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Merkblatt  Hypercholesterinämie

 Cholesterin

Was bedeutet Hypercholesterinämie -
und was ist dagegen zu tun ?

Hypercholesterinämie = Erhöhung des Hauptfettstoffes (Cholesterin, auch Cholesterol ) im Blute.

Bei Ihnen wurde eine Hypercholesterinämie nachgewiesen. Dies erfordert eine Umstellung Ihrer Ernährung vor allem in dem Sinne, daß Sie die Zufuhr tierischer Fette aus Fleisch-,Wurst- u. bestimmten Milchprodukten stark einschränken sollten.

Wie ist dies zu verstehen ?

Ein bestimmter Cholesteringehalt ist normal und verdient der Versorgung der verschiedenen Organe mit Fettstoffen.Ein erhöhter Gehalt begünstigt demgegenüber die Entstehung einer Arteriosklerose, also einer Schädigung der Gefäßwand von Schlagadern, die dann brüchig wird und sich soweit verdickt, daß kaum noch Blut durch dieses Gefäß fließen kann.An den Kranzgefäßen führt dies zum Herzinfarkt, im Gehirn zum Schlaganfall und an den Beinen zu Durchblutungsstörungen.

Vielfach treten die ersten Veränderungen schon im Jugendalter auf. Daher sollte man Veränderungen der Blutfette schon ab diesem Alter suchen.Dies gilt insbes. dann, wenn bei Familienangehörigen diese Erkrankung gehäuft oder mit sehr schwerem Verlauf auf tritt.

Als normal gelten Cholesterinwerte im Blut bis 220 mg/dl. Ab 260 mg/dl sollte unbedingt eine Kostveränderung vorgenommen werden. Dazwischen liegt der sogenannte Grenzbereich.

Was würde ohne Behandlung geschehen ?

Die Erkrankung kann über Jahre schleichend und unauffällig entwickeln. Dabei kommt es weder zu Beschwerden, die Sie feststellen, noch zu Veränderungen,die der Arzt diagnostizieren könnte. Nicht selten ist der Herzinfarkt das erste "Symptom" dieser Erkrankung.

Die Behandlung der Hypercholesterinämie verhindert oder verzögert nicht nur die Entstehung eines Herzinfarktes sondern auch Veränderungen der Blutgefäße verschiedener anderer Organe,denen eine Arteriosklerose zugrunde liegt. Sie erkennen,wie wichtig es war, daß bei Ihnen die Hypercholesterinämie durch eine Blutentnahme frühzeitig festgestellt wurde.

Wie können Sie zu einer erfolgreichen Behandlung beitragen ?

Allgemeine Verhaltensmaßregeln

  1. Bei Übergewicht l a n g s a m e Gewichtsreduktion anstreben! Ein bis zwei Kilo im Monat würden schon ausreichen! Keinen blinden Ehrgeiz entwickeln. Gewichtsreduktion erfordert Willenskraft.
  2. Eine zu schnelle Abnahme überflutet das Blut mit Fettstoffen, wird als grausam empfunden und führt dann schnell ins Versagen.Es folgt anschließend eine erneute Gewichtzunahme, die den Ausgangswert noch überschreitet.
  3. Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck und Gicht, vor allem aber eine Zuckerkrankheit müssen konsequent behandelt werden.
  4. Wenn Sie das Rauchen aufgeben wird es bestimmt nicht schaden. Hypercholesterinämie und Rauchen stellen die ernsthafteste Gefahr für Ihre Beine dar (Raucherbein und andere Verschlußkrankheiten der Ex- tremitäten).
  5. Bei Bewegungsmangel nützt Ihnen die strengste Diät nichts. Sorgen Sie also für eine ausreichende körperliche Betätigung. Lassen Sie von Zeit zu Zeit das Auto stehen.Das beste wäre,Sie würden Mitglied in einem Freizeitsportverein oder gingen mit der Familie bzw. Freunden regelmäßig in ein Fitness-Studio.
  6. Faustregel: 2 x in der Woche die Herzfrequenz (Puls kontrollieren!) bis kurz unter die sog. kritische Herzfrequenz bringen und dort durch sportliche Betätigung für ca. 10 bis 15 Minuten halten. Es sollte schon einen kleinen Schweißausbruch geben !

    Kritische Herzfrequenz = 220 Schläge/min. minus Lebensalter

    Dies müßte schon reichen, wenn Sie sich bemühen, auch sonst nicht jeden Weg mit dem Auto zu erledigen und nicht nur vor dem Fernseher zu sitzen. Wie bei der Gewichtsabnahme sollten Sie aber auch beim Sport keinen blinden Ehrgeiz entwickeln (Verletzungsgefahr, Kreislaufschäden bei vernachlässigtem Körperzustand, evtl.Arzt konsultieren und geeignete Sportarten besprechen). Schwimmen und Radfahren sind besonders geeignet. Da dickere Patienten sehr gern gesellig leben, sollten sie sich nicht unbedingt Individualsportarten verschreiben. Schließen Sie sich, falls Sie zu diesem Personenkreis gehören, einer Mannschaft an (Ballsportarten, Hockey, Tischtennis, Wandern,Tanzen u.a.).

    Ändern Sie gezielt Ihre Ernährungsweise!:
    1. Bevorzugen Sie Diät-Produkte!
    2. Man kann zu den sog. Light-Produkten stehen wie man will; bei einer angestrebten Gewichtreduzierung sind sie unverzichtbar.
    3. Reduzieren Sie die tägliche Fettzufuhr generell, doch besonders bei tierischen Fetten!

    Stellen Sie beim Braten die Pfanne schräg und schöpfen Sie das erkaltete Fett ab.Schneiden Sie bereits bei der Zubereitung alles sichtbare Fett ab.

    Beschränken Sie den Butterkonsum auf 20 g kleine Würfel pro Tag, und verwenden Sie als Brotaufstrich vitaminangereicherte Halbfettmargarine. Pflanzenfette sind in der Ernährung unverzichtbar.

    Braten Sie vorzugsweise in Öl (z.B. mit dem guten alten Sonnenblumenöl oder Olivenöl) und richten Sie Ihre Salate mit einem Eßlöffel Öl an, da es die lebensnotwendigen ungesättigten Fettsäuren enthält.

    Wählen Sie Wurst und Fleischsorten bewußt aus (siehe unten).Denken Sie daran, daß der fetteste Käse (außer Schmierkäse) zumeist immer noch fettärmer als die magerste Wurst ist.

    Probieren Sie auch einmal gewürzten Magerquark,Rettich oder Knoblauch als Brotaufstrich.Eine Schmalzbemme gibt es nur in Zukunft nur noch einmal im Jahr! :-)

    Überhaupt sollten Sie die Hände vom Schmalz, insbes.vom Schweineschmalz, lassen. Begrenzen Sie die Zufuhr von Eiern (gilt streng nur für Eigelb) auf max. 2 - 3 pro Woche. Denken Sie daran, daß panierte Schnitzel zumeist neben dem Fettrand auch noch Ei in der Umhüllung enthält. Braten Sie es deshalb kurz oder grillen Sie hin und wieder, da das Fett dann abtropft.

    Meiden Sie Süßigkeiten,Kuchen und Konditoreiwaren.Verzichten Sie aber nicht ganz darauf, doch vielleicht reicht zukünftig die Hälfte der bisher konsumierten Menge. Backen Sie selbst! Sie können dann Süßstoffe verwenden, bestimmen die zu verwendene Fettmenge und -art selbst und auch die Anzahl der Eier. Beckerkuchen ist oft aufgrund eines hohen Fettgehaltes so schön locker.Zumeist enthält er auch noch mehr Zucker, als man selbst beim Backen verwenden würde.

    Dennoch vorsichtig: Süßstoffe können den Appetit anregen!

    Fettarme Milch schmeckt vielleicht nicht so gut, doch dies ist oft nur eine Frage der Gewohnheit. Fordern und verwenden Sie entrahmte Milch, Yoghurt,Quark und Käse. Vermeiden Sie die fettreichen Sorten.

    Trinken Sie die erlaubten Getränke reichlich. Trinken kann bei einer Reduktionsdiät helfen, das unangenehme Verlangen nach den beliebten Speisen etwas unterdrücken.

    Kauen Sie die Speisen auch gründlicher durch, als Sie es bisher taten. Das Sättigungsgefühl stellt sich oft nach einer bestimmten Zeit auch bei einer geringeren Nahrungsmenge ein.

    Räumen Sie nach der Mahlzeit (Nun, nicht gerade,wenn Sie Gäste haben...) sofort den Tisch ab.Die Verlockung ist dann nicht so groß.

    Welche Nahrungsmittel sind geeignet ?

    alle Getreideprodukte (außer Kuchen und Konditoreiwaren),praktisch unbegrenzt alle Gemüse- und Obst-sorten (außer bei gleichzeitiger Zuckerkrankheit ,- hier sind bestimmte Sorten einzuschränken -),auch Hülsenfrüchte sind erlaubt, Brot, Kartoffeln, Vollkornprodukte, Grieß, Marmeladen, Honig in Maßen,magere Milch und Milchprodukte,magere Wurstsorten (Bockwurst, Mortadella,Corned Beef,Zunge), magere Fleischsorten (evtl.noch bereinigt) vom Wild, Kaninchen, Nutria, Geflügel (außer Ente und Gans), Lamm, Rind oder Ziege,alle mageren Fischsorten,insbes.die oftmals geschmähte Makrele.

    Bei welchen Nahrungsmitteln ist Einhalt geboten ?

    Die Behandlung der Folgeerkrankungen einer Hypercholesterinämie ist oftmals außerordentlich schwierig oder gar unmöglich. Vieles ist dann nicht mehr zu reparieren, was jetzt noch durch eine konsequente Änderung der Ernährungsweise beeinflußbar ist.Befolgen Sie daher diese Hinweise und nutzen Sie die Möglichkeit,jetzt noch schwerwiegende gesundheitliche Schäden abwenden zu können. Speisen Sie herzfreundlich und nicht nach Herzens Lust. Halten Sie auch Ihre Familie, Ihre Freunde und Arbeitskollegen dazu an!