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Karl Freiherr von Rokitansky (1804 - 1878)

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geb. am 19.2.1804 Königgrätz (heute Hradec Králové, Tschechische Republik)

gest. am 23.7.1878 in Wien

1844 Universitätsprofessor in Wien,
1850-78 Präsident der Gesellschaft der Ärzte,
1869-78 Präsident der Akademie der Wissenschaften,
1870 Präsident des Obersten Sanitätsrats.

 

Rokitansky schuf mit J. Škoda ein noch heute gültiges System der Krankheiten, aufbauend auf der genauen Beschreibung der Befunde, und eine neue Pathologensprache. Er stellte erstmals bestimmte Krankheitstypen auf und begründete die objektive Richtung der Wiener Medizinischen Schule sowie die experimentelle Pathologie und die Pathologische Anatomie als selbstständiges Studienfach. Er machte - im Gegensatz zu R. Virchow - das Blut für lokalisierte organische und Allgemeinerkrankungen verantwortlich (Krasen- und Blastemlehre).
Rokitansky (1804-1878) zählt zu den großen Wegbereitern der pathologischen Anatomie. Er schuf die Grundlage für die Zellularpathologie seines jüngeren Kollegen Rudolf Virchow (1821-1902) und trug maßgeblich dazu bei, die Medizin zu einer empirischen Wissenschaft zu machen. Todesfälle, die keinerlei krankhafte morphologische Veränderungen aufwiesen, versuchte er mit seiner Krasenlehre zu erklären. Diese war notwendigerweise spekulativ und wurde entsprechend scharf kritisiert, nahm aber einige spätere Erkenntnisse der medizinischen Mikrobiologie und Immunologie hellsichtig vorweg.
Carl Freiherr von Rokitansky gab der medizinischen Forschung um die Mitte des 19. Jahrhunderts wichtige Impulse, indem er sie konsequent an der modernen Naturwissenschaft ausrichtete. Er maß der morphologischen Ausprägung der Krankheiten besondere Bedeutung zu und revolutionierte Diagnose und Therapiemöglichkeiten durch die Auswertung morphologischer Befunde verstorbener Patienten. Mit dieser Methode wurde er zum Begründer der Pathologischen Anatomie. Sein wissenschaftlicher Ansatz wurde im 20. Jahrhundert weiterentwickelt und methodisch erweitert.
Die Aktivitäten des Begründers der Pathologischen Anatomie beschränkten sich nicht auf die Medizin: In Führungspositionen verschiedenster akademischer und politischen Institutionen prägte er nicht nur die Geschichte der Wiener Medizinischen Schule, sondern auch die Ära des Österreichischen Hochliberalismus. Rokitansky repräsentierte den Liberalismus des Bildungsbürgertums. Im Streben nach "Freiheit und Fortschritt" trug er sowohl zur Universitätsreform bei, als auch zur wesentlichen Verbesserung des Gesundheitswesens. 1853 wurde er der erste frei gewählte Rektor aus dem medizinischen Professorenkollegium der Universität Wien und oberster Sanitätsrat. Ab 1850 leitete er die Gesellschaft der Ärzte in Wien. 1867 wurde er als Vertreter der Wissenschaft ins Herrenhaus des Reichsrats berufen. Der angesehene Mediziner wurde 1869 zum Präsidenten der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften gewählt, eine Funktion, die er bis zu seinem Tod am 23. Juli 1878 innehatte.
Obwohl Rokitansky in der naturwissenschaftlichen Forschung für die "materialistische Methode" eintrat, lehnte er den Materialismus als Weltanschauung ab. Er warnte davor, Patienten nur mehr als Objekte der Forschung zu sehen und so ihre Würde als Person zu missachten. Bereits um die Mitte des 19. Jahrhunderts thematisierte er die ethischen Probleme einer naturwissenschaftlich orientierten Medizin. Sein philosophisches Weltbild war gegen die romantische Naturphilosophie gerichtet und vereinte Elemente des Denkens von Bernard Bolzano, Immanuel Kant und Arthur Schopenhauer.


Empfehlung biografische(r) Seite(n):
http://www.aeiou.at/aeiou.encyclop.r/r750865.htm
http://www.oeaw.ac.at/shared/news/2004/press_inf_20040216a.html


 



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