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DIE ALZHEIMER KRANKHEIT

Dieses Merkblatt möchte Angehörigen von Alzheimer-Patienten sowie der allgemeinen Öffentlichkeit Informationen über die Alzheimer-Krankheit und über andere dementielle Erkrankungen in einfacher und verständlicher Form vermitteln. Es enthält nützliche und konkrete Hinweise, wie man mit der Krankheit umgehen soll, wie Selbsthilfe und gegenseitige Unterstützung für Familien mit einem betroffenen Angehörigen organisiert werden können.
Das Merkblatt wurde in gemeinsamer Arbeit mit Alzheimer-Angehörigen und Fachleuten zusammengestellt und von der internationalen Alzheimer - Vereinigung (ADI) und der WHO anläßlich des 10-jährigen Jubiläums der internationalen Alzheimervereinigung im September 1994 herausgegeben. Die österreichische Selbsthilfegruppe ALZHEIMER ANGEHÖRIGE AUSTRIA stellt die vorliegende Information gemeinsam mit der Novartis Pharma GmbH Wien allen, die mit der Betreuung und Pflege von Alzheimer - Patienten zu tun haben, kostenlos zur Verfügung.

Wien, im Mai 1996

Einleitung

Mit dieser Broschüre soll vor allem jenen Menschen geholfen werden, welche einen Patienten mit Alzheimer - Krankheit oder einer ähnlichen dementiellen Erkrankung betreuen. Es werden Ihnen Informationen geboten, die Sie bei Ihrer herausfordernden Aufgabe unterstützen können. Der Einfachheit halber wird der Begriff Alzheimer in diesem Text generell für alle Formen der Demenz verwendet. Nur gut informierte Betreuer können sowohl ihre eigene Lebensqualität verbessern, als auch diejenige des Alzheimer-Patienten.
Dieses Merkblatt befaßt sich mit folgenden Themen:

Allgemeine Informationen über die Alzheimer-Krankheit

Was versteht man unter Demenz ?

Eine Demenz tritt infolge eines Krankheitsprozesses auf. Die Diagnose einer dementiellen Erkrankung (Alzheimer oder eine verwandte Krankheit) wird dann gestellt, wenn der Patient deutliche Zeichen verminderter Gedächtnisleistung, eingeschränkter Denkmöglichkeiten und Störungen in seinem Verhalten aufweist. Die ersten Anzeichen, welche der Familie auffallen, betreffen meist die Vergeßlichkeit, (besonders bei der Erinnerung an kurz zurückliegende Ereignisse) sowie die Schwierigkeiten des Patienten, einfache, vertraute Handlungen auszuführen. Außerdem können Verwirrtheit, Persönlichkeitsveränderungen, Verhaltensänderungen, beeinträchtigte Urteilsfähigkeit, Wortfindungsstörungen, Gedankenabbrüche und Orientierungsschwierigkeiten auftreten. Die Alzheimer - Krankheit ist die häufigste Ursache der Demenz.

Was versteht man unter der Alzheimerkrankheit ?

Die Alzheimer - Krankheit befällt jene Teile des Gehirns, welche für die Denkfähigkeit, das Gedächtnis und die Sprache verantwortlich sind. Die Erkrankung beginnt ganz allmählich und auch die Verschlechterung des Zustandes geht meist langsam vor sich. Bis jetzt ist die Ursache der Krankheit unbekannt und es gibt auch noch keine Heilung. Die Alzheimer - Krankheit ist nach Dr. Alois Alzheimer benannt, einem Arzt, der bereits 1906 Veränderungen im Hirngewebe einer Patientin beschrieb, die an einer ungewöhnlichen Hirnkrankheit verstorben war. Diese Veränderungen werden mittlerweile als charakteristisch für die Alzheimer - Krankheit angesehen. Die Erkrankung erfaßt alle Schichten der Gesellschaft, ist unabhängig vom Geschlecht, von der ethnischen Zugehörigkeit oder der geographischen Lage. Obwohl die Alzheimer - Krankheit häufiger bei älteren Personen auftritt, können manchmal auch jüngere Menschen bereits betroffen sein.

Welche Symptome treten bei der Alzheimer-Krankheit auf ?

Die Alzheimer-Krankheit äußert sich bei jedem Patienten auf andere Art und Weise. Das Erscheinungsbild hängt weitgehend davon ab, wie sich der Patient vor Ausbruch der Krankheit verhalten hat, von seiner Persönlichkeit, von seinem Lebensstil und auch davon, in welcher allgemeinen körperlichen Verfassung er sich befand.
Die Symptome der Alzheimer-Krankheit können am besten im Zusammenhang mit dem Fortschreiten der Erkrankung, die man in drei Stadien einteilen kann, erklärt werden. Man unterscheidet ein frühes, ein mittleres und ein spätes Stadium. Wie bereits erwähnt, wird nicht jeder Alzheimer-Patient alle der angeführten Symptome zeigen. Auch sind die einzelnen Symptome von Person zu Person sehr unterschiedlich ausgeprägt. Die Stadieneinteilung ermöglicht es dem Betreuer, sich mit dem Fortschreiten der Alzheimer-Krankheit vertraut zu machen. So kann er sich auf möglicherweise auf ihn zukommende Probleme rechtzeitig einstellen und entsprechende Schritte für die zukünftige Betreuung zeitgerecht planen. Kein Patient wird das Fortschreiten der Erkrankung genauso erleben wie ein anderer.
Einige Symptome können in jedem Stadium auftreten. So kann sich z.B. ein bestimmtes Verhalten, das erst im Spätstadium der Erkrankung beschrieben wird, bereits im mittleren Stadium zeigen. Außerdem sollten die Betreuer wissen, daß in allen Stadien auch immer wieder kurze normale Phasen zu beobachten sind.
Frühes Stadium
Das frühe Stadium wird häufig übersehen und fälschlicherweise manchmal mit dem Begriff Senilität umschrieben bzw. auch als ein normaler Teil des Alterungsprozesses betrachtet. Da die Symptomatik erst nach längerer Zeit deutlich in Erscheinung tritt, ist es schwierig, den genauen Zeitpunkt des Krankheitsbeginns im nachhinein herauszufinden.
Im frühen Stadium können folgende Anzeichen der Alzheimer-Krankheit bemerkt werden:
Mittleres Stadium
Mit dem Fortschreiten der Krankheit werden die Probleme auffallender und behindern den Alzheimer - Patienten zunehmend. Der Kranke hat bereits Schwierigkeiten bei alltäglichen Verrichtungen und
Spätes Stadium
Dieses Stadium führt in die völlige Abhängigkeit und Inaktivität des Patienten. Die Gedächtnisstörungen sind stark ausgeprägt, und auch der körperliche Verfall des Patienten im Zusammenhang mit der Krankheit wird sichtbar.

Der Kranke kann

Was ist die Ursache der Alzheimer-Krankheit?

Zur Zeit ist die Ursache der Alzheimer-Krankheit noch unbekannt. Fest steht jedoch, wodurch die Alzheimer-Krankheit nicht verursacht wird, nämlich

Weshalb ist die Diagnose so wichtig?

Eine frühe Diagnosestellung ist sehr hilfreich für den Betreuer, da er sich besser auf die Erkrankung einstellen kann und somit schon rechtzeitig weiß, was auf ihn zukommen kann. Die Diagnose ist der erste Schritt in Richtung Zukunftsplanung.
Es gibt keinen einfachen Schnelltest, um die Diagnose Alzheimer sofort und mit Sicherheit stellen zu können. Zur Diagnostik gehört die sorgfältige Abklärung des bisherigen Krankheitsverlaufs (seit dem Auftreten der ersten Symptome) mit Hilfe eines nahen Angehörigen oder Freundes und schließlich die genaue Untersuchung des derzeitigen körperlichen und geistigen Zustandes des Patienten. Es ist wichtig, andere Krankheiten oder Ursachen, die ebenfalls zu Gedächtnisstörungen führen können, auszuschließen, wie z.B. Vergiftungen, Infektionen, vasculäre Demenz , Stoffwechselstörungen, Verstopfung etc. Mit endgültiger Sicherheit kann die Alzheimer-Krankheit allerdings erst nach dem Tod des Patienten durch eine Untersuchung des Gehirns festgestellt werden.

Kann die Alzheimer-Krankheit wirksam behandelt werden?

Zur Zeit gibt es noch keine medikamentöse Therapie, die eine Heilung der Krankheit möglich macht. Doch es gibt sehr vieles, das für den Alzheimer - Patienten getan werden kann, um seine Situation und die des Betreuers zu verbessern. Informationen über unterstützende Maßnahmen erhalten Sie bei Ihrem Arzt oder bei der ALZHEIMER - ANGEHÖRIGEN - Gruppe.
Die Arzneimittelforschung ist bemüht, weitere Medikamente zu entwickeln, um zumindest die Symptome der Alzheimer - Krankheit lindern zu können. Angehörige sollten vorsichtig sein, wenn so manche Wundermittel angepriesen werden und sollten sich daher bezüglich medikamentöser Therapie immer von Ärzten oder Apothekern beraten lassen.

Vaskuläre Demenz

Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Ursache einer Demenz. Ebenfalls häufig treten vaskulär bedingte Demenzformen auf. Diese entstehen dann, wenn die Blutzufuhr zu bestimmten Gehirn-regionen unzureichend ist, so daß die Gehirnzellen in diesem Bereich absterben (Hirninfarkte, Schlaganfall).

Ursache: Schlaganfälle können durch hohen Blutdruck ausgelöst werden, so daß Blutgefäße im Gehirn platzen können. Aber auch Blutgerinnsel, die Gefäße verstopfen, können die Blutzufuhr einschränken.

Symptome: Die Symptome können ganz plötzlich oder erst allmählich in Erscheinung treten. Als erstes Anzeichen wird im allgemeinen ein Verlust des Kurzzeitgedächtnisses bemerkt. Schließlich gehen mehr und mehr Fähigkeiten verloren, je häufiger die kleinen Schlaganfälle auftreten. Typischerweise erfolgt das Fortschreiten der Krankheit stufenweise - die geistigen Leistungen verschlechtern sich, stabilisieren sich wieder oder werden sogar für einige Zeit besser, um sich dann wieder zu verschlechtern. Episoden mit akuter Verwirrtheit sind sehr häufig. In frühen Krankheitsstadien nimmt der Patient seine Defizite eher wahr, als es bei den Alzheimer-Patienten der Fall ist. Die Persönlichkeit scheint länger intakt zu bleiben.

Diagnose: Die Diagnose wird durch eine sorgfältige Abklärung der Krankengeschichte und die Untersuchung des körperlichen und geistigen Zustandes des Patienten gestellt.

Behandlung: Es gibt keine Therapie, die eine vaskuläre Demenz heilen kann. Es ist jedoch möglich, die Blutdruckwerte zu normalisieren, sei es durch Diät, körperliches Training und/oder durch Medikamente, so daß einem Schlaganfall vorgebeugt werden kann.

Andere Demenzursachen

Es gibt noch andere seltenere Formen von Demenz, die ebenfalls behandelbar sind. Diesbezügliche Informationen erhalten Sie bei Bedarf von Ihrem Arzt.

Das Zusammenleben mit einem Alzheimer-Patienten und für ihn sorgen

Die Betreuung und Pflege kann zeitweise sehr schwierig werden, dennoch gibt es Möglichkeiten, mit der Situation fertigzuwerden. Hier finden Sie einige Tips, die schon anderen Betreuern geholfen haben:

Setzen Sie Routinehandlungen, aber versuchen Sie Gewohntes beizubehalten
Durch Routine können Sie wieder Ordnung und System in Ihr Alltagsleben bringen. Entscheidungen, die Sie sonst tagtäglich aufs Neue treffen müssen, können so deutlich reduziert werden. Routinehandlungen können auch dem Alzheimer - Kranken mehr Sicherheit geben. Obwohl Routine sehr hilfreich sein kann, ist es wichtig, gewohnte Dinge möglichst beizubehalten. Soweit es die geänderten Umstände erlauben, versuchen Sie, dem Patienten so zu begegnen, wie Sie es vor seiner Erkrankung getan haben.

Fördern Sie die Unabhängigkeit des Patienten
Es ist unbedingt darauf zu achten, daß der Kranke so lange wie möglich alleine zurechtkommt und unabhängig bleibt. Dies hilft ihm, sein Selbstwertgefühl aufrechtzuerhalten und andererseits verringert es Ihre Belastung.

Helfen Sie dem Kranken, seine Würde zu bewahren
Bedenken Sie, daß die Person, für die Sie sorgen müssen, ein Mensch ist, der noch Gefühle hat. Was Sie und andere Leute sagen oder tun, kann er nach wie vor fühlen und manches könnte ihn verunsichern.Vermeiden Sie deshalb,in seiner Gegenwart über ihn oder seinen Zustand zu sprechen.

Vermeiden Sie Auseinandersetzungen
Jede Art von Konflikt führt sowohl bei Ihnen als auch beim Kranken zu unnötigen Belastungen. Schenken Sie einem Fehlverhalten seinerseits oder anderen Mißerfolgen keine Beachtung und bleiben Sie immer möglichst ruhig. Aufregung kann die Situation nur verschlimmern. Denken Sie daran: Es ist die Krankheit, und nicht die Schuld des Patienten.

Stellen Sie keine zu hohen Anforderungen
Versuchen Sie, alles so einfach wie möglich für den Alzheimer-Patienten zu gestalten. Bieten Sie ihm nicht zu viele Wahlmöglichkeiten an.

Erhalten Sie sich den Sinn für Humor
Lachen Sie mit dem Alzheimer-Patienten, aber nicht über ihn. Humor hilft Ihnen, Ihre Belastungen besser zu bewältigen.

Sicherheit hat Vorrang
Durch den Verlust des Erinnerungsvermögens sowie infolge der Orientierungsprobleme und der reduzierten körperlichen Koordinationsfähigkeiten ist der Patient einer erhöhten Unfallgefahr ausgesetzt. Sie sollten deshalb Ihr Heim so sicher wie möglich gestalten und sämtliche Gefahrenquellen entweder entfernen oder entsprechend absichern.

Fördern Sie Fitness und Gesundheit
Bewegung und regelmäßiges Training können in vielen Fällen die verbliebenen körperlichen und gei-stigen Fähigkeiten für eine gewisse Zeit aufrechterhalten. Geeignete Übungen hängen jedoch von der individuellen Verfassung jedes einzelnen Patienten ab. Fragen Sie daher Ihren Arzt um Rat.

Versuchen Sie, aus den noch vorhandenen Fähigkeiten des Patienten das Beste zu machen
Gezielte Aktivitäten können dazu beitragen, das Selbstwertgefühl und die Würde des Kranken zu erhalten und seinem Leben noch Sinn und Zweck zu geben. Jemand, der früher den Haushalt führte, Gärtner, Gewerbetreibender oder Geschäftsführer war, wird Freude empfinden, wenn seine beruflichen Fähigkeiten noch eingesetzt werden können. Man sollte jedoch daran denken, daß die Krankheit fortschreitet und sich die Vorlieben und Abneigungen, aber auch die Fähigkeiten mit der Zeit verändern können. Das erfordert von Ihnen, als Betreuer, daß Sie den Patienten gut beobachten und bei der Planung der Aktivitäten flexibel sind.

Halten Sie die Kommunikation mit dem Patienten aufrecht
Im Verlauf der Krankheit kann die Kommunikation zwischen Ihnen und dem Patienten zunehmend schwieriger werden. Folgende Tips können Ihnen helfen, die Kommunikation noch möglichst lange aufrechtzuerhalten: