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Antibiotika in der Schwangerschaft



Antibiotika in der Schwangerschaft Antimikrobielle Substanzen dürfen in der Schwangerschaft weder die Mutter noch die Entwicklung des Embryos bzw. des Feten schädigen. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen einige Sicherheitsstandards eingehalten werden.

Probleme in der Schwangerschaft:

  1. Arzneimittelstoffwechsel etwas komplizierter als sonst, da die tatsächliche Konzentration der verabreichten Substanz von verschiedenen Faktoren abhängt.
  2. Aufnahme, Verteilung und Verstoffwechslung der Mutter, danach erfolgt die Passage durch die Plazenta
  3. Plazentaschranke verhält sich dabei für jede Substanz unterschiedlich, grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass Stoffe mit einer Molekularmasse über 800 Dalton diese nicht passieren können.
  4. Die fetale Leber beginnt mit ihrer Funktion bereits ab dem 3. Monat.
  5. Anschließend kommt es zur Ausscheidung durch das Kind, weiters zur Rückresorption aus dem Fruchtwasser und schließlich zur Ausscheidung durch die Mutter.

Grundzüge/Planung einer Arzneimitteltherapie bei Frauen im gebärfähigen Alter

  1. Anamnese muß Frage nach Schwangerschaft beinhalten
  2. Bei potenziell teratogener Medikamenten auf die Notwendigkeit einer sicheren Verhütung (Kontrazeption ) hinweisen!
  3. Sind Behandlungsalternativen ausgeschöpft?
  4. Monotherapie ausreichend?
  5. Niedrigere Dosis erwägen?
  6. Erprobte Präparate bevorzugen!
  7. Unberechenbarkeit von Phytotherapeutika, Tees und ethanolischen Auszügen bei Anwendung in der Schwangerschaft
  8. Evtl. zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen (alpha-Fetoprotein, Ultraschall u.a.) zur genauen Überwachung oder psychischen Beruhigung der Mutter veranlassen!
  9. Erweiterte Diagnostik nur, wenn sich daraus fur die weitere Schwangerschaft eine Konsequenz ergibt. Invasive Masnahmen sind eher nicht sinnvoll.

Risikoklassifizierung

Kategorie A:
Kontrollierte Studien an schwangeren Frauen haben kein erhöhtes Risiko für den Fetus während des 1. Trimesters ergeben, z. B. Folsäure

Kategorie B:
Tierversuche gaben keinen Hinweis für Teratogenität, an schwangeren Frauen existieren keine kontrollierten Studien, z. B. Penicillin

Kategorie C:
Tierversuche zeigten Hinweise auf fetale Schäden, wobei kontrollierte Studien beim Menschen fehlen, z. B. Chloroquin

Kategorie D:
Es gibt Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für den menschlichen Fetus. Der Nutzen des Medikamentes kann jedoch bei zwingender Indikation eine Anwendung auch in der Gravidität rechtfertigen, z. B. Chinin

Kategorie X:
Eindeutiger Zusammenhang mit fetalen Fehlbildungen. Das Risiko überwiegt jeglichen Nutzen!, z. B. Isotretinoin

Antibiotikagruppen

Betalaktame (Penicilline/Cephalosporine/ Aztreonam/Carbapeneme)

als unbedenklich einzustufen, grundsätzlich eher ältere Vertreter wählen sind. Aztreonam, Mero-, Imipenem werden ebenfalls zu dieser Gruppe gezählt, aufgrund ihres antimikrobiellen Spektrums sind sie jedoch Medikamente der 2. Wahl.

Makrolide

Erythromycin als 1. Wahl; Erythromycin und bei den neueren Josa-, Spira-, Clarithro-, Roxithro- oder Azithromycin bisher kein Verdacht auf teratogene Wirkungen, lediglich Erythromycinestolat für die Mutter im 2. und 3. Trimenon potenziell lebertoxisch, nach Absetzen aber durchweg Restitution ohne Folgeschäden für Mutter und Kind.

Bemerkenswert ist jedoch die äußerst schlechte Plazentagängigkeit der Makrolide, eine erfolgreiche intrauterine Therapie zum Beispiel eines Amnioninfektsyndroms ist daher fraglich. Bei intrauteriner Infektion durch Organismen wie Ureaplasma urealyticum sollte durchwegs ein Spezialist zur Therapieverordnung herangezogen werden.

Clindamycin ebenfalls nicht embryotoxisch, allerdings Möglichkeit einer antibiotika-assoziierten Kolitis beachten!
Tetrazykline kontraindiziert!
Durch Chelatbildungen in der Mineralisierungsphase ab der 20. Schwangerschaftswoche kindliche Schäden. Es kommt zum Anlagern an Ca+- Ionen im Bereich von Zähnen und Knochen, als Folge findet man eine Gelbfärbung der Zähne. Ein Zusammenhang mit Schmelzdefekten, Wachstumshemmung und Kataraktbildung wird ebenfalls diskutiert, ein erhöhtes Missbildungsrisiko im 1. Trimenon liegt hingegen nicht vor. Bei Überdosierung sind Leberschäden der Mutter ab dem 2. Trimenon beschrieben.

Aminoglykoside

Wirken u.a. ototoxisch! Grundsätzlich nur sehr eingeschränkte Indikationsbreite, da auch außerhalb der Gravidität irreversibel ototoxisch, irreversibel vestibulotoxisch und reversibel nephrotoxisch.
Wegen dieser potenziellen Nebenwirkungen und aufgrund der Tatsache, dass diese Substanzen eine äußerst schlechte Gewebepenetration aufweisen, ist deren Anwendung nur durch Spezialisten bei vital bedrohlichen Infektionen unter Serumspiegelbestimmung durchzuführen.

Chloramphenicol in der 3. Welt

häufigstes verschriebenes Antibiotikum der 3. Welt (bei Auslandsreisen und Schwangerschaft im Auge behalten), relativ toxisch, Agranulozytose gefürchtetste Nebenwirkung, bei Gabe in der Schwangerschaft sog. Grey-Syndrom möglich, Chloramphenicol in der gesamten Gravidität (relativ) kontraindiziert.

Sulfonamide/Trimethoprim

in der SS meiden, Hemmung der Folsäuresynthese, bisher keine Anhaltspunkte für teratogenes Potenzial, im Tierversuch aber schon

Aufgrund des Zusammenhanges von Folsäuremangel und Entstehen von Neuralrohrdefekten bzw. Senkung der Inzidenz von Neuralrohrdefekten durch Gabe von Folsäure während der Frühschwangerschaft ist eine potenzielle Schädigung des Feten zumindest nicht auszuschließen. Sulfonamide verdrängen zudem Bilirubin aus der Plasmabindung, daher kann es zu einer erhöhten Inzidenz an Kernikterus des Neugeborenen bei präpartaler Verabreichung dieser Substanzen kommen.

Gyrasehemmer (Quinolone)


in der Schwangerschaft kontraindiziert; irreversible Gelenksknorpelschäden bei Hunden (Literaturberichte)

Diese oder andere Folgeschäden konnten trotz häufiger (zufälliger) Exposition bisher beim Menschen nicht gefunden werden. Dennoch sind Gyrasehemmer in der Schwangerschaft kontraindiziert, da für nahezu alle Indikationen länger erprobte Behandlungsalternativen existieren.

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