Im Zeichen des Aesculapstabes

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Aretaeus (um 150 n.Ch.), Claude Bernard (1813 - 1878)
Oskar Minkowski (1858 - 1931), Frederick Banting (1891 - 1941)

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Die vier abgebildeten Ärzte und Forscher in der Serie "Helden der Medizin" aus der Transkei(1) trugen mit ihren Beobachtungen zu wesentlichen Erkenntnissen über die Volksseuche Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) bei.


Abb.: ETB, Sonderstempel und Sondermarken der Transkei
(1) zu Ehren der vier Forscher
(1)
Transkei ("jenseits des Kei") war das erste der ehemaligen autonomen Bantu-Verwaltungsgebieten im östlichen Kapland in Südafrika. Die Fläche beträgt 43.800 km² und die Einwohnerzahl ca. 3,2 Millionen Menschen. Mit der Hauptstadt Umtata erhielt als Homeland innerhalb der Apartheid-Politik Südafrikas begrenzte autonome Rechte. Von 6.240.000 Xhosa lebten 1989 2.930.000 in Transkei. Der einzige Hafen ist Port St. John.

England verwaltete die Transkei ab dem 19. Jahrhundert über ernannte "Headmen" in einem Ratssystem. Dieses hat sich 1931 in einem Allgemeinen Rat unter Vorsitz weißer Beamte vereinigt. 1951 wurde es nach dem Zusammenschluss um Regionalräte erweitert. 1956 wurde an Stelle des Allgemeinen Rates als Dachorganisation der von den Stämmen aufgebauten Selbstverwaltung ein "Gebietsrat aller Xhosa" eingesetzt.
Seit 1963 verfügte Transkei über innere Selbstverwaltung und wurde als erstes Bantu-Homeland am 26. Oktober 1976 formal in die volle Unabhängigkeit entlassen. Die Unabhängigkeit wurde international nie anerkannt. 1978 brach Transkei die diplomatischen Beziehungen zu Südafrika ab. Mit dem Ende der Apartheidspolitik und den ersten allgemeinen Parlamentswahlen in Südafrika vom 26. bis 29. April 1994 wurde Transkei wieder ein Teil der Republik Südafrika. Transkei wurde in die südafrikanische Provinz Ost-Kap eingegliedert.

Aretaeus

Aretaios von Kappadozien beschrieb schon vor fast 2000 Jahren die "Zuckerkrankheit". Seine Beobachtungen sind noch heute beeindruckend genau. Einige Diabetiker sind der Meinung, daß sie noch nirgendwo anders die Anzeichen für den Diabetes, bevor er diagnostiziert wurde, so klar beschrieben gefunden hätten!
"Eine rätselvolle Krankheit ist der Diabetes, und nicht sehr häufig bei den Menschen. Fleisch und Bein schmilzt im Urin zusammen, Feuchtigkeit und Kälte ist die Veranlassung wie bei der Wassersucht, aber die Flüssigkeit geht auf dem gewohnten Weg durch Nieren und die Blase ab. Die Kranken hören nie auf Harn zu lassen, sondern wie aus geöffneten Schläuchen rinnt es unaufhörlich.
Über die Entstehung und Entwicklung der Krankheit dauert es einige Zeit, aber sind die Symptome erst vollkommen ausgebildet, so befindet sich auch der Mensch am Ende seiner Tage, denn dann nimmt die Abzehrung rasch überhand, und nach einem elenden und schmerzvollen Leben erfolgt der schnelle Tod.
Die Kranken haben einen unauslöschlichen Durst und trinken und harnen sehr viel. Indessen übersteigt die Quantität des gelassenen Urins doch noch die des Getränks.
Versuche auch nicht, sie vom Harnen oder Trinken abzuhalten, denn wenn sie auch nur auf kurze Zeit sich des Trinkens enthalten, so wird alsbald der Mund trocken, der Körper verdörrt und es ist ihnen, als wenn die Gedärme verbrennen. Sie führen ein elendes, weinerliches Leben und sterben nach gar nicht langer Zeit, denn der Durst quält sie wie loderndes Feuer. Im Beginn der Krankheit ist der Mund trocken, der Speichel weiß und schaumig wie bei durstenden Menschen, aber noch ist kein Durst vorhanden. Nimmt das Übel zu, so tritt eine zwar geringe, aber beißende Hitze in den Eingeweiden auf. Der ganze Körper magert ab, der Urinabgang wird reichlicher, der Durst wird immer heftiger.
Und daher auch hat, wie ich glaube, die Krankheit den Namen Diabetes erhalten, als wenn sie ein Weinheber wäre, weil nämlich die Flüssigkeit nicht im Körper bleibt, sondern den Menschen wie eine Röhre benutzt, durch welche sie abfließen kann.
Der Diabetes wird dadurch hervorgebracht, dass irgendeine akute Krankheit sich auf diesen Teil (den Magen) warf und bei der Krise unvermerkt einen schädlichen Stoff im Körper zurück ließ. Nicht unwahrscheinlich ist auch, dass eine giftige Materie sich in der Blase und Niere festsetzt und dazu Veranlassung gibt. Und ferner entsteht die Krankheit durch den Biss jener Schlange, welch Dipsas, die Durstnatter, genannt wird."

Die Krankheit, die wir heute als Typ1-Diabetes bezeichnen, wurde erstmals exakt von Aretaeus von Kappadozien vermutlich im zweiten Jahrhundert nach Christus beschrieben. Die Bezeichnung „Diabetes" geht nicht auf Aretaeus von Kappadozien zurück, sondern stammt mit hoher Wahrscheinlichkeit von Demetrios von Apameia in Bithynien aus der Periode der hellenistischen Medizin ca. 300 Jahre vor Aretaeus.
Aretaeus von Kappadozien war wahrscheinlich ein Zeitgenosse von Claudius Galenus, der mit seiner Krankheitslehre die folgenden eineinhalb Jahrtausende beherrschte: Der Diabetes war nach Galen eine Nierenerkrankung, eine Krankheitslehre, die erst mit Thomas Willis im 17. Jahrhundert eine Veränderung erfuhr.
Von den Werken des Aretaeus sind vier Teile erhalten: "Symptome und Ursachen akuter Krankheiten", "Symptome und Ursachen chronischer Krankheiten", "Therapie der akuten Krankheiten" und "Therapie der chronischen Krankheiten". Diese vier Teile sind wiederum in "Bücher" und "Kapitel" unterteilt. Der Diabetes findet sich bei ihm bei den chronischen Erkrankungen und zwar unmittelbar vor dem Kapitel "Über den Hydrops" und vor dem Kapitel "Über die Erkrankungen der Nieren" und "Über die Fehler der Blase".

Aretaeus wurde in der Folgezeit nur selten zitiert (im dritten, sechsten und siebten Jahrhundert). Goethes Satz "Auch Bücher haben ihr Erlebtes" passt auf die Werke von Aretaeus von Kappadozien. Im 16. Jahrhundert bekommt lunius Paulus Crassus aus Padua Fragmente drei im Ionischen Griechisch verfassten Manuskriptexemplare in die Hände. Sie waren jedoch in so schlechtem Zustand, dass sie ganz verloren zu gehen drohten. Durch entsprechende wechselseitige Vergleiche ergänzt und ordnet er sie, übersetzt sie ins Lateinische und gibt sie 1552 in Venedig unter dem Titel "Die sieben Bücher des Aretaeus von Kappadozien" heraus. Dadurch erwacht erneut das Interesse an Aretaeus. Es erscheinen Nachdrucke 1554 in Paris, 1567 und 1581 in Basel sowie 1603 in Augsburg. Nachdem weitere ursprüngliche Manuskriptteile entdeckt worden waren, sind neue Ausgaben bis in das 20. Jahrhundert hinein erschienen.
Trotz allem bleibt festzuhalten, daß die Krankheitslehre durch die Werke des Galen für die nächsten eineinhalb Jahrtausende bestimmend war, wonach der Diabetes eine Nierenerkrankung sei.
Eine wesentliche Erschütterung erfuhr diese Theorie durch Thomas Willis im 17. Jahrhundert. Dieser hatte sich auf vielen medizinischen Gebieten ausgezeichnet und zum Beispiel als erster das Asthma genau beschrieben. Er ist dem Namen nach jedem heutigen Mediziner bekannt. Willis wurde 1621 in England geboren und ist 1675 in London gestorben. Ganz offensichtlich hatte er den Urin (auch) von Diabeteskranken abgeschmeckt und war dabei zu einer Erkenntnis gelangt, die im alten Indien bereits bekannt war, nämlich der Süße des diabetischen Urins. Auf diese Besonderheit gründete er die Eigenständigkeit dieser Erkrankung und trennte sie von anderen Krankheiten mit Harnflut entgegen der bis dahin geltenden Lehrmeinung als nicht von den Nieren kommend ab. Er formulierte den Satz, dass er glaube, "daß der Diabetes mehr und unmittelbarer eine Erkrankung des Blutes als eine der Nieren sei".
Durch Thomas Willis war die bisherige Theorie der Diabetesentstehung ins Wanken geraten.

Empfehlung biografische(r) Seite(n):
http://www.med-diabetes.de/zucker/2000-02/s26-27.htm
http://www.pusarnig.at/diab/geschichte/aretaeus.htm

Oskar Minkowski (1858-1931)

Oskar Minkowski (* 13. Januar 1858 in Kowno/Litauen, † 18. Juli 1931 in Wiesbaden) war ein bedeutender Mediziner jüdischer Herkunft. Er lehrte als Professor an der Universität Breslau. Zu den herausragenden Leistungen Minkowskis gehört die Entdeckung der Bedeutung der Bauchspeicheldrüse für den Kohlenhydratstoffwechsel, womit grundlegende Fortschritte in der Diabetes-Therapie ermöglicht wurden, sowie die Entdeckung der Vergrößerung der Hypophyse als Ursache der Akromegalie. Oskar Minkowski war ein Bruder des Mathematikers Hermann Minkowski.

Im April 1889 besuchte Oskar Minkowski, Schüler Naunyns und Assistenzarzt an der Medizinischen Klinik der Universität Königsberg das Hoppe-Seylersche Institut an der Universität Straßburg. Zusammen mit Josef von Mering (s. Abb. 1) begann er mit Experimenten am Hund.
Die beiden beobachteten, dass nach der operativen Entnahme des gesamten Pankreas (Pankreatektomie) ein Diabetes entstand (Mering, Minkowski, 1890). Am 18.12.1891 berichtete Oskar Minkowski in einem Vortrag vor der Naturwissenschaftlich-Medizinischen Gesellschaft Straßburg über den Fortgang ihrer Experimente und schilderte, daß sie beim Hund nach einer Pankreatektomie durch eine autologe Transplantation von körpereigenen Pankreasfragmenten unter die Bauchhaut die Entwicklung des Diabetes verhindern konnten. Sie schlossen aus ihren Experimenten, dass die Bauchspeicheldrüse "etwas" sezerniert, was die Glukoseaufnahme in die Zellen vermittelt. Heutzutage wissen wir natürlich, daß dieses "etwas" das Hormon Insulin ist, welches erst 30 Jahre später aus Pankreasgewebe extrahiert und wenig später erstmals insulinbedürftigen Diabetes-Patienten injiziert werden konnte. Dieser Vortrag, am 1. Februar 1892 in der Berliner Klinischen Wochenschrift auch in schriftlicher Form veröffentlicht, ist die erste Mitteilung über eine Inseltransplantation an die Wissenschaftswelt.
Bereits ein Jahr darauf erfolgte die erste Pankreasfragmenttransplantation beim Menschen. Dr. P. Watson Williams und sein Kollege, der Chirurg Harsant, führten am 20. Dezember 1893 bei einem 15-jährigen Jungen mit einem Typ 1-Diabetes am Royal Infirmary Hospital in Bristol, UK, eine Transplantation durch. Sie übertrugen drei Stücke eines Pankreas vom frisch geschlachteten Schaf und beobachteten, dass der Zuckergehalt im Urin des Jungen zurückging. Der Patient verstarb aber wenige Tage später.
Die Dissertationsschrift von Paul Langerhans, die tierexperimentellen Arbeiten von Oskar Minkowski und Josef von Mering am Hund und die erste (Xeno)Transplantation von tierischen Pankreasfragmenten bei einem Diabetes-Patienten sind Pionierarbeiten, die den Weg hin zur erfolgreichen Inseltransplantation beim Menschen bahnten. Doch es sollte noch ein steiniger, sehr langer Weg nahezu über ein ganzes Jahrhundert hindurch werden, bis es erste Berichte über erfolgreiche Inseltransplantationen beim Menschen gab.

Empfehlung biografische(r) Seite(n):
http://www.diabetes-world.net/de/54979
http://de.wikipedia.org/wiki/Oskar_Minkowski

Claude Bernard (1813 - 1878)

Claude Bernard, wird am 12. Juli 1813 in Saint-Julien-en-Genevois in der Region der Rhone in Frankreich geboren. Nach seinen Studien an den Kollegien von Villefranche und von Thoissey arbeitet er für eine kurze Periode in einer Apotheke; dann widmet er sich dem Schreiben von Theaterstücken. Auf Anraten seiner Kritiker gibt er seine literarischen Ambitionen auf und trägt sich in einer Medizinschule ein und promoviert zum Doktor der Medizin. Nach einigen beruflichen Mißerfolgen wird er vom Physiologen Francois Magendie verpflichtet, um in dessem Krankenhauslaboratorium zu arbeiten. Er wird dort zum Begründer der modernen Physiologie avancieren und die Grundlagen der Versuchsmedizin entwickeln. Als Doktor der Naturwissenschaften seit 1853 wird er 1854 zum Mitglied der Akademie der Wissenschaften gewählt und akzeptiert einen Ruf an die Sorbonne auf den Lehrstuhl für allgemeine Physiologie. Nach dem Tod Magendies erbt er dessen Professor für Medizin am französischen Kollegium.
1861 wird er Mitglied der Medizinakademie. 1868 wird nun auch am Museum für Geschichte der Naturwissenschaften zum Professor ernannt. Claude Bernard stirbt in 1878 in Paris. Er wird der erste französische Wissenschaftler sein, der ein nationales Staatsbegräbnis erhält.

In der Mitte des XIX. Jahrhunderts sind die Philosophie und die Wissenschaft eng verbunden. Claude Bernard lehrt mit intellektueller Strenge und festem Willen, sich nur an die wirklichen Tatsachen zu halten und nur diese zu prüfen. Dadurch wird er als der Begründer der wissenschaftlichen Methode angesehen, die auf der Beobachtung, der Hypotheseausarbeitung und ihrer Bestätigung oder ihrer Invalidierung beruht. Er führt diese Grundsätze in seinem Buch Einführung in die Studien der Versuchsmedizin (1865) an.
Claude Bernard hat mehrere Seiten der Medizin im Laufe seiner Forschungsarbeiten berührt. Er hat zuerst die Magensäfte und ihre Rollen bei der Ernährung untersucht. Seine Entdeckungen haben zur Identifikation der Mehrzahl Darm- und pankreatische Absonderungen geführt. Er hat als einer der Ersten die glykogenetische Funktion der Leber erkannt. Er deckt unter anderem die Rollen der Bauchspeicheldrüse und des sympathischen Systems in der thermischen und bei vasomotorischen Regulation auf und macht wichtige Entdeckungen auf dem Gebiet des Diabetes. Parallel zu diesen Entdeckungen hat er das Funktionskonzept ausgearbeitet, das sich auf die präzise Rolle eines Organes bezieht, die "innere Mitte", die die Zellen umgibt, und die Homöostase beschrieben. Schließlich hat Claude Bernard auch das Nervensystem untersucht.

Empfehlung biografische(r) Seite(n):
http://www.fundp.ac.be/bioscope/1843_bernard/bernard.html
http://sakura.cpe.fr/CB_biography.html
http://www.ac-rouen.fr/colleges/bernard/historique/biographie.html

Sir Frederick Grant Banting (1891 - 1941)

Frederick Banting und Charles Best sind die Entdecker des antidiabetischen Hormons Insulin. Innerhalb von nur vier Jahren lösten sie das Hauptproblem der Insulinisolierung und konnten die Anwendung im Humanexperiment erfolgreich abschließen. Sie schufen damit die Grundlagen für eine Therapie, die Millionen von Diabetikern hilft, mit ihrer Krankheit leben zu können. 1923 erhielt Banting zusammen mit dem schottischen Physiologen John James Richard MacLeod (1876-1935) für "die Entdeckung des Insulins" den Nobelpreis für Medizin und Physiologie. Banting protestierte gegen die Preisaufteilung, denn er empfand sich und seinen Schüler und Assistenten Charles Best als die eigentlichen Entdecker des Insulins, zumal die praktische Durchführung der Experimente einzig ihrer beider Werk war. Banting teilte deshalb sein Preisgeld mit Best. MacLeod gab daraufhin ebenfalls eine Hälfte seines Anteils an den kanadischen Biochemiker James Bertram Collip (1892-1965) weiter, der ein grundlegendes Verfahren zur Reinigung des Insulin entwickelt hatte.

Charles Best, Sohn eines kanadischen Arztes, hatte ab 1916 ebenfalls an der Universität von Toronto Medizin studiert, hatte in den Kriegsjahren zeitweilig im Militärdienst als Sanitätsgehilfe gearbeitet, und war 1918 an die Universität zurückgekehrt, um seine Studien mit Schwerpunkten Physiologie und Biochemie fortzuführen. Zwischenzeitlich arbeite er als unbezahlter Mitarbeiter im Laboratorium von MacLeod. Als sein Lehrer ihn bat, für einige Monate Banting bei der Isolierung des Inselzellhormons zu unterstützen, sah Best eine Gelegenheit, sein zukünftiges berufliches Engagement zu erweitern.
Ab Mitte 1921 begannen Frederick Banting und Charles Best, unter persönlichen finanziellen Opfern, Extrakte aus der Bauchspeicheldrüse zur Behandlung des Diabetes mellitus zu isolieren. Den beiden gelang es, aus Drüsen toter Hunde und ungeborener Kälber einen Stoff zu produzieren, den sie für Insulin hielten. Am 30. Juli 1921 konnten sie damit erstmals den Blutzuckerspiegel eines pankreatektomierten Hundes nach intravenöser Injektion entscheidend senken. An unzähligen Tier- und Eigenversuchen testeten die beiden Forscher nicht nur die Wirksamkeit sondern auch die Toxizität, die vor allem das Fremdeiweiß der Insulin-Extrakte verursachte.
Die erste Applikation an einem Patienten fand am 11. Januar 1922 statt, musste jedoch wegen toxischer Wirkungen abgebrochen werden.
MacLeod zog den renommierten Biochemiker Collip hinzu, der ein Verfahren zur Reinigung von Fremdeiweiß entwickelte. Das Insulin-Produkt erwies sich schon im Frühjahr 1922 als therapeutisch einsetzbar und effektiv. Der kanadische Pharmahersteller Lilly stellte es in größeren Mengen her und der klinische Siegeszug des Pankreashormons namens Insulin begann. Einer der ersten Nutznießer des neuen Wirkstoffes war der 13-jährige Leonhard Thomson in Toronto, der im Januar 1922 in die Toronter Universitätsklinik mit schweren Diabetesstörungen eingeliefert wurde, und der damit vor dem sicheren Tod gerettet wurde.
Die Reaktion auf die Entdeckung der kanadischen Forschergruppe war weltweit begeistert. In seltener Zügigkeit verlieh das Nobel-Komitee in Stockholm denn auch schon ein Jahr später den Nobelpreis - wenn auch, wie eingangs erwähnt, umstritten. Ab Juli 1923 setzte auch in Deutschland eine fieberhafte Forschertätigkeit über die Eigenschaften und klinischen Einsatzmöglichkeiten des Pankreashormons ein. Schon im November des Jahres empfahl das Deutsche Insulin-Komitee das Präparat der Firma Bayer in Elberfeld für die großtechnische Produktion.
Frederick Banting und Charles Best verzichteten auf jegliche patentrechtliche Einnahmen, was ihnen zusätzlichen Respekt und Anerkennung brachte.
Banting wurde in Kanada als einer der führenden Forscher populär und erhielt schon Ende 1923 eine Professur und wurde 1928 Nachfolger von MacLeod, der seinerseits eine Professur an der schottischen Universität Aberdeen übernahm. 1932 begründete die Universität von Toronto ein eigenständiges Forschungsinstitut, das den Namen Banting-Best-Institut erhielt und sich der Weiterentwicklung der Insulin- und Diabetes mellitus-Forschung widmen sollte. 1934 wurde Banting in den Adelstand berufen; auf der Höhe seines Erfolges starb er als Militärarzt bei einem Flugzeugabsturz.
Best erhielt 1929 ebenfalls eine Professur an der Universität Toronto. Nach Bantings Tod wurde er Direktor des Banting- und Best-Forschungsinstituts. Er bearbeitete vorwiegend Spezialgebiete der Muskel- und Sportphysiologie und des Kohlehydratstoffwechsels und war an vielen Einzelentdeckungen maßgeblich beteiligt. Im fortgeschrittenem Lebensalter litt er selbst an Diabetes mellitus.


 



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