Die vier abgebildeten
Ärzte und Forscher in der Serie "Helden
der Medizin" aus der Transkei(1)
trugen mit ihren Beobachtungen zu wesentlichen
Erkenntnissen über die Volksseuche
Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) bei.

Abb.: ETB, Sonderstempel und Sondermarken
der Transkei(1)
zu Ehren der vier Forscher
(1)
Transkei ("jenseits des Kei")
war das erste der ehemaligen autonomen Bantu-Verwaltungsgebieten
im östlichen Kapland in Südafrika.
Die Fläche beträgt 43.800 km²
und die Einwohnerzahl ca. 3,2 Millionen
Menschen. Mit der Hauptstadt Umtata erhielt
als Homeland innerhalb der Apartheid-Politik
Südafrikas begrenzte autonome Rechte.
Von 6.240.000 Xhosa lebten 1989 2.930.000
in Transkei. Der einzige Hafen ist Port
St. John. England verwaltete die
Transkei ab dem 19. Jahrhundert über
ernannte "Headmen" in einem Ratssystem.
Dieses hat sich 1931 in einem Allgemeinen
Rat unter Vorsitz weißer Beamte vereinigt.
1951 wurde es nach dem Zusammenschluss um
Regionalräte erweitert. 1956 wurde
an Stelle des Allgemeinen Rates als Dachorganisation
der von den Stämmen aufgebauten Selbstverwaltung
ein "Gebietsrat aller Xhosa" eingesetzt.
Seit 1963 verfügte Transkei über
innere Selbstverwaltung und wurde als erstes
Bantu-Homeland am 26. Oktober 1976 formal
in die volle Unabhängigkeit entlassen.
Die Unabhängigkeit wurde international
nie anerkannt. 1978 brach Transkei die diplomatischen
Beziehungen zu Südafrika ab. Mit dem
Ende der Apartheidspolitik und den ersten
allgemeinen Parlamentswahlen in Südafrika
vom 26. bis 29. April 1994 wurde Transkei
wieder ein Teil der Republik Südafrika.
Transkei wurde in die südafrikanische
Provinz Ost-Kap eingegliedert.
Aretaeus
Aretaios von Kappadozien
beschrieb schon vor fast 2000 Jahren die
"Zuckerkrankheit". Seine Beobachtungen
sind noch heute beeindruckend genau. Einige
Diabetiker sind der Meinung, daß sie
noch nirgendwo anders die Anzeichen für
den Diabetes, bevor er diagnostiziert wurde,
so klar beschrieben gefunden hätten!
"Eine rätselvolle Krankheit ist
der Diabetes, und nicht sehr häufig
bei den Menschen. Fleisch und Bein schmilzt
im Urin zusammen, Feuchtigkeit und Kälte
ist die Veranlassung wie bei der Wassersucht,
aber die Flüssigkeit geht auf dem gewohnten
Weg durch Nieren und die Blase ab. Die Kranken
hören nie auf Harn zu lassen, sondern
wie aus geöffneten Schläuchen
rinnt es unaufhörlich. Über
die Entstehung und Entwicklung der Krankheit
dauert es einige Zeit, aber sind die Symptome
erst vollkommen ausgebildet, so befindet
sich auch der Mensch am Ende seiner Tage,
denn dann nimmt die Abzehrung rasch überhand,
und nach einem elenden und schmerzvollen
Leben erfolgt der schnelle Tod. Die
Kranken haben einen unauslöschlichen
Durst und trinken und harnen sehr viel.
Indessen übersteigt die Quantität
des gelassenen Urins doch noch die des Getränks.
Versuche auch nicht, sie vom Harnen oder
Trinken abzuhalten, denn wenn sie auch nur
auf kurze Zeit sich des Trinkens enthalten,
so wird alsbald der Mund trocken, der Körper
verdörrt und es ist ihnen, als wenn
die Gedärme verbrennen. Sie führen
ein elendes, weinerliches Leben und sterben
nach gar nicht langer Zeit, denn der Durst
quält sie wie loderndes Feuer. Im Beginn
der Krankheit ist der Mund trocken, der
Speichel weiß und schaumig wie bei
durstenden Menschen, aber noch ist kein
Durst vorhanden. Nimmt das Übel zu,
so tritt eine zwar geringe, aber beißende
Hitze in den Eingeweiden auf. Der ganze
Körper magert ab, der Urinabgang wird
reichlicher, der Durst wird immer heftiger.
Und daher auch hat, wie ich glaube, die
Krankheit den Namen Diabetes erhalten, als
wenn sie ein Weinheber wäre, weil nämlich
die Flüssigkeit nicht im Körper
bleibt, sondern den Menschen wie eine Röhre
benutzt, durch welche sie abfließen
kann. Der Diabetes wird dadurch hervorgebracht,
dass irgendeine akute Krankheit sich auf
diesen Teil (den Magen) warf und bei der
Krise unvermerkt einen schädlichen
Stoff im Körper zurück ließ.
Nicht unwahrscheinlich ist auch, dass eine
giftige Materie sich in der Blase und Niere
festsetzt und dazu Veranlassung gibt. Und
ferner entsteht die Krankheit durch den
Biss jener Schlange, welch Dipsas, die Durstnatter,
genannt wird." Die Krankheit,
die wir heute als Typ1-Diabetes bezeichnen,
wurde erstmals exakt von Aretaeus von Kappadozien
vermutlich im zweiten Jahrhundert nach Christus
beschrieben. Die Bezeichnung „Diabetes"
geht nicht auf Aretaeus von Kappadozien
zurück, sondern stammt mit hoher Wahrscheinlichkeit
von Demetrios von Apameia in Bithynien aus
der Periode der hellenistischen Medizin
ca. 300 Jahre vor Aretaeus. Aretaeus
von Kappadozien war wahrscheinlich ein Zeitgenosse
von Claudius Galenus, der mit seiner Krankheitslehre
die folgenden eineinhalb Jahrtausende beherrschte:
Der Diabetes war nach Galen eine Nierenerkrankung,
eine Krankheitslehre, die erst mit Thomas
Willis im 17. Jahrhundert eine Veränderung
erfuhr. Von den Werken des Aretaeus
sind vier Teile erhalten: "Symptome
und Ursachen akuter Krankheiten", "Symptome
und Ursachen chronischer Krankheiten",
"Therapie der akuten Krankheiten"
und "Therapie der chronischen Krankheiten".
Diese vier Teile sind wiederum in "Bücher"
und "Kapitel" unterteilt. Der
Diabetes findet sich bei ihm bei den chronischen
Erkrankungen und zwar unmittelbar vor dem
Kapitel "Über den Hydrops"
und vor dem Kapitel "Über die
Erkrankungen der Nieren" und "Über
die Fehler der Blase". Aretaeus
wurde in der Folgezeit nur selten zitiert
(im dritten, sechsten und siebten Jahrhundert).
Goethes Satz "Auch Bücher haben
ihr Erlebtes" passt auf die Werke von
Aretaeus von Kappadozien. Im 16. Jahrhundert
bekommt lunius Paulus Crassus aus Padua
Fragmente drei im Ionischen Griechisch verfassten
Manuskriptexemplare in die Hände. Sie
waren jedoch in so schlechtem Zustand, dass
sie ganz verloren zu gehen drohten. Durch
entsprechende wechselseitige Vergleiche
ergänzt und ordnet er sie, übersetzt
sie ins Lateinische und gibt sie 1552 in
Venedig unter dem Titel "Die sieben
Bücher des Aretaeus von Kappadozien"
heraus. Dadurch erwacht erneut das Interesse
an Aretaeus. Es erscheinen Nachdrucke 1554
in Paris, 1567 und 1581 in Basel sowie 1603
in Augsburg. Nachdem weitere ursprüngliche
Manuskriptteile entdeckt worden waren, sind
neue Ausgaben bis in das 20. Jahrhundert
hinein erschienen. Trotz allem bleibt
festzuhalten, daß die Krankheitslehre
durch die Werke des Galen für die nächsten
eineinhalb Jahrtausende bestimmend war,
wonach der Diabetes eine Nierenerkrankung
sei. Eine wesentliche Erschütterung
erfuhr diese Theorie durch Thomas Willis
im 17. Jahrhundert. Dieser hatte sich auf
vielen medizinischen Gebieten ausgezeichnet
und zum Beispiel als erster das Asthma genau
beschrieben. Er ist dem Namen nach jedem
heutigen Mediziner bekannt. Willis wurde
1621 in England geboren und ist 1675 in
London gestorben. Ganz offensichtlich hatte
er den Urin (auch) von Diabeteskranken abgeschmeckt
und war dabei zu einer Erkenntnis gelangt,
die im alten Indien bereits bekannt war,
nämlich der Süße des diabetischen
Urins. Auf diese Besonderheit gründete
er die Eigenständigkeit dieser Erkrankung
und trennte sie von anderen Krankheiten
mit Harnflut entgegen der bis dahin geltenden
Lehrmeinung als nicht von den Nieren kommend
ab. Er formulierte den Satz, dass er glaube,
"daß der Diabetes mehr und unmittelbarer
eine Erkrankung des Blutes als eine der
Nieren sei". Durch Thomas Willis
war die bisherige Theorie der Diabetesentstehung
ins Wanken geraten.
Oskar
Minkowski (1858-1931) Oskar
Minkowski (* 13. Januar 1858 in Kowno/Litauen,
† 18. Juli 1931 in Wiesbaden) war ein bedeutender
Mediziner jüdischer Herkunft. Er lehrte
als Professor an der Universität Breslau.
Zu den herausragenden Leistungen Minkowskis
gehört die Entdeckung der Bedeutung
der Bauchspeicheldrüse für den
Kohlenhydratstoffwechsel, womit grundlegende
Fortschritte in der Diabetes-Therapie ermöglicht
wurden, sowie die Entdeckung der Vergrößerung
der Hypophyse als Ursache der Akromegalie.
Oskar Minkowski war ein Bruder des Mathematikers
Hermann Minkowski. Im April 1889
besuchte Oskar Minkowski, Schüler Naunyns
und Assistenzarzt an der Medizinischen Klinik
der Universität Königsberg das
Hoppe-Seylersche Institut an der Universität
Straßburg. Zusammen mit Josef von
Mering (s. Abb. 1) begann er mit Experimenten
am Hund. Die beiden beobachteten, dass
nach der operativen Entnahme des gesamten
Pankreas (Pankreatektomie) ein Diabetes
entstand (Mering, Minkowski, 1890). Am 18.12.1891
berichtete Oskar Minkowski in einem Vortrag
vor der Naturwissenschaftlich-Medizinischen
Gesellschaft Straßburg über den
Fortgang ihrer Experimente und schilderte,
daß sie beim Hund nach einer Pankreatektomie
durch eine autologe Transplantation von
körpereigenen Pankreasfragmenten unter
die Bauchhaut die Entwicklung des Diabetes
verhindern konnten. Sie schlossen aus ihren
Experimenten, dass die Bauchspeicheldrüse
"etwas" sezerniert, was die Glukoseaufnahme
in die Zellen vermittelt. Heutzutage wissen
wir natürlich, daß dieses "etwas"
das Hormon Insulin ist, welches erst 30
Jahre später aus Pankreasgewebe extrahiert
und wenig später erstmals insulinbedürftigen
Diabetes-Patienten injiziert werden konnte.
Dieser Vortrag, am 1. Februar 1892 in der
Berliner Klinischen Wochenschrift auch in
schriftlicher Form veröffentlicht,
ist die erste Mitteilung über eine
Inseltransplantation an die Wissenschaftswelt.
Bereits ein Jahr darauf erfolgte die erste
Pankreasfragmenttransplantation beim Menschen.
Dr. P. Watson Williams und sein Kollege,
der Chirurg Harsant, führten am 20.
Dezember 1893 bei einem 15-jährigen
Jungen mit einem Typ 1-Diabetes am Royal
Infirmary Hospital in Bristol, UK, eine
Transplantation durch. Sie übertrugen
drei Stücke eines Pankreas vom frisch
geschlachteten Schaf und beobachteten, dass
der Zuckergehalt im Urin des Jungen zurückging.
Der Patient verstarb aber wenige Tage später.
Die Dissertationsschrift von Paul Langerhans,
die tierexperimentellen Arbeiten von Oskar
Minkowski und Josef von Mering am Hund und
die erste (Xeno)Transplantation von tierischen
Pankreasfragmenten bei einem Diabetes-Patienten
sind Pionierarbeiten, die den Weg hin zur
erfolgreichen Inseltransplantation beim
Menschen bahnten. Doch es sollte noch ein
steiniger, sehr langer Weg nahezu über
ein ganzes Jahrhundert hindurch werden,
bis es erste Berichte über erfolgreiche
Inseltransplantationen beim Menschen gab.
Claude
Bernard (1813 - 1878) Claude Bernard,
wird am 12. Juli 1813 in Saint-Julien-en-Genevois
in der Region der Rhone in Frankreich geboren.
Nach seinen Studien an den Kollegien von
Villefranche und von Thoissey arbeitet er
für eine kurze Periode in einer Apotheke;
dann widmet er sich dem Schreiben von Theaterstücken.
Auf Anraten seiner Kritiker gibt er seine
literarischen Ambitionen auf und trägt
sich in einer Medizinschule ein und promoviert
zum Doktor der Medizin. Nach einigen beruflichen
Mißerfolgen wird er vom Physiologen
Francois Magendie verpflichtet, um in dessem
Krankenhauslaboratorium zu arbeiten. Er
wird dort zum Begründer der modernen
Physiologie avancieren und die Grundlagen
der Versuchsmedizin entwickeln. Als Doktor
der Naturwissenschaften seit 1853 wird er
1854 zum Mitglied der Akademie der Wissenschaften
gewählt und akzeptiert einen Ruf an
die Sorbonne auf den Lehrstuhl für
allgemeine Physiologie. Nach dem Tod Magendies
erbt er dessen Professor für Medizin
am französischen Kollegium. 1861
wird er Mitglied der Medizinakademie. 1868
wird nun auch am Museum für Geschichte
der Naturwissenschaften zum Professor ernannt.
Claude Bernard stirbt in 1878 in Paris.
Er wird der erste französische Wissenschaftler
sein, der ein nationales Staatsbegräbnis
erhält. In der Mitte des
XIX. Jahrhunderts sind die Philosophie und
die Wissenschaft eng verbunden. Claude Bernard
lehrt mit intellektueller Strenge und festem
Willen, sich nur an die wirklichen Tatsachen
zu halten und nur diese zu prüfen.
Dadurch wird er als der Begründer der
wissenschaftlichen Methode angesehen, die
auf der Beobachtung, der Hypotheseausarbeitung
und ihrer Bestätigung oder ihrer Invalidierung
beruht. Er führt diese Grundsätze
in seinem Buch Einführung in die Studien
der Versuchsmedizin (1865) an. Claude
Bernard hat mehrere Seiten der Medizin im
Laufe seiner Forschungsarbeiten berührt.
Er hat zuerst die Magensäfte und ihre
Rollen bei der Ernährung untersucht.
Seine Entdeckungen haben zur Identifikation
der Mehrzahl Darm- und pankreatische Absonderungen
geführt. Er hat als einer der Ersten
die glykogenetische Funktion der Leber erkannt.
Er deckt unter anderem die Rollen der Bauchspeicheldrüse
und des sympathischen Systems in der thermischen
und bei vasomotorischen Regulation auf und
macht wichtige Entdeckungen auf dem Gebiet
des Diabetes. Parallel zu diesen Entdeckungen
hat er das Funktionskonzept ausgearbeitet,
das sich auf die präzise Rolle eines
Organes bezieht, die "innere Mitte",
die die Zellen umgibt, und die Homöostase
beschrieben. Schließlich hat Claude
Bernard auch das Nervensystem untersucht.
Sir
Frederick Grant Banting (1891 - 1941)
Frederick
Banting und Charles Best sind die Entdecker
des antidiabetischen Hormons Insulin. Innerhalb
von nur vier Jahren lösten sie das
Hauptproblem der Insulinisolierung und konnten
die Anwendung im Humanexperiment erfolgreich
abschließen. Sie schufen damit die
Grundlagen für eine Therapie, die Millionen
von Diabetikern hilft, mit ihrer Krankheit
leben zu können. 1923 erhielt Banting
zusammen mit dem schottischen Physiologen
John James Richard MacLeod (1876-1935) für
"die Entdeckung des Insulins"
den Nobelpreis für Medizin und Physiologie.
Banting protestierte gegen die Preisaufteilung,
denn er empfand sich und seinen Schüler
und Assistenten Charles Best als die eigentlichen
Entdecker des Insulins, zumal die praktische
Durchführung der Experimente einzig
ihrer beider Werk war. Banting teilte deshalb
sein Preisgeld mit Best. MacLeod gab daraufhin
ebenfalls eine Hälfte seines Anteils
an den kanadischen Biochemiker James Bertram
Collip (1892-1965) weiter, der ein grundlegendes
Verfahren zur Reinigung des Insulin entwickelt
hatte. Charles Best, Sohn eines
kanadischen Arztes, hatte ab 1916 ebenfalls
an der Universität von Toronto Medizin
studiert, hatte in den Kriegsjahren zeitweilig
im Militärdienst als Sanitätsgehilfe
gearbeitet, und war 1918 an die Universität
zurückgekehrt, um seine Studien mit
Schwerpunkten Physiologie und Biochemie
fortzuführen. Zwischenzeitlich arbeite
er als unbezahlter Mitarbeiter im Laboratorium
von MacLeod. Als sein Lehrer ihn bat, für
einige Monate Banting bei der Isolierung
des Inselzellhormons zu unterstützen,
sah Best eine Gelegenheit, sein zukünftiges
berufliches Engagement zu erweitern.
Ab Mitte 1921 begannen Frederick Banting
und Charles Best, unter persönlichen
finanziellen Opfern, Extrakte aus der Bauchspeicheldrüse
zur Behandlung des Diabetes mellitus zu
isolieren. Den beiden gelang es, aus Drüsen
toter Hunde und ungeborener Kälber
einen Stoff zu produzieren, den sie für
Insulin hielten. Am 30. Juli 1921 konnten
sie damit erstmals den Blutzuckerspiegel
eines pankreatektomierten Hundes nach intravenöser
Injektion entscheidend senken. An unzähligen
Tier- und Eigenversuchen testeten die beiden
Forscher nicht nur die Wirksamkeit sondern
auch die Toxizität, die vor allem das
Fremdeiweiß der Insulin-Extrakte verursachte.
Die erste Applikation an einem Patienten
fand am 11. Januar 1922 statt, musste jedoch
wegen toxischer Wirkungen abgebrochen werden.
MacLeod zog den renommierten Biochemiker
Collip hinzu, der ein Verfahren zur Reinigung
von Fremdeiweiß entwickelte. Das Insulin-Produkt
erwies sich schon im Frühjahr 1922
als therapeutisch einsetzbar und effektiv.
Der kanadische Pharmahersteller Lilly stellte
es in größeren Mengen her und
der klinische Siegeszug des Pankreashormons
namens Insulin begann. Einer der ersten
Nutznießer des neuen Wirkstoffes war
der 13-jährige Leonhard Thomson in
Toronto, der im Januar 1922 in die Toronter
Universitätsklinik mit schweren Diabetesstörungen
eingeliefert wurde, und der damit vor dem
sicheren Tod gerettet wurde. Die Reaktion
auf die Entdeckung der kanadischen Forschergruppe
war weltweit begeistert. In seltener Zügigkeit
verlieh das Nobel-Komitee in Stockholm denn
auch schon ein Jahr später den Nobelpreis
- wenn auch, wie eingangs erwähnt,
umstritten. Ab Juli 1923 setzte auch in
Deutschland eine fieberhafte Forschertätigkeit
über die Eigenschaften und klinischen
Einsatzmöglichkeiten des Pankreashormons
ein. Schon im November des Jahres empfahl
das Deutsche Insulin-Komitee das Präparat
der Firma Bayer in Elberfeld für die
großtechnische Produktion. Frederick
Banting und Charles Best verzichteten auf
jegliche patentrechtliche Einnahmen, was
ihnen zusätzlichen Respekt und Anerkennung
brachte. Banting wurde in Kanada als
einer der führenden Forscher populär
und erhielt schon Ende 1923 eine Professur
und wurde 1928 Nachfolger von MacLeod, der
seinerseits eine Professur an der schottischen
Universität Aberdeen übernahm.
1932 begründete die Universität
von Toronto ein eigenständiges Forschungsinstitut,
das den Namen Banting-Best-Institut erhielt
und sich der Weiterentwicklung der Insulin-
und Diabetes mellitus-Forschung widmen sollte.
1934 wurde Banting in den Adelstand berufen;
auf der Höhe seines Erfolges starb
er als Militärarzt bei einem Flugzeugabsturz.
Best erhielt 1929 ebenfalls eine Professur
an der Universität Toronto. Nach Bantings
Tod wurde er Direktor des Banting- und Best-Forschungsinstituts.
Er bearbeitete vorwiegend Spezialgebiete
der Muskel- und Sportphysiologie und des
Kohlehydratstoffwechsels und war an vielen
Einzelentdeckungen maßgeblich beteiligt.
Im fortgeschrittenem Lebensalter litt er
selbst an Diabetes mellitus.
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