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Kleines Labor

Unter dem sog. "Kleinen Labor" verstehen wir einige häufig durchgeführten Laboruntersuchungen, die die viele Ärzte in ihren Praxen vorhalten und nicht an ein Großlabor delegieren.
In der Regel handelt es sich lediglich um Urinuntersuchungen und das kleine Blutbild, das die Bestimmung von Hämoglobin, Hämatokrit, Leukozyten-, Erythrozyten- und Thrombozytenzahl einschließt. An dieser Stelle handeln wir auch das Differentialblutbild ab, obwohl diese Bestimmung doch eher dem Großlabor überlassen wird.















Urin-Untersuchungen

Optische Beurteilung

Seitenanfang Die Urinschau ist eine alte Methode, die heute nahezu bedeutungslos ist und dennoch an dieser Stelle beschrieben werden soll, weil sie kostenlos ist, gelegentlich schon allein zur Klärung führt (z.B. Makrohämaturie, Bilirubinurie) oder diagnostische Irrwege verhindern hilft (Verfärbung durch Arzneimittel).

Tab.1: Optische Beurteilung der Urinprobe durch In-Augenscheinnahme
[Quelle: D.Becker, Vademecum Labordiagnostik; Volk und Gesundheit, Berlin 1987]


Farbe Hinweis auf ...
hellgelb bis goldgelb Normalbefund
farblos bis blaßgelb Polyurie durch: Durst, verringerte ADH-Produktion, Niereninsuffizienz, osmotische Diurese, medikamentöse Diurese
zitronengelb Acriflavinfarbstoff, pflanzliche Abführmittel bei pH <7
orange-rotbraun pflanzliche Abführmittel bei pH >7, hoher Uratgehalt
orange-gelb Oligurie durch: Oligodipsie, extrarenaler Flüssigkeitsverlust, Niereninsuffizienz, Karotin, Pyrazolonderivate (zahlreiche Fiebermittel)
rot Erythrozyten, Hämoglobin, Myoglobin, Arzneimittel, Anilinfarben, Porphyrine (im Frischurin weinrot), rote Rüben
braun bis dunkelbraun
mit gefärbtem Schüttelschaum
Bilirubin, Porphyrine nach längerem Stehen
dunlebraun bis braunschwarz Methhämoglobin, Phenolderivate (Salizylate, Phenacetin), Melanin, Alkapton, Brenzkatechin, Teer
grünlich Biliverdin, Methylenblau, Guajacolderivate
trüb Eiweißausscheidung, bakerieller Zerfall durch langes Stehen, anorganische Salze in hoher Konzentration
milchig Fette, Leukozyturie
Nabecula Normalbefund, sog. Tamm-Horsefall-Glycoproteine, die bei normaler Konzentration in Form von kleinen Flocken und Wölkchen ausfallen kleine


Urinstreifentest

Seitenanfang Die am häufigsten anzutreffende Urin-Untersuchung in der Praxis ist wohl der sog. Urin-Streifen-Test.
Diese Streifentest erlauben eine rasche orientierende Untersuchung des Urins auf die An- bzw. Abwesenheit von bestimmten Stoffwechselprodukten oder Zellen, pH-Wert und Dichte sowie sonstigen Indikatoren.
Es gibt Teststreifen, die nur einen Parameter anzeigen können, und andere, die bis zu zehn Parameter anzeigen.
Auf einem schmalen Plaststreifen werden übersichtlich Testträger aufgetragen, die entsprechende Testsubstanzen enthalten. Bei der Anwesenheit bestimmter Stoffe reagieren diese Substanzen, was zu einem Farbumschalg führt.
Manche Substanzen werden nur qualitativ angezeigt, d.h. vorhanden oder nicht, bei anderen Substanzen kann durch die Farbnuancierung auch eine halb-quantitative Aussage getroffen werden (z.B. ca. x bis y mg/dl oder +/++/+++).

Die Testanordnung besteht in der Regel nur darin, den Teststreifen kurz in den Urin zu tauchen, 1-2 min einwirken zu lassen und dann im optischen Vergleich mit einer Farbskala die Werte qualitativ bzw. semi-quantitativ zu bestimmen.
Manche Tests lassen sich auch in speziellen Automaten durch Reflektionsmessung auswerten.
Abb.1:

Beispiel einer Farbskala ( hier des Combur9-Tests zur Bestimmung von Leukozyten, Nitrit, pH-Wert, Eiweiß, Harnzucker, Ketonkörper, Urobilinogen, Bilirubin sowie Blut (Erythrozyten)[gesprenkelte Farbumschlag] bzw. Hämoglobin (z.B. Hämolyse) [homogener Farbumschlag]

Farbskala des Combur9-Tests


Tab.2: Bewertung von Urinparametern, die mittels Teststreifen erhoben werden können

Parameter Normbereich Bedeutung
pH-Wert 5,0-7,5 Alkalisch: vegetarische Kost, metabolische alkalose, Harnwegsinfektionen - Sauer: proteinreiche Ernährung, nicht-renal bedingte metabolische Acidose // zur Beurteilung des Säure-Basen-Haushaltes ist Urin-pH belanglos! große Bedeutung bei der Behandlung von Steinleiden!
Dichte 1,001 bis 1,030 Durchführung Konzentrationsversuch, Hinweis auf Nierenerkrankung // Umrechnung erforderlich, wenn gleichzeitig Zucker- oder Eiweißausscheidung! Nach Konstrastmitteluntersuchung u.U. nicht verwertbar!
Eiweiß negativ Positiv bei: nicht vollständiger Reabsorption glomerulär filtrierter Eiweiße z.B. Hochdruck, Diabetes u.a. oder Freisetzung aus Nierentubulie und unteren Harnwegen durch krankhafte Prozesse
Harnzucker negativ Positiv bei:Diabetes mell. oder herabgesetzte Nierenschwelle infolge Schwangerschaft, defekten tubulären Transportes (sog. Diabetes renalis), Vergiftung, O2-Mangel, Unterkühlung, tubuläre Nierenschädigung
Ketonkörper negativ Positiv bei: entgleister Diabetes mell., Hunger- u. Fasten, starke physische und psychische Belastung, siehe auch ketonämisches Erbrechen
Hämoglobin negativ Positiv bei: Hämolyse, Vergiftungen, Erkranungen der ableitenden Harnwege, Blutungsübel, Cumarintherapie, Infektionen u.a.
Erythrozyten negativ bis unter 5 Ery/µl Positiv bei: Glomerulonephritis, Pyelonephritis, Steinleiden Niere/Blase, Tumoren Niere/Blase, Blutungsübel, Cumarintherapie, Nierentrauma
Urobilinogen max. Spur Positiv bei: erhöhtem Mesobilinogen = Leberfunktionseinschränkung oder Dterkobilinogen = hämolytischer Ikterus
Bilirubin negativ Interpretation zusammen mit Urobilinogen-Nachweis: Bili pos.+ u. Ubg pos.+ = Leberfunktionsstörung oder inkompletter Gallengangsverschluß /// Bili pos.+ u. Ubg neg.- = kompletter Gallengangsverschluß /// Bili neg.- u. Ubg pos.+ = hämolytischer Ikterus
Leukozyten negativ Altersabhängige Normwerte, bei mehr als 5 Leukos/µl sollte Zählung in der Zählkammer erfolgen, erhöhte Werte sprechen für Entzündungen der Harnwege (Pyeolonephritis, Glomerulonephritis, Entzündung der ableitenden Harnwege, gelegentlich auch Tumore oder Steinleiden mit Entzündung, evtl. Verfälschung durch Scheidenausfluß bei falscher Probenentnahme
Nitrit negativ Positiv bei: bakterieller Kontamination des Harns
Ascorbinsäure negativ Kann die Anwesenheit reduzierender Substanzen signalisieren und damit eine Verfälschung der Teststreifen!


Urin-Sediment

Seitenanfang Nach Zentrifugation frischen Mittelstrahlurins wird der Überstand dekantiert und verworfen. Einige Tropfen des verbleibenden Sedimentes werden auf einen Objektträger gebracht und bei 300 - 400facher Vergrößerung unter dem Mikroskop betrachtet. Es wird die Anzahl von Zellen im Gesichtsfeld angegeben.
Da die Methode im Gegensatz zur Zählkammer nicht standardisiert ist, wird sie immer mehr verlssen. Dennoch kann sie im Einzelfall zusätzliche Informationen liefern.

Interpretation

Leukozyten

mehr als 5/Gesichtsfeld -> Zählkammer, wichtig zur Diagnostik entzündlicher Harnwegserkrankungen

Erythrozyten

mehr als 2/Gesichtsfeld -> Zählkammer, wichtig zur Diagnostik entzündlicher Harnwegserkrankungen, Tumoren der Harnwege und Steinleiden, eigentliche diagnostische Entscheidung erst nach Zählkammer

Rundzellen

stammen aus den Tubuli oder ableitenden Harnwegen

Plattenepithelien

stammen aus Scheide, Harnröhre oder Vorhautfalte und weisen auf Verunreinigung des Mittelstrahlurins

Trichomonaden

nur bei sehr frischem Urin aufgrund der Eigenbewegung erkennbar, Hinweis auf akute Trichomonadeninfektion, kann zusätzliche mikrobiologische Diagnostik ersparen

Hefezellen, Spermien

besitzen keinen eigentlichen diagnostischen Wert

Kristalle

begrenzter Wert für die Steindiagnostik

Zylinder - Ausgüsse von Tubuli und Sammelrohren

Hyaline Zylinder

gering=normal, vermehrt bei Proteinurie und Oligurie

Erythrozytenzylinder

finden sich bei Glomerulonephritis, Nierenverletzungen, nach starker körperlicher Anstrengung, Blutungsübeln und Antikoagulantientherapie

Leukozytenzylinder

finden sich bei Pyelonephritis und Glomerulonephritis

Epithelzylinder

Seitenanfang werden bei akuter Niereninsuffizienz, Pyelonephritis und Glomerulonephritis gefunden


Referenzwerte für Zählkammerbestimmung

Erythrozyten

alle Altersgruppen unter 6 Mpt/l

Leukozyten

Alter Mpt/l
neugeborenes Mädchen unter 75
neugeborener Junge unter 50
Mädchen unter 20
Junge bis 2 Jahre unter 20
Junge über 2 Jahre unter 6
Erwachsene unter 6












































Blutuntersuchungen

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Blutsenkungsreaktion/Erythrozytensenkungsgeschwindigkeit (BSR)

Indikation: unspezifische Suche nach organischen Erkrankungen und Verlaufskontrolle. Die BSR ist empfindlich aber auch völlig unspezifisch. Sie eignet sich bei akuten infektiösen Erkrankungen recht gut zur Verlaufskontrolle, weil auch leicht und von einem Labor unabhängig durchführbar (z.B. Pneumonie, akute Pyelonephrititis u.v.a.). Wertvoll ist die BSR bei der Verlaufskontrolle und Diagnostik einiger rheumatischer Krankheitsbilder. Fortgeschrittene Tumorstadien können mit einer beschleunigten BSR einhergehen, z.B. Bronchialtumoren, Nierenzellkarzinom und maligne Bluterkrankungen und Tumore, die in die Blutbildung bzw. das Immunsystem eingreifen. Manche Tumoren beeinflussen die BSR wiederum nicht. Bei Infekten gilt die Faustregel (immer Ausnahmen!), daß schwere bakterielle Infekte die BSR deutlicher beschleunigen als virale Infekte.

Das klassische Ablesen der BSR nach der 1. und 2. Stunde ist m.E. nicht erforderlich, da der 1-Stundenwert für eine Aussage ausreicht. Ist dieser normal, gibt es keine Interpretation des 2-Stundenwertes.

Fehler: Röhrchen ist verschmutzt, steht nicht senkrecht, wesentlich über 21C liegende Temperatur, falsches Mischungsverhältnis bzw. unzureichnde Durchmischung von Zitrat und Blut u.a.


Referenzwerte der Blutsenkungsgeschwindigkeit für 1 Stunde in [mm]
Neugeborene 1-3 Säuglinge 5-10
Kleinkinder 5-12 Kinder 4-12
Frauen <40 5-10 Frauen >40 6-14
Männer <40 3-8 Männer >40 5-12


Kleines Blutbild

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Parameter Probe Sex Norm
alt
Einheit
alt
Norm
SI
SI-
Einheit
Umrechnung
alt-SI
Umrechnung
SI-alt
Hämoglobin B F
M
11,9-17,2
13,8-19,5
g/100ml 7,4-10,5
8,6-12,0
mmol/l 0,6206 1,611
Hämatokrit B F
M
37-47
40-54
% 0,37-0,47
0,40-0,54
- 0,01 100
Erythrozyten B F
M
4,2-5,4
4,6-6,2
Mio Ery/µl 4,2-5,4
4,6-6,2
Tpt/l 1 1
Thrombozyten B - 150000-300000 /µl 150-300 Gpt/l 0,001 1000
Leukozyten B - 3800-9800 /µl 3,8-9,8 Gpt/l 0,001 1000
MCH (HbE) RG - 25-31 pg 15,5-19,0 fmol/l 0,6206 1,611
MCHC RG F
M
32-36
30-34
g/100ml 20,0-22,5 mmol/l 0,6206 1,611
MCV RG - 85-95 µm3 85-95 fl 1 1


Legende:     B=Blut    RG=Rechengröße aus anderen Parametern    F=Frauen    M=Männer




Differential-Zellzählung der weißen Blutkörperchen (Diff-BB)

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Leukozyten-Differentialzählung
Zellen Norm alt [%] Norm SI [rel.] Umrechnung
SI-alt
Umrechnung
alt-SI
Basophile Granulozyten 0-1 0-0,01 0,01 100
Eosinophile Granulozyten 0-5 0-0,05
Myeloblasten 0 0
Neutrophile Promyelozyten 0 0
Neutrophile Myelozyten 0 0
Neutrophile Metamyelozyten 0 0
Neutrophile Stabkernige 0-10,5 0-0,105
Neutrophile Segmentkernige 36-84 0,36-0,84
Monozyten 0-9,5 0-0,095
Lymphozyten 20-42 0,20-0,42
Lymphoidzellen 2-8 0,02-0,08
Zur Bewertung einiger ausgewählter Parameter des Differentialblutbildes hier klicken!


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Erstellt: 09.02.2004 / Änderung: keine / Autor: F.Wiegleb (fwiegleb@gmx.de)