calvinisten" von der Inquisition angeklagt und 1630 zum Widerruf gezwungen. Doch die Inquisition verfolgte seinen Fall weiter und verurteilte ihn 1633 als "Anhänger des monströsen Aberglaubens der Paracelsischen Schule" zu Hausarrest. 1634 wurde er schließlich für ein Jahr in kirchlichen Gewahrsam genommen und nach Verhören nochmals unter verschärften Hausarrest gehalten. Erst 1642 wurden die Verfahren gegen van Helmont formell von der Inquisition eingestellt. Die recht behutsame Behandlung van Helmonts durch die Inquisition mag seiner Herkunft und die seiner Ehefrau zu verdanken sein.


 



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