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Polyarthrose der Fingergelenke

Heberden-, Bouchard- und Rhizarthrose

Degenerative, chronisch und zumeist achsensymmetrisch auftretende Zerstörung der kleinen Fingergelenke mit bestimmten Befallsmustern. Vermutlich handelt es sich um primäre Arthrosen (also ursächlich nicht durch andere Erkrankung oder Traumata bedingt.

Häufigkeit und Vorkommen: Manifestationsalter zw. 30. u. 40.Lbj.; Frauen > Männer; im 60.Lbj. leiden ca. 50% der Frauen und 40% der Männer an einer Form der Fingerpolyarthrose; bei Heberdenarthrosen allein sind Frauen 10mal häufiger betroffen als Männer.

Ursache: Vermutlich handelt es sich um primäre Arthrosen. Diese sind nach Ursachen bisher noch nicht klassifizierbar. Viele Arthrosen können als sekundäre Formen eingestuft werden. Bei den unklaren Fällen, zu denen die fingerpolyarthrosen gerechnet werden können, nimmt man trophische, metabolische, neurogene, zirkulationsbedingte und erbliche Faktoren als Ursache an.
Besonderheiten bei den Fingerpoylarthrosen sind die meist nicht vollständige Gelenkzerstörung mit meist noch gut erhaltener Restfunktion und speziell bei den Heberden-Arthrosen die Ausbildung knorpelig-knochigen Knoten an den Endgelenken.

Krankheitsbild:

Symptome: Morgensteifigkeit, flüchtige Schmerzen bei Bewegung, später lokalisierbarer Gelenkschmerz, Kälteempfindlichkeit



Klinik
Je nach Gelenkbefall werden unterschieden:
  1. Heberden-Arthrosen (DIP-Gelenke und ID-Gelenk des Daumens
  2. Bouchard-Arthrosen (PIP-Gelenke)
  3. Rhiz-Arthrose ein- oder doppelseitig (Daumensattelgelenk)

Seltener sind MCP-Arthrosen (Metacarpo-Phalangealgelenke, als die Grundgelenke zwischen Finger und Mittelhand), die in der folgenden Abb. nicht dargestellt sind.



Abb.1: Betroffene Gelenkgruppen bei den Fingergelenksarthrosen
[Abb. aus K.Gräfenstein: Klinische Rheumatologie; ecomed-Fachverlag; 1992]

Betroffene Gelenkgruppen bei den Fingergelenksarthrosen; fingerar.jpg; 26k


Abb.2: Typische Knotenbildung am Endgelenk bei Heberden-Arthrose
Abb.3: Ausgeprägter Befall einer Hand
Abb.4: Röntgenaufnahme mit typischen Arthrosezeichen im Endglenk

Abb.2,3 und 4 - wurden ausgelagert, um Ladezeiten zu beschränken! Rotes Feld anklicken!

Diagnose: typischer Befall und Symptomatik, Röntegenbild. Labor ist ohne Bedeutung, gelegentlich bei stärker Entzündungsreaktion (Dekompensation, aktivierte Arthrose) kann die BSR leicht erhöht sein. Gelengentlich findet man auch leicht erhöhte Rheumaserologie, was aber nicht bedeutet, daß eine entzündliche rheumatische Erkrankung vorliegt. Eine solche Befundkonstellation erfordert aber eine subtile Differential-Diagnostik (Ausschluß einer sekundären Form!).



Differential-Daignose:

Therapie: Bei anhaltenden Schmerzen oder im aktivem Schub gibt man nicht-steroidale Antirheumatika ggf. in Kombination mit einfachen Analgetika. Eimalig oder in sehr großen Abständen kann eine Gelenkinfiltration mit Lokalanästhetikum und Kortison-Kristallsuspension erwogen werden. Externe Antiphlogistika (Einreibungen) können bei Fingergelenksarthrosen durchaus Wirkungen haben; Reizströme zumindest subjektiv. Regelmäßige warme Handbäder, Schlammpackungen (Peloide) und andere Wärmeanwendungen können erhebliche Schmerzlinderung und Funktionsverbesserung bringen. Dem Schutz vor Auskühlung (Handschuhe, warmes Aufwaschwasser usw.) hat eine große Bedeutung, ebenso eine dosierte Bewegungsbehandlung.

Bei Versagen der konservativen Maßnahmen kommt operativ die Beseitigung der Osteophyten und die Abtragung der störenden Knoten in Betracht. Bei sehr schwerer Zerstörung einzelner Gelenke muß die operative Versteifung (Arthrodese) oder ein Gelenkimplantat (nur bei PIP und MCP) erwogen werden.
Insbes. bei schweren Rhizarthrosen kann zur Erhaltung der Beweglichkeit eine Resektions-Interpositions-Plastik oder der endoprothetische Gelenkersatz notwendig werden. Im Anfangsstadium bringt u.U. auch eine vorübergehende Ruhigstellung in einer Orthese Linderung.

Die Gabe von Knorpelschutz- bzw. Knorpelaufbau-Substanzen ist wegen der oft unzureichenden Wirkung und hoher Kosten sehr umstritten.


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