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Reisediarrhoe (Reisedurchfall)
Travellers' diarrhoea

Schmierinfektion über kontaminierte Lebensmittel u. Getränke, meist durch Bakterien, Leitsymptom Durchfall
Weitere Krankheitsbezeichnung
AfrikaCanary Disease, Casablanca Crud, Gyppy (Egyptian) Tummy
Lateinamerika Aztec Two-Step, Montezuma's Revenge (Rache), Turista
USASan Franciscitis
Nahost/
Südasien:
Aden Gut, Basra Belly, Delhi Belly, Maladie de la Mer Rouge, Poonah Poo, Turkey Trot
FernostHong Kong Dog, Ho Chi Minh, Rangoon Runs, Tokyo Trot
EuropaGreek Galopp, Malta Dog, Rome Runs, Trotzky's, Zermattitis
weltweitBackdoor Sprint, Coeliac Flux, Emporiatric Enteritis, G. I.'s, Passion, Sqitter, Summer Complaint, Tourist Trot

Erreger

in über 80 % Bakterien, davon 50% entero-toxische Escherichia coli-Stämme (ETEC)
Weitere wichtige Erreger
Campylobacter, besonders in Thailand, sonst außerhalb der ETEC-Saison in ca. 10% bakterielle Erreger: Shigellen (Ruhr), oft klinisch schwer verlaufend, in 5 - 20 % Salmonellen u.ä. , in 10 -15% Rotaviren (häufig in Mexiko), seltener Parasiten wie Lamblien, Cryptosporidien, Cyclospora.

Cholera und verwandte Erreger meist während der warmen Monate in küstennahen tropischen Gebieten. Für Reisende relativ geringes Risiko.

Vorkommen/Häufigkeit

Durchfall ist die häufigste Erkrankung der Reisenden in tropischen oder subtropischen Regionen. Das Risiko einer Krankheit variiert von Land zu Land; saisonale Schwankungen mit höheren Erkrankungsraten in den Sommermonaten. Entscheidend sind Hygienestandard (Sanitär- und Lebensmittelhygiene) und das persönliche Hygieneverhalten im Gastland.

Individuell begünstigende Faktoren

erstmalige Reise in ein Endemiegebiet, Abenteuerreise oder Leben in engem Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung unter ähnlichen Lebensumständen, sorgloser Umgang mit Nahrungsmitteln und Getränken, jüngeres Lebensalter, beeinträchtigter Immunstatus (z.B. HIV+ oder IgA-Mangel), fehlende Magensäure, Blutgruppe 0.

Infektionsweg

Schmierinfektion über kontaminierte Lebensmittel/Getränke, meist durch Bakterien, gelegentlich auch Viren

Symptome

Reisediarrhoe tritt meist für wenige Tage innerhalb der ersten Woche nach Ankunft im Endemiegebiet auf. Charakteristisch sind drei oder mehr ungeformte Stühle in 24 Stunden, kombiniert mit anderen Symptomen einer Darminfektion (Fieber, Blutbeimengung, übelriechender, wäßriger Stuhl von zunehmend heller Farbe = Enteritis = Dünndarminhalt).
In 70 - 80 % der Fälle als akute, wässrige Durchfälle, meist verursacht durch ETEC-Bakterien. Fieberhafte blutige Durchfälle (Dysenterie) sind suspekt auf Ruhr (Shigellen), Campylobacter oder Salmonellen. Anhaltendes Fieber und zusätzliche Krankheitszeichen außerhalb des Magen-Darm-Kanals können durch Typhus verursacht sein. Für anhaltende, chronische Durchfälle sind häufig Lamblien, Cryptosporidien od. Cyclospora verantwortlich. Eine Reisediarrhoe führt wegen der Verschiedenheit der Erreger üblicherweise nicht, allenfalls partiell und nur kurzzeitig zu einer natürlichen Immunität.

Therapie

... richtet sich nach der Schwere der Erkrankung. In leichten Fällen ohne erheblichen Flüssigkeitsverlust genügt in der Regel die Einhaltung einer Diät und erhöhte Flüssigkeitszufuhr mit Fruchtsäften oder gesüßtem Mineralwasser.
Für mittelschwere Durchfälle mit Flüssigkeitsverlust stehen handelsübliche Salzlösungen zur oralen Rehydratation (Ausgleich des Wasser- und Salzverlusts durch Trinklösungen) zur Verfügung. Dabei sind sog. niedrigosmolare Lösungen mit Natriumgehalt 65 - 75 mmol/l; Glukosegehalt 75 - 90 mmol/l (als Oralpädon 240®, Santalyt®, Isolyt® von ct) den älteren Sandardrezepturen (als Elotrans®, Saltadol®, D-Iso-ratiopharm®) vorzuziehen.
Die Selbstzubereitung derartiger Lösungen wird nur im Ausnahmefall empfohlen, da nur selten die gewünschten Konzentrationen erzielt werden. Trinklösungen zur oralen Rehydratation sind besonders geeignet bei Kindern und älteren Personen weil Flüssigkeitsverlust schwerere Auswirkungen haben kann.

Rezept zur notdürftigen Selbstbereitung
pro Trinkglas (150-200 ml) abgekochten Wassers/Tees oder Mineralwassersq
  • 2 geh. Teelöffel Traubenzucker
  • 1 Messerspitze Salz
  • 1 Messerspitze Natron


Bei Durchfallerkrankungen sollte der gut lösliche und schnell resorbierbare Traubenzucker immer den Vorang vor Haushaltszucker erhalten!
Achtung! Weder die Dauer der Erkrankung noch die Zahl der Durchfälle wird reduziert.Es kann damit nur Komplikationen vorgebeugt werden!
Zur symptomatischen Behandlung ist in leichten bis mittelschweren Fällen Wismut subsalicylat geeignet.

Loperamid (z.B. als Lopedium*) bewirkt eine Ruhigstellung des Darmes und damit eine Besserung der Symptome.
Achtung! Nicht anzuwenden über mehr als 48 Stunden! Nicht anzuwenden bei Fieber oder blutigen Durchfällen!
Übliche Dosierung:
Initial Erwachsene 2, Kinder <12 j. 1 Kps./Tbl./ML Lösung, danach nach jedem stuhl 1 Kps./Tbl. bis max. 6 (Erw.) bzw. 4 (Kinder) pro Tag.

Schwere wäßrige Durchfälle können mit Loperamid und einem Antibiotikum behandelt werden; blutige Durchfälle mit und ohne Fieber erfordern nach entsprechender Diagnostik u.U. eine Behandlung mit Antibiotika (Quinolone oder andere) ohne Loperamid.

Prophylaxe

Entscheidend ist die konsequente Einhaltung des Hygieneregimes. Zur Prophylaxe und zur symptomatischen Behandlung geeignet ist Perenterol®(forte), das den Hefepilz Saccharomyces boulardii enthält. Empfohlen werden ab 5 Tage vor der Abreise 1-2 Beutel bzw. je nach Stärke 3x2 oder 1-2 Kapseln.

Von einer Prophylaxe mit Antibiotika/Chemotherapeutika wird grundsätzlich abgeraten. Nebenwirkungen und Resistenz-Entwicklungen sind entscheidende Nachteile; Ausnahmen nur in begründeten Fällen (s.u.)!

Vielversprechend ist die Entwicklung von Impfstoffen, insbesondere gegen ETEC. Sie ist z.Z. aber noch in klinischer Erprobung.
Eine medikamentöse Prophylaxe der Reisediarrhoe kann sinnvoll sein bei
  • Patienten mit eingeschränkter Immunabwehr
  • Risiko der Verschlechterung bestehender Erkrankungen (z.B. Colitis ulcerosa, Durchblutungsstörungen der Hirngefäße, Behandlung mit Digitalis-Präoparaten oder Diuretika)
  • bei Personen mit besonderen Aufgaben (Sportler, Politiker)

Spezielle Diagnostik

mikrobiologische (bakterielle, parasitologische, virologische) Stuhluntersuchung

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Erstellt: 13.11.2002 / Änderung: keine / Autor: F.Wiegleb (fwiegleb@gmx.de)