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Wundrose - Erysipel

... akute, seltener chronisch-rezidivierend (wiederkehrend) verlaufende, durch Streptokokken ausgelöste Entzündung der Haut, selterner der Schleimhaut.

Synonym: Rose, Wundrose, Streptodermia cutanea lymphatica

Ursache: Erreger sind beta-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A, wahrscheinlich sämtliche Subtypen.

Inkubationszeit (Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch): 1 bis 3 Tage, gelengentlich Stunden

Kontagiosität (Ansteckungsfähigkeit) :  gering

Infektionsweg: Schmier- und Tröpfcheninfektion, als Quelle kommen infizierte Personen in Betracht, die Ansteckung setzt aber eine lokale oder allgemeine Abwehrschwäche voraus. Der Erreger dringt in der Regel über eine Hautläsion oder einen Gewebedefektw ein, also an Stellen, an denen Kontinuitätstrennungen der Haut bestehen. Dies kann ein kleiner Kratzer sein, ein Insektenstich, Geschwürzbildung durch Venenleiden oder Lymphödeme, Operationsnarben etc.. Häufig findet man insbes. beim Erysipel der unteren Extremitäten einen Fußpilzbefall oder tiefe Risse zu starker Hornhaut.

Häufigkeit: infolge der erweiterten Antibiotikaanwendung deutlich rückläufig; auch der frühe zu beobachtende Altersgipfel bei Säuglingen und der Altersgruppe der 30- bis 50-jährigen Patienten verwischt zunehmend, genaues Zahlenmaterial zum aktuellen Stand lag mir nicht vor


Symptome:  Aus anscheinendem Wohlbefinden heraus treten Abgeschlagenheit, steiler Fieberanstieg, Spannungsgefühl und Schmerz in der betroffenen Körperregion auf. Häufig besteht Schüttelfrost, örtlich eine Hautschwellung mit anfangs scharf abgrenzbarer Hautrötung und deutlicher Erwärmung bis hin zu brennender Hitze. Die von anfangs flammenden Rötung geht mit zunehmender Zeit in eine düsterrote bis bläulich wirkende flächenhafte Rötung über, wobei die Abgrenzung unschärfer wird und zungenartige Ausläufer aufweist; später wieder 'Abblassung des Zentrums. Häufig kommt es auch zu Schwellungen der regionären Lymphknoten. Seltener sind blasige Verlaufsformen des akuten Erysipel. Im Gesicht zeigt sich die Rötung oft schmetterlingsförmig.

siehe Abb. rechts (zum Zoomen Doppelklick) : 52-jähriger Patient, hohes Fieber, starker beinträchtigtes Allgemeinbefinden und Schmerzen in der linken Leiste als Ausdruck einer regionalen Lymphknotenentzündung, , stecknadelkopfgroße Erosion des linken Fußrückens unbekannter Herkunft, 2 Tage nach Einleitung einer Therapie mit 1,2 Mio Einheiten eines Depotpenicillins  deutliches  Nachlassen des Spannungsgefühls und Fieberfreiheit, Patient war trotz besseren Allgemeinbefindens wegen der düsterroten Verfärbung besorgt.

Diagnose:  Die Diagnose kann in der Regel anhand des klinischen Bildes gestellt werden. Der direkte Erregernachweis würde Hautproben aus dem Rand der Rötung erfordern und ist damit unüblich. Als indirekter Nachweis dient der steil ansteigende Antistreptolysin-Titer. Daneben findet man unspezifische Parameter wie erhöhte Leukozytenzahl, deutlich erhöhte Blutsenkungsreaktion; alpha- und betaGlobuline sind erhöht, gammaGlobuline erniedrigt, insbes. beim wiederkehrenden (rezidivierenden) Erysipel sind alpha-1- und beta1-Globulin und Transferrin erhöht.

Klinik: Der klinische Verlauf kann am besten an den typischen Hauterscheinungen dargestell werden und ist unter der Symptomatik ausreichend beschrieben.

Komplikationen: Schwellung des Kehldeckels (Glottisödem) bei Übergang auf die Mundschleimhaut, Phlegmonen oder Gangrän als lokale Komplikationen bei abwehrschwachen Personen. Die wiederkehrende (rezidivierende) Wunderose führt in zeitlichen Abständen immer wieder zu Fieber, Schmerz und Schwellung. Betroffen davon davon werden vor allem Personen mit chronischen Hautschäden (Unterschenkelgeschwüre, rissige Stauungsekzeme bei Krampadern oder ähnliche chronische Hautveränderungen, auch Fußpilz. Das Erysipelrezidiv führt häufiger als die Erstmanifestation zu einer Verstopfung der Lymphgefäße und birgt damit die Gefahr einer Elephatiasis.

Prognose: Die Prognose ist im allgemeinen gut. Lebensgefährlich ist das Erysipel gelegentlich bei betagten oder abwehrschwachen Menschen. Außerdem wird die Prognose immer vom gleichzeitigen Bestehen einer schweren Grunderkrankung mitbestimmt.

Therapie: Mittel der Wahl ist immer noch  Penicillin. Wichtig ist es, die Penicillinbehandlung mit ausreichender Dosiserung mindest über 10 Tage zu erhalten. Nur bei einer Penicillin-Allergie oder bei Anzeichen für ein Nicht-Ansprechen (also einer Resistenz) sollte man auf Makrolidantibiotika oder Cephalosporine ausgeweichen.  Beim rezidivierende Erysipel kann zur Vermeidung von Komplikationen an den Herzklappen oder zur Vermeidung eines chronischen Lymphödems eine monatelange Behandlung mit Benzathin-Penicillin (z.B. Pendysin ®) eingeleitet werden (Depotinjektion 1x monatlich).

Im allgemeinen kann die Behandlung ambulant erfolgen. Komplizierte Verläufe gehören in die Klinik.

Prophylaxe: Bisher keine bekannt! Die Erkrankung hinterläß auch keine bleibende Immunität. Chronische Hautdefekte sollten fachgerecht behandelt werden. Zur raschen Erkennung von Nachfolgeerkrankungen einer Streptokokkeninfekt durch allergisch-hyperergische Reaktionen, Antikörper- oder Toxinwirkungen (Akutes rheumatiches Fieber, akute Glomerulonephritis) sollte drei bis vier Wochen nach einem Streptokokkeninfekt eine Nachuntersuchung erfolgen!

Infektionsschutz: Keine beonderen Maßnahmen; auch keine Isolierung Erkrankter. Tätigkeitsverbot in Kindereinrichtungen, in Einrichtungen des Gesundheitswesens (chirurgische und geburtshilfliche Abteilungen) und im Lebensmittelbereich bis zur Genesung werden werden für Personen mit Streptokokkenerkrankungen der Haut empfohlen.

Differentialdiagnose (Abgrenzung zu anderen Erkrankungen): Erythema chronicum migrans (insbes. nach Zeckenbiß) - meist heller als das Erysipel, kaum Allgemeinerscheinungen, weiterhin Rotlauf - lokal begrenzt, brennend-juckend, fast immer vorausgehende Verletzung bei Fleisch- oder Fischverarbeitung (Metzger, Verkäuferin, Köche), zumeist an den Händen, heute sehr selten, Erythrasma intertrigonosum - Sitz in der Leiste, keine Beschwerden; ... außerdem alle Hauterkrankungen, die mit flächenhaften Rötungen einhergehen (Allergien, Kontaktdermatitis, Ekzeme aller Art) -  zumeist fehlen hierbei Fieber, Schmerz und die schwere Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens.

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Erstellt: 09.08.2009 / Änderung: keine / Autor: F.Wiegleb (fwiegleb@gmx.de)