DIE ALZHEIMER KRANKHEIT
Dieses Merkblatt möchte Angehörigen von Alzheimer-Patienten sowie der allgemeinen Öffentlichkeit Informationen über die Alzheimer-Krankheit und über andere dementielle Erkrankungen in einfacher und verständlicher Form vermitteln. Es enthält nützliche und konkrete Hinweise, wie man mit der Krankheit umgehen soll, wie Selbsthilfe und gegenseitige Unterstützung für Familien mit einem betroffenen Angehörigen organisiert werden können.
Das Merkblatt wurde in gemeinsamer Arbeit mit Alzheimer-Angehörigen und Fachleuten zusammengestellt und von der internationalen Alzheimer - Vereinigung (ADI) und der WHO anläßlich des 10-jährigen Jubiläums der internationalen Alzheimervereinigung im September 1994 herausgegeben. Die österreichische Selbsthilfegruppe ALZHEIMER ANGEHÖRIGE AUSTRIA stellt die vorliegende Information gemeinsam mit der Novartis Pharma GmbH Wien allen, die mit der Betreuung und Pflege von Alzheimer - Patienten zu tun haben, kostenlos zur Verfügung.
Wien, im Mai 1996
Einleitung
Mit dieser Broschüre soll vor allem jenen Menschen geholfen werden, welche einen Patienten mit Alzheimer - Krankheit oder einer ähnlichen dementiellen Erkrankung betreuen. Es werden Ihnen Informationen geboten, die Sie bei Ihrer herausfordernden Aufgabe unterstützen können. Der Einfachheit halber wird der Begriff Alzheimer in diesem Text generell für alle Formen der Demenz verwendet. Nur gut informierte Betreuer können sowohl ihre eigene Lebensqualität verbessern, als auch diejenige des Alzheimer-Patienten.
Dieses Merkblatt befaßt sich mit folgenden Themen:- Allgemeine Informationen über die Alzheimer-Krankheit
- Das Zusammenleben mit einem Alzheimer-Patienten und für ihn sorgen
- Praktische Tips für die Betreuung und Pflege eines Alzheimer-Patienten
- Die persönliche und emotionale Belastung für den Betreuer
- Der Betreuer sollte auch auf sich selbst schauen
- Hilfe, die Sie als Betreuer brauchen
- Die ALZHEIMER-ANGEHÖRIGEN-Gruppe, eine Stelle, wo Sie Hilfe finden
Allgemeine Informationen über die Alzheimer-Krankheit
Was versteht man unter Demenz ?
Eine Demenz tritt infolge eines Krankheitsprozesses auf. Die Diagnose einer dementiellen Erkrankung (Alzheimer oder eine verwandte Krankheit) wird dann gestellt, wenn der Patient deutliche Zeichen verminderter Gedächtnisleistung, eingeschränkter Denkmöglichkeiten und Störungen in seinem Verhalten aufweist. Die ersten Anzeichen, welche der Familie auffallen, betreffen meist die Vergeßlichkeit, (besonders bei der Erinnerung an kurz zurückliegende Ereignisse) sowie die Schwierigkeiten des Patienten, einfache, vertraute Handlungen auszuführen. Außerdem können Verwirrtheit, Persönlichkeitsveränderungen, Verhaltensänderungen, beeinträchtigte Urteilsfähigkeit, Wortfindungsstörungen, Gedankenabbrüche und Orientierungsschwierigkeiten auftreten. Die Alzheimer - Krankheit ist die häufigste Ursache der Demenz. Was versteht man unter der Alzheimerkrankheit ?
Die Alzheimer - Krankheit befällt jene Teile des Gehirns, welche für die Denkfähigkeit, das Gedächtnis und die Sprache verantwortlich sind. Die Erkrankung beginnt ganz allmählich und auch die Verschlechterung des Zustandes geht meist langsam vor sich. Bis jetzt ist die Ursache der Krankheit unbekannt und es gibt auch noch keine Heilung. Die Alzheimer - Krankheit ist nach Dr. Alois Alzheimer benannt, einem Arzt, der bereits 1906 Veränderungen im Hirngewebe einer Patientin beschrieb, die an einer ungewöhnlichen Hirnkrankheit verstorben war. Diese Veränderungen werden mittlerweile als charakteristisch für die Alzheimer - Krankheit angesehen. Die Erkrankung erfaßt alle Schichten der Gesellschaft, ist unabhängig vom Geschlecht, von der ethnischen Zugehörigkeit oder der geographischen Lage. Obwohl die Alzheimer - Krankheit häufiger bei älteren Personen auftritt, können manchmal auch jüngere Menschen bereits betroffen sein. Welche Symptome treten bei der Alzheimer-Krankheit auf ?
Die Alzheimer-Krankheit äußert sich bei jedem Patienten auf andere Art und Weise. Das Erscheinungsbild hängt weitgehend davon ab, wie sich der Patient vor Ausbruch der Krankheit verhalten hat, von seiner Persönlichkeit, von seinem Lebensstil und auch davon, in welcher allgemeinen körperlichen Verfassung er sich befand.
Die Symptome der Alzheimer-Krankheit können am besten im Zusammenhang mit dem Fortschreiten der Erkrankung, die man in drei Stadien einteilen kann, erklärt werden. Man unterscheidet ein frühes, ein mittleres und ein spätes Stadium. Wie bereits erwähnt, wird nicht jeder Alzheimer-Patient alle der angeführten Symptome zeigen. Auch sind die einzelnen Symptome von Person zu Person sehr unterschiedlich ausgeprägt. Die Stadieneinteilung ermöglicht es dem Betreuer, sich mit dem Fortschreiten der Alzheimer-Krankheit vertraut zu machen. So kann er sich auf möglicherweise auf ihn zukommende Probleme rechtzeitig einstellen und entsprechende Schritte für die zukünftige Betreuung zeitgerecht planen. Kein Patient wird das Fortschreiten der Erkrankung genauso erleben wie ein anderer.
Einige Symptome können in jedem Stadium auftreten. So kann sich z.B. ein bestimmtes Verhalten, das erst im Spätstadium der Erkrankung beschrieben wird, bereits im mittleren Stadium zeigen. Außerdem sollten die Betreuer wissen, daß in allen Stadien auch immer wieder kurze normale Phasen zu beobachten sind. Frühes Stadium
Das frühe Stadium wird häufig übersehen und fälschlicherweise manchmal mit dem Begriff Senilität umschrieben bzw. auch als ein normaler Teil des Alterungsprozesses betrachtet. Da die Symptomatik erst nach längerer Zeit deutlich in Erscheinung tritt, ist es schwierig, den genauen Zeitpunkt des Krankheitsbeginns im nachhinein herauszufinden.
Im frühen Stadium können folgende Anzeichen der Alzheimer-Krankheit bemerkt werden:
- Schwierigkeiten beim Sprechen (Wortfindung, Ausdrucksfähigkeit)
- Deutliche Beeinträchtigung des Gedächtnisses, vor allem des
Kurzzeitgedächtnisses- Probleme mit dem Zeitgefühl
- Orientierungsprobleme (sich in vertrauter Umgebung verirren)
- Schwierigkeiten beim Treffen von Entscheidungen
- Fehlende Initiative oder Motivation
- Anzeichen von Depression oder Aggression
- Kein Interesse mehr an Hobbys oder Alltagsaktivitäten
Mittleres Stadium
Mit dem Fortschreiten der Krankheit werden die Probleme auffallender und behindern den Alzheimer - Patienten zunehmend. Der Kranke hat bereits Schwierigkeiten bei alltäglichen Verrichtungen und
- kann sehr vergeßlich worden, vor allem wenn es Ereignisse und Namen aus der unmittelbaren Vergangenheit betrifft
- ist nicht mehr in der Lage, ohne Schwierigkeiten allein zu leben
- kann nicht mehr selbst kochen, putzen oder einkaufen
- wird äußerst abhängig von anderen Personen
- braucht Hilfe beim Anziehen, Waschen und beim Toilettegang
- hat zunehmende Schwierigkeiten mit der Sprache
- leidet am sogenannten „Wandertrieb“ und an anderen Verhaltensstörungen
- verirrt sich zu Hause oder in ihm bekannten Gegenden
- kann Halluzinationen und Wahnvorstellungen erleben
Spätes Stadium
Dieses Stadium führt in die völlige Abhängigkeit und Inaktivität des Patienten. Die Gedächtnisstörungen sind stark ausgeprägt, und auch der körperliche Verfall des Patienten im Zusammenhang mit der Krankheit wird sichtbar.
Der Kranke kann
- Schwierigkeiten beim Essen haben
- Angehörige, Freunde und vertraute Dinge nicht mehr erkennen
- Schwierigkeiten haben, Ereignisse zu verstehen und richtig zu deuten
- sich daheim nicht mehr zurechtfinden
- Schwierigkeiten beim Gehen haben
- an Blasen- und Darminkontinenz leiden
- sich in der Öffentlichkeit auffällig benehmen
- an den Rollstuhl oder das Bett gebunden sein
Was ist die Ursache der Alzheimer-Krankheit?
Zur Zeit ist die Ursache der Alzheimer-Krankheit noch unbekannt. Fest steht jedoch, wodurch die Alzheimer-Krankheit nicht verursacht wird, nämlich
- nicht durch Arterienverkalkung
- nicht durch Über- oder Unterforderung des Gehirns
- nicht durch sexuell übertragbare Krankheiten
- nicht durch Infektionen
- nicht durch hohes Alter (die Alzheimer-Krankheit gehört nicht zum normalen Alterungsprozeß)
- nicht durch Aluminium oder andere Metalle
Weshalb ist die Diagnose so wichtig?
Eine frühe Diagnosestellung ist sehr hilfreich für den Betreuer, da er sich besser auf die Erkrankung einstellen kann und somit schon rechtzeitig weiß, was auf ihn zukommen kann. Die Diagnose ist der erste Schritt in Richtung Zukunftsplanung.
Es gibt keinen einfachen Schnelltest, um die Diagnose Alzheimer sofort und mit Sicherheit stellen zu können. Zur Diagnostik gehört die sorgfältige Abklärung des bisherigen Krankheitsverlaufs (seit dem Auftreten der ersten Symptome) mit Hilfe eines nahen Angehörigen oder Freundes und schließlich die genaue Untersuchung des derzeitigen körperlichen und geistigen Zustandes des Patienten. Es ist wichtig, andere Krankheiten oder Ursachen, die ebenfalls zu Gedächtnisstörungen führen können, auszuschließen, wie z.B. Vergiftungen, Infektionen, vasculäre Demenz , Stoffwechselstörungen, Verstopfung etc. Mit endgültiger Sicherheit kann die Alzheimer-Krankheit allerdings erst nach dem Tod des Patienten durch eine Untersuchung des Gehirns festgestellt werden. Kann die Alzheimer-Krankheit wirksam behandelt werden?
Zur Zeit gibt es noch keine medikamentöse Therapie, die eine Heilung der Krankheit möglich macht. Doch es gibt sehr vieles, das für den Alzheimer - Patienten getan werden kann, um seine Situation und die des Betreuers zu verbessern. Informationen über unterstützende Maßnahmen erhalten Sie bei Ihrem Arzt oder bei der ALZHEIMER - ANGEHÖRIGEN - Gruppe.
Die Arzneimittelforschung ist bemüht, weitere Medikamente zu entwickeln, um zumindest die Symptome der Alzheimer - Krankheit lindern zu können. Angehörige sollten vorsichtig sein, wenn so manche Wundermittel angepriesen werden und sollten sich daher bezüglich medikamentöser Therapie immer von Ärzten oder Apothekern beraten lassen. Vaskuläre Demenz
Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Ursache einer Demenz. Ebenfalls häufig treten vaskulär bedingte Demenzformen auf. Diese entstehen dann, wenn die Blutzufuhr zu bestimmten Gehirn-regionen unzureichend ist, so daß die Gehirnzellen in diesem Bereich absterben (Hirninfarkte, Schlaganfall).
Ursache: Schlaganfälle können durch hohen Blutdruck ausgelöst werden, so daß Blutgefäße im Gehirn platzen können. Aber auch Blutgerinnsel, die Gefäße verstopfen, können die Blutzufuhr einschränken.
Symptome: Die Symptome können ganz plötzlich oder erst allmählich in Erscheinung treten. Als erstes Anzeichen wird im allgemeinen ein Verlust des Kurzzeitgedächtnisses bemerkt. Schließlich gehen mehr und mehr Fähigkeiten verloren, je häufiger die kleinen Schlaganfälle auftreten. Typischerweise erfolgt das Fortschreiten der Krankheit stufenweise - die geistigen Leistungen verschlechtern sich, stabilisieren sich wieder oder werden sogar für einige Zeit besser, um sich dann wieder zu verschlechtern. Episoden mit akuter Verwirrtheit sind sehr häufig. In frühen Krankheitsstadien nimmt der Patient seine Defizite eher wahr, als es bei den Alzheimer-Patienten der Fall ist. Die Persönlichkeit scheint länger intakt zu bleiben.
Diagnose: Die Diagnose wird durch eine sorgfältige Abklärung der Krankengeschichte und die Untersuchung des körperlichen und geistigen Zustandes des Patienten gestellt.
Behandlung: Es gibt keine Therapie, die eine vaskuläre Demenz heilen kann. Es ist jedoch möglich, die Blutdruckwerte zu normalisieren, sei es durch Diät, körperliches Training und/oder durch Medikamente, so daß einem Schlaganfall vorgebeugt werden kann.
Andere Demenzursachen
Es gibt noch andere seltenere Formen von Demenz, die ebenfalls behandelbar sind. Diesbezügliche Informationen erhalten Sie bei Bedarf von Ihrem Arzt.
Das Zusammenleben mit einem Alzheimer-Patienten und für ihn sorgen
Die Betreuung und Pflege kann zeitweise sehr schwierig werden, dennoch gibt es Möglichkeiten, mit der Situation fertigzuwerden. Hier finden Sie einige Tips, die schon anderen Betreuern geholfen haben:
Setzen Sie Routinehandlungen, aber versuchen Sie Gewohntes beizubehalten
Durch Routine können Sie wieder Ordnung und System in Ihr Alltagsleben bringen. Entscheidungen, die Sie sonst tagtäglich aufs Neue treffen müssen, können so deutlich reduziert werden. Routinehandlungen können auch dem Alzheimer - Kranken mehr Sicherheit geben. Obwohl Routine sehr hilfreich sein kann, ist es wichtig, gewohnte Dinge möglichst beizubehalten. Soweit es die geänderten Umstände erlauben, versuchen Sie, dem Patienten so zu begegnen, wie Sie es vor seiner Erkrankung getan haben.
Fördern Sie die Unabhängigkeit des Patienten
Es ist unbedingt darauf zu achten, daß der Kranke so lange wie möglich alleine zurechtkommt und unabhängig bleibt. Dies hilft ihm, sein Selbstwertgefühl aufrechtzuerhalten und andererseits verringert es Ihre Belastung.
Helfen Sie dem Kranken, seine Würde zu bewahren
Bedenken Sie, daß die Person, für die Sie sorgen müssen, ein Mensch ist, der noch Gefühle hat. Was Sie und andere Leute sagen oder tun, kann er nach wie vor fühlen und manches könnte ihn verunsichern.Vermeiden Sie deshalb,in seiner Gegenwart über ihn oder seinen Zustand zu sprechen.
Vermeiden Sie Auseinandersetzungen
Jede Art von Konflikt führt sowohl bei Ihnen als auch beim Kranken zu unnötigen Belastungen. Schenken Sie einem Fehlverhalten seinerseits oder anderen Mißerfolgen keine Beachtung und bleiben Sie immer möglichst ruhig. Aufregung kann die Situation nur verschlimmern. Denken Sie daran: Es ist die Krankheit, und nicht die Schuld des Patienten.
Stellen Sie keine zu hohen Anforderungen
Versuchen Sie, alles so einfach wie möglich für den Alzheimer-Patienten zu gestalten. Bieten Sie ihm nicht zu viele Wahlmöglichkeiten an.
Erhalten Sie sich den Sinn für Humor
Lachen Sie mit dem Alzheimer-Patienten, aber nicht über ihn. Humor hilft Ihnen, Ihre Belastungen besser zu bewältigen.
Sicherheit hat Vorrang
Durch den Verlust des Erinnerungsvermögens sowie infolge der Orientierungsprobleme und der reduzierten körperlichen Koordinationsfähigkeiten ist der Patient einer erhöhten Unfallgefahr ausgesetzt. Sie sollten deshalb Ihr Heim so sicher wie möglich gestalten und sämtliche Gefahrenquellen entweder entfernen oder entsprechend absichern.
Fördern Sie Fitness und Gesundheit
Bewegung und regelmäßiges Training können in vielen Fällen die verbliebenen körperlichen und gei-stigen Fähigkeiten für eine gewisse Zeit aufrechterhalten. Geeignete Übungen hängen jedoch von der individuellen Verfassung jedes einzelnen Patienten ab. Fragen Sie daher Ihren Arzt um Rat.
Versuchen Sie, aus den noch vorhandenen Fähigkeiten des Patienten das Beste zu machen
Gezielte Aktivitäten können dazu beitragen, das Selbstwertgefühl und die Würde des Kranken zu erhalten und seinem Leben noch Sinn und Zweck zu geben. Jemand, der früher den Haushalt führte, Gärtner, Gewerbetreibender oder Geschäftsführer war, wird Freude empfinden, wenn seine beruflichen Fähigkeiten noch eingesetzt werden können. Man sollte jedoch daran denken, daß die Krankheit fortschreitet und sich die Vorlieben und Abneigungen, aber auch die Fähigkeiten mit der Zeit verändern können. Das erfordert von Ihnen, als Betreuer, daß Sie den Patienten gut beobachten und bei der Planung der Aktivitäten flexibel sind.
Halten Sie die Kommunikation mit dem Patienten aufrecht
Im Verlauf der Krankheit kann die Kommunikation zwischen Ihnen und dem Patienten zunehmend schwieriger werden. Folgende Tips können Ihnen helfen, die Kommunikation noch möglichst lange aufrechtzuerhalten:
- Vergewissern Sie sich, daß die Sinnesfunktionen des Kranken (wie Hören und Sehen) in Ordnung sind.
- Lassen Sie Brillen und Hörapparate kontrollieren und gegebenenfalls neu anpassen.
- Sprechen Sie laut und deutlich und sehen Sie den Patienten dabei an. Begeben Sie sich möglichst auf gleiche Augenhöhe mit dem Patienten.
- Zeigen Sie Liebe und Wärme durch Berührungen und Umarmungen - soweit es dem Patienten angenehm erscheint.
- Achten Sie auf die Körpersprache des Kranken. Patienten, deren. Sprechfähigkeit eingeschränkt ist, kommunizieren vermehrt mit nicht verbalen Methoden.
- Achten Sie auf Ihre eigene Körpersprache.
- Finden Sie heraus, welche Kombinationen von Gesten und Worten, welche Formen der Darstellung, des Hinzeigens oder Vormachens notwendig sind, damit eine brauchbare Kommunikationsbasis mit dem Kranken hergestellt wird.
- Bevor Sie zu sprechen beginnen, vergewissern Sie sich, daß der Kranke aufmerksam und bereit dazu ist, Ihnen auch wirklich zuzuhören.
Benützen Sie Gedächtnisstützen
In den ersten Stadien der Alzheimer-Krankheit kann das Erinnerungsvermögen des Patienten durch Verwendung von Orientierungshilfen soweit unterstützt werden, daß es zu keiner Verwirrung kommt.
Dazu einige Beispiele:
- Beschriften Sie große Fotos der Verwandten oder Freunde deutlich mit deren Namen; so kann der Patient die Namen leichter mit diesen Personen in Verbindung bringen.
- Kennzeichnen Sie auch Türen oder Kästen - entweder durch Worte in verschiedenen leuchtenden Farben oder mit entsprechenden Bildern.
In späteren Stadien der Alzheimer-Krankheit bringen diese Orientierungshilfen allerdings nur noch wenig Erfolg. Praktische Tips für die Betreuung und Pflege eines Alzheimer-Patienten
Die folgenden Ratschläge stammen von Erfahrungen, die Angehörige und Betreuer von Alzheimer-Patienten selbst gemacht haben. Vielleicht fällt es Ihnen manchmal schwer, diese zu befolgen. Deshalb denken Sie daran: Nobody is perfect - Niemand ist vollkommen. Auch Sie als Betreuer können nicht mehr tun als Ihr Bestes zu geben. Baden und körperliche Hygiene
Der Alzheimer-Kranke kann völlig darauf vergessen, zu baden oder sich zu waschen. Möglicherweise erkennt er auch gar nicht die Notwendigkeit oder er weiß nicht mehr, wie man es macht. In solchen Situationen ist es sehr wichtig, die Würde des Patienten nicht zu verletzen, wenn man ihm Hilfe anbietet.
Vorschläge:
- Falls möglich, sollten die routinemäßigen Waschgewohnheiten des Patienten von früher beibehalten werden.
- Versuchen Sie zu erreichen, daß der Kranke das Baden als angenehm und entspannend erlebt und sich dabei wohlfühlt.
- Duschen kann manchmal einfacher erscheinen als ein Bad in der Wanne; wenn der Patient jedoch auch früher nicht gewohnt war zu duschen, könnte er nun erschrecken und die Dusche ablehnen.
- Vereinfachen Sie die Körperpflege soweit wie möglich.
- Verweigert der Patient das Baden überhaupt, dann versuchen Sie es ein bißchen später - wenn sich seine Stimmung geändert hat - noch einmal.
- Lassen Sie den Patienten so viel wie möglich selber machen.
- Wenn die Situation dem Kranken peinlich ist oder er sich geniert, bestehen Sie nicht darauf, daß er vollkommen nackt baden muß.
- Achten Sie auch beim Baden auf die Sicherheit: Haltegriffe, rutschfeste Matten oder ein zusätzlicher Sessel können eine große Hilfe sein.
- Falls das Baden immer wieder zu Konflikten führt, kommen Sie vielleicht mit dem Waschen beim Waschbecken besser zurecht.
- Sollten jedoch ständig Probleme beim Waschen auftreten, dann bitten Sie einmal eine andere Person, dies zu übernehmen.
Kleidung
Der Alzheimer-Kranke vergißt oft, wie man sich ankleidet und sieht die Notwendigkeit, Kleider zu wechseln, nicht ein oder er erscheint mit unpassender Kleidung in der Öffentlichkeit.
Vorschläge:
- Legen Sie die Kleidungsstücke für den Patienten in der richtigen Reihenfolge bereit, so wie sie dann angezogen werden sollen.
- Vermeiden Sie Kleidung mit komplizierten Verschlüssen.
- Ermutigen Sie den Patienten, sich so lange wie möglich selbständig anzuziehen.
- Falls nötig, wiederholen Sie einzelne Schritte.
- Besorgen Sie für den Patienten Schuhe mit rutschfesten Gummisohlen.
Gang zur Toilette und Inkontinenz
Der Alzheimer-Kranke kann die Fähigkeit verlieren, zu spüren, wann er auf die Toilette gehen müßte. Er kann aber auch vergessen, wo die Toilette ist oder nicht mehr wissen, was man dort tut.
Vorschläge:
- Erstellen Sie einen Zeitplan, in welchem Sie fixe Zeiten für den Toilettegang vorsehen.
- Beschriften Sie die Toiletten-Tür mit großen Buchstaben und in auffallenden Farben.
- Lassen Sie die Tür zur Toilette geöffnet, damit sie leichter zu finden ist.
- Achten Sie darauf, daß die Kleidung leicht entfernt werden kann
- Schränken Sie die Flüssigkeitszufuhr abends vor dem Schlafengehen ein.
- In der Nacht kann ein Nachttopf oder ein „Zimmerklo“ in der Nähe des Bettes sehr hilfreich sein.
- Lassen Sie sich bei Problemen auch von Fachleuten beraten.
Kochen
Im späteren Verlauf der Alzheimer-Krankheit wird der Patient nicht mehr im Stande sein, selbst zu kochen. Vor allem wenn der Patient alleine lebt, kann Kochen zu einem großen Problem mit erhöhtem Unfallrisiko werden. Da die Fähigkeit, Bewegungen zu koordinieren, eingeschränkt ist, können Verbrennungen und Verletzungen die Folge sein. Außerdem sollte an die Brandgefahr gedacht werden, die durch das Vergessen von Töpfen auf der heißen Herdplatte bzw. beim Gasanzünden entstehen kann.
Vorschläge:
- Stellen Sie fest, ob und wie gut die Person die Tätigkeiten in der Küche noch selbst verrichten kann.
- Versuchen Sie, gemeinsam mit dem Patienten zu kochen und teilen Sie sich die Küchenarbeit.
- Treffen Sie Sicherheitsvorkehrungen.
- Entfernen Sie scharfe und spitze Gegenstände und Geräte, die möglicherweise für den Patienten gefährlich werden könnten (z.B. Handmixer, Brotschneidemaschinen etc.).
Vielleicht können Sie Mahlzeiten vorbereiten oder manchmal ein Fertigmenü vorschlagen. Achten Sie aber darauf, daß der Patient genügend vollwertige Nahrung zu sich nimmt und sich nicht einseitig ernährt. Sollte sich der Patient nicht mehr selbst versorgen können, kann auch ein Essensdienst (z.B. „Essen auf Rädern“) in Anspruch genommen werden. Essen
Alzheimer-Patienten vergessen oft, ob sie schon gegessen haben, oder wissen nicht mehr, wie sie das Besteck gebrauchen sollen.
Vorschläge:
- Erinnern Sie den Patienten, wie man Messer und Gabel richtig benützt.
- Bieten Sie auch Mahlzeiten an, die man mit den Fingern essen kann.
- Schneiden Sie alles in kleine Stücke, damit sich der Patient nicht so leicht verschluckt.
- In späteren Stadien kann es notwendig werden, die gesamte Nahrung zu zerkleinern oder zu pürieren.
- Erinnern Sie den Patienten daran, langsam zu essen.
- Bedenken Sie auch, daß der Patient möglicherweise nicht in der Lage ist, heiß oder kalt zu spüren und sich daher an heißem Essen ebenso wie an heißen Getränken den Mund verbrennen könnte.
- Wenn der Kranke Schwierigkeiten beim Schlucken hat, fragen Sie Ihren Arzt, wie man den Schluckvorgang stimulieren kann.
Autofahren
Es könnte für einen Alzheimer-Patienten sehr gefährlich sein, Auto zu fahren, denn oft ist sein Ur-teilsvermögen beeinträchtigt und die Reaktionen sind verlangsamt.
Vorschläge:
- Besprechen Sie das Problem vorsichtig mit dem Kranken.
- Schlagen Sie vor, die öffentlichen Verkehrsmittel zu benützen.
- Wenn Sie den Patienten nicht vom Autofahren abhalten können, kann es notwendig werden, mit dem Arzt darüber zu sprechen oder sich mit dem Verkehrsamt in Verbindung zu setzen.
Alkohol und Zigaretten
Alkohol in mäßigen Mengen kann durchaus gestattet werden, wenn es im Zusammenhang mit der Medikamenteneinnahme keine Probleme gibt. Zigaretten stellen jedoch eine höhere Gefährdung dar - sowohl wegen der Feuergefahr als auch wegen der möglichen schädlichen Folgen des Rauchens.
Vorschläge: - Überwachen Sie den Patienten besonders sorgfältig, wenn er raucht. Vielleicht gelingt es, das Rauchen überhaupt aufzugeben (eventuell mit ärztlicher Hilfe).
- Überprüfen Sie am besten zusammen mit Ihrem Arzt die Verträglichkeit der einzunehmenden Medikamente in Verbindung mit Alkohol.
Schlafprobleme
Alzheimer-Kranke können nachts ruhelos sein und dadurch die Familie empfindlich stören. Dies ist auch einer der häufigsten Gründe für die völlige Erschöpfung der betreuenden Angehörigen.
Vorschläge:
- Versuchen Sie, den Patienten tagsüber vom Schlafen abzuhalten.
- Machen Sie lange Spaziergänge mit dem Patienten und sorgen Sie dafür, daß er sich tagsüber ausreichend bewegt.
- Bemühen Sie sich, daß sich der Kranke zur Schlafenszeit so wohl wie möglich fühlt.
Verhaltenssituationen, die sich ständig wiederholen
Ein Alzheimer-Kranker kann von einem Moment zum anderen vergessen, was er gerade gesagt hat und immer wieder die gleichen Fragen stellen oder die gleichen Dinge tun.
Vorschläge:
- Versuchen Sie, den Alzheimer-Pationten abzulenken, indem Sie ihm etwas anderes zeigen, ihm etwas zum Zuhören geben oder ihm eine andere Tätigkeit vorschlagen.
- Bei immer wiederkehrenden Fragen schreiben Sie die Antworten groß und deutlich auf ein Blatt Papier.
- Nehmen Sie den Patienten in den Arm und geben Sie ihm Wärme und Sicherheit, wenn ihm dies angenehm ist.
Übertriebene Anhänglichkeit
Der Patient kann von Ihnen außerordentlich abhängig werden und Ihnen überall hin folgen. Das ist nicht nur sehr unangenehm für Sie, sondern auf die Dauer auch unmöglich. Außerdem wird Ihnen damit Ihre gesamte Privatsphäre genommen. Vielleicht ist diese Anhänglichkeit auch auf eine mögliche Angst des Patienten zurückzuführen, daß Sie eventuell nicht mehr zurückkommen könnten, wenn Sie weggehen.
Vorschläge:
- Beschäftigen Sie den Patienten mit Dingen, die ihn interessieren und ihn ablenken, während Sie weggehen.
- Möglicherweise brauchen Sie jemanden, der Ihnen zeitweise die Betreuung abnimmt, damit Sie für ein paar Stunden Ihre private Sphäre pflegen können.
Dinge verlieren und Vorwürfe, bestohlen zu werden
Oft vergessen Alzheimer-Kranke, wo sie die Dinge hingelegt haben. Manchmal werden Sie auch andere beschuldigen, ihnen die fehlenden Sachen gestohlen zu haben. Dieses Verhalten entsteht durch die Unsicherheit und das Gefühl, sich selbst nicht mehr unter Kontrolle zu haben und durch den Verlust des Gedächtnisses.
Vorschläge:
- Versuchen Sie herauszufinden, ob es einen bevorzugten Platz gibt, wo der Kranke Dinge versteckt.
- Halten Sie Ersatz für häufig verlegte Gegenstände bereit, wie z.B. Schlüssel.
- Kontrollieren Sie den Abfallkübel bevor Sie ihn ausleeren bzw. bevor Sie den Abfall zur Entsorgung bringen.
- Antworten Sie auf Beschuldigungen seitens des Patienten sanft und ruhig und verteidigen Sie sich nicht.
- Stimmen Sie dem Patienten zu, daß der Gegenstand verloren gegangen ist, und helfen Sie ihm bei der Suche.
Wahnvorstellungen und Halluzinationen
Nicht selten erlebt ein Alzheimer-Kranker Wahnvorstellungen und Halluzinationen. Eine Wahnvorstellung ist eine fixe Idee, die mit der Realität nicht übereinstimmt. Beispielsweise kann der Patient glauben, daß er von seinem Betreuer bedroht wird. Für den Alzheimer-Patienten ist diese Wahn-vorstellung aber die Realität, die ihm Angst macht. So ist es möglich, daß er verzweifelt versucht, sich vor einer eingebildeten Bedrohung zu schützen.
Wenn der Kranke eine Halluzination erlebt, kann er Dinge sehen oder hören, welche gar nicht existieren; z.B. sieht er Gestalten am Fußende seines Bettes oder er hört Stimmen von Menschen, die im Raum reden.
Vorschläge:
- Versuchen Sie nicht, dem Patienten die Dinge, die er sieht oder hört, auszureden.
- Wenn sich die Person ängstigt, versuchen Sie, ihm Geborgenheit zu vermitteln. Ihre ruhige Stimme oder auch ein sanftes Halten seiner Hand kann ihn wieder beruhigen.
- Lenken Sie den Patienten ab, indem Sie seine Aufmerksamkeit auf etwas lenken, das tatsächlich im Raum vorhanden ist.
- Fragen Sie Ihren Arzt,ob die eingenommenen Medikamente evtl. auslösend oder verstärkend wirken .
Sexualität
Im allgemeinen beeinträchtigt die Alzheimer-Krankheit die sexuellen Beziehungen nicht. Doch es kann sich die Einstellung des Alzheimer-Patienten verändern. Liebevolles Streicheln oder Halten des Patienten kann gegenseitig befriedigend sein und wird Sie spüren lassen, ob die Person weitere Intimitäten wünscht. Es empfiehlt sich, besonders geduldig zu sein. Der Alzheimer-Kranke kann anders reagieren als früher oder er verhält sich so, als hätte er überhaupt das Interesse daran verloren. Für manche Ehepaare ist die sexuelle Intimität aber weiterhin ein befriedigender Teil ihrer Beziehung. Doch auch das Gegenteil kann eintreten: Der Patient kann exzessive sexuelle Wünsche äußern und sich in einer Art und Weise verhalten, die für Sie unangenehm ist. Nun könnten sich bei Ihnen Schuldgefühle entwickeln, weil Sie lieber getrennt schlafen möchten.
Vorschläge:
- Suchen Sie Hilfe bei anderen Betreuern oder bei Fachleuten, denen Sie vertrauen.
- Ihr Arzt oder die ALZHEIMER ANGEHÖRIGEN-Gruppe wird Ihnen mitteilen, welche Fachleute mit spezieller Ausbildung auf diesem Gebiet, z.B. Psychologen, Sozialarbeiter oder andere Beratungsstellen, Ihnen Rat und Hilfe bieten können.
- Haben Sie keine Hemmungen, diese und ähnliche Probleme mit entsprechend ausgebildeten Fachleuten, die Sie verstehen und Ihnen helfen können, zu besprechen.
Aufdringliches sexuelles Verhalten
Ein Alzheimer-Kranker kann ungebührlich anmutende sexuelle Verhaltensweisen zeigen.Dies kommt im allgemeinen jedoch selten vor. Derartige Verhaltensweisen können darin bestehen, sich in der Öffentlichkeit auszuziehen, mit den Genitalien zu spielen oder jemanden in ungebührlicher Weise zu berühren.
Vorschläge:
- Versuchen Sie, auf dieses Verhalten nicht übermäßig zu reagieren. Denken Sie daran, es ist wiederum die Krankheit, die dazu führt.
- Versuchen Sie, die Aufmerksamkeit des Patienten auf etwas anderes zu lenken.
- Wenn sich die Person in der Öffentlichkeit auszieht, versuchen Sie, sie sanft davon abzuhalten und sie abzulenken.
Weglaufen
Dies kann ein schwieriges Problem werden, auf das Sie sich rechtzeitig einstellen müssen. Personen mit Alzheimer-Krankheit irren manchmal im und um das Haus herum oder laufen auch weiter weg. Dabei können sie sich leicht verirren. Sicherheit spielt daher die wesentlichste Rolle, vor allem wenn sich ein Alzheimer-Patient allein in der Öffentlichkeit befindet.
Vorschläge:
Stellen Sie sicher, daß der Kranke immer irgend etwas zu seiner Identifizierung mit sich trägt (Name oder eine Telefonnummer). Sichern Sie Ihr Heim so ab, daß es der Kranke nicht ohne Ihr Wissen verlassen kann. Wenn Sie den vermißten Patienten wieder gefunden haben, vermeiden Sie, Ihren Ärger zu zeigen. Sprechen Sie ruhig, mit Liebe und Verständnis. Halten Sie immer ein aktuelles Foto des Kranken bereit und merken Sie sich, wie der Patient angezogen ist, falls Sie eine Beschreibung abgeben müssen. Gewalt und Aggression
Es ist möglich, daß der Alzheimer-Kranke böse, aggressiv oder gewalttätig wird. Dies kann aus verschiedenen Gründen geschehen, z.B. weil er das Gefühl hat, die sozialen Fähigkeiten und das Urteilsvermögen verloren zu haben oder weil er nicht in der Lage ist, negativen Gefühlen auf andere Weise Ausdruck zu verleihen, oder aber auch, weil er nicht mehr imstande ist, die Aktivitäten der anderen zu verstehen und richtig zu deuten. Aggression ist eines der schwierigsten Probleme im Umgang mit Alzheimer-Patienten.
Vorschläge:
- Versuchen Sie, möglichst ruhig zu bleiben und nicht Angst oder Schrecken zu zeigen.
- Lenken Sie die Aufmerksamkeit des Kranken auf eine beruhigende Tätigkeit.
- Geben Sie der Person mehr Lebensraum.
- Versuchen Sie, die Ursachen für diese Aggressionen zu finden, um in Zukunft diese Situationen bzw. Anlässe vermeiden zu können.
- Wenn die Gewalttätigkeit zu einem häufigen Problem wird, werden Sie Hilfe suchen müssen. Sprechen Sie mit jemandem darüber, der Sie unterstützen kann. Fragen Sie Ihren Arzt um Rat, wie Sie mit der Person umgehen sollen.
Depressionen und Angstzustände
Eine Person mit Alzheimer-Krankheit kann depressiv werden, sich immer mehr zurückziehen und un-glücklich wirken. Sie wird langsam sprechen, denken und handeln. Depressionen können sich auch auf die täglichen Routinetätigkeiten auswirken, aber auch zu Nahrungsverweigerung führen.
Vorschläge:
- Holen Sie sich Rat bei Ihrem Arzt, bei einem Psychologen oder Psychiater.
- Versuchen Sie, dem Patienten mit möglichst viel Liebe und Verständnis zu begegnen.
- Seien Sie geduldig und erwarten Sie nicht, daß die Depression sofort wieder verschwindet.
Die persönliche und emotionale Belastung für den Betreuer
Die Alzheimer-Krankheit betrifft nicht nur die Person, die krank wird, sondern die ganze Familie. Die größte Last tragen Sie als Betreuer. Die persönliche und emotionale Belastung bei der Betreuung eines Alzheimer-Kranken ist riesengroß. Sie müssen immer wieder planen, wie Sie in Zukunft mit der Erkrankung umgehen werden. Wenn Sie Ihre eigenen Gefühle wahrnehmen und zu verstehen versuchen, wird es Ihnen besser gelingen, mit den Problemen der kranken Person und mit Ihren eigenen Belastungen umzugehen. Viele Angehörige und Betreuer verspüren bei sich selbst oftmals Ge-fühle,wie Trauer und Traurigkeit, Schuldgefühle, Wut, Schamgefühle, Einsamkeit und auch andere. Trauer
Trauer ist eine natürliche Reaktion bei jedem, der einen Verlust erlitten hat. Durch die Alzheimer-Krankheit haben Sie das Gefühl, daß Sie Ihren Partner, einen Freund oder einen Elternteil verloren haben. Sie trauern meist um das Wesen und das Verhalten dieser Person, das Ihnen von früher her vertraut ist. Immer dann, wenn Sie glauben, Sie hätten sich an die neue Situation gerade gewöhnt, verändert sich der Kranke schon wieder. Es kann schrecklich sein, wenn Sie der Patient auf einmal nicht mehr erkennt. Viele Betreuer und Angehörige sind der Meinung, daß eine ALZHEIMER - ANGEHÖRIGEN - Gruppe die beste Möglichkeit der Unterstützung bieten kann, um diese schwere Last zu tragen. Schuldgefühle
Es ist üblich, daß man Schuldgefühle hat, weil man sich wegen des Verhaltens der kranken Person schämt, weil man auf den Patienten wütend ist oder weil man der Meinung ist, man könne nun nicht mehr weiter und müsse den Kranken in ein Pflegeheim einweisen lassen. Es wird Ihnen helfen, wenn Sie über dieses Problem mit anderen Angehörigen und Freunden sprechen können. Wut
Ihr Unmut oder Ärger kann auf verschiedenste und mehrfache Weise zum Ausdruck kommen. So kann Ihre Wut - je nach den vorliegenden Umständen - direkt auf die kranke Person gerichtet sein oder auf Sie selbst, auf den Arzt oder überhaupt generell auf die gesamte Situation.
Es ist wichtig zu unterscheiden, ob sich Ihre Wut auf das Verhalten des Patienten, (das ja durch seine Krankheit bedingt ist) oder auf die Person selbst bezieht. Es kann hilfreich sein, wenn Sie Rat von Freunden, von der Familie oder von einer Selbsthilfegruppe einholen. Es gibt Menschen, die fühlen sich so wütend, daß sie Gefahr laufen, den Patienten, den sie betreuen, zu schlagen oder zu verletzen. Wenn Sie derartige Gefühle bei sich verspüren, müssen Sie fachliche Hilfe in Anspruch nehmen.
Im Laufe der Zeit werden Sie auch mehr und mehr die Aufgaben des Patienten übernehmen und dafür verantwortlich sein, wie z.B. Rechnungen bezahlen, den Haushalt führen, kochen, einkaufen etc. Diese ständig wachsenden Aufgaben und die damit verbundene Verantwortung können sehr belastend werden. Vielleicht hilft es Ihnen, wenn Sie darüber mit anderen Familienmitgliedern oder Fachleuten sprechen können. Schamgefühle
Es ist Ihnen vielleicht unangenehm und peinlich, wenn sich der Patient in der Öffentlichkeit ungebührlich oder unpassend verhält. Mit solchen Situationen werden Sie leichter fertig, wenn Sie mit anderen Angehörigen, die Ähnliches erleben, über Ihre Gefühle sprechen und gegenseitig Ihre Erfahrungen austauschen. Erklären Sie auch unbedingt Ihren Freunden und Nachbarn die Art der Erkrankung, so daß diese besser verstehen können, warum sich der Kranke so verhält. Einsamkeit
Viele Angehörige ziehen sich immer mehr zurück und bleiben dann zusammen mit dem Alzheimer-Patienten nur noch zu Hause. Angehöriger und Betreuer zu sein, kann tatsächlich in die Einsamkeit führen. Einerseits haben Sie möglicherweise den Kontakt zu der Person, die Sie lieben, bereits verloren und andererseits haben Sie aber nicht mehr die Kraft, andere soziale Kontakte zu pflegen. Einsamkeit aber macht es noch schwerer, die Probleme der Betreuung zu bewältigen. Es wird Ihnen daher helfen, wenn Sie versuchen, die Kontakte zu Ihren Freunden und Bekannten weiterhin aufrechtzuerhalten.
Der Betreuer sollte auch auf sich selbst schauenFamilie
Für einzelne Betreuer ist die Familie die größte Hilfe, für andere wiederum ist die Familie Anlaß zu größter Verzweiflung. Es ist wichtig, Hilfe von anderen Familienmitgliedern anzunehmen, wenn sie angeboten wird und nicht die ganze Last alleine zu tragen. Wenn Sie traurig sind, daß die anderen Familienmitglieder nicht helfen und Sie vielleicht sogar kritisieren (da ihnen jedes Verständnis für die Alzheimer - Krankheit fehlt), kann es hilfreich sein, ein Familientreffen zu organisieren und die Betreuung der betroffenen Person gemeinsam und in Ruhe miteinander zu besprechen.
Geteiltes Leid ist halbes Leid.
Sie müssen auch Ihre Gefühle, die Sie erleben und Ihre Erfahrungen, die Sie bei der Betreuung des Alzheimer-Patienten machen, mit anderen teilen. Wenn Sie dies alles für sich behalten, wird es immer schwieriger für Sie werden, den Kranken entsprechend zu betreuen.
Wenn Ihnen aber bewußt ist, daß all das, was Sie fühlen, eine natürliche Reaktion auf Ihre Situation ist, werden Sie mit tag-täglichen Problemen leichter umgehen können. Versuchen Sie, jede Unterstützung, die Ihnen angeboten wird, soweit wie möglich anzunehmen - auch wenn Sie das Gefühl haben, anderen damit Unannehmlichkeiten zu bereiten. Denken Sie auch an die Zukunft und versuchen Sie, jemanden zu finden, an den Sie sich im Notfall wenden können.
Nehmen Sie sich Zeit für sich selbst
Es ist ganz besonders wichtig, daß Sie auch Zeit für sich selbst reservieren. Das wird Ihnen ermöglichen, mit anderen Menschen zusammenzukommen, Ihren Lieblingsbeschäftigungen nachzugehen und - was am wichtigsten ist - wieder Spaß und Freude zu verspüren. Wenn Sie mehr Zeit für sich selbst brauchen, versuchen Sie jemanden zu finden, der Ihre Aufgabe übernehmen kann. Dann kön-nen Sie sich einmal so richtig erholen und wieder neue Kräfte sammeln.
Erkennen Sie Ihre Grenzen
Wieviel können Sie verkraften, bis es Ihnen zuviel wird ? Die meisten Menschen werden selbst erkennen, wann Ihre Grenzen erreicht sind und wann Ihnen die Betreuung zuviel wird. Wenn Sie Ihre Situation nicht mehr bewältigen können, dann fordern Sie rechtzeitig Hilfe an. Nur so können Sie Krisensituationen vorbeugen und diese verhindern.
Machen Sie sich selbst keine Vorwürfe
Geben Sie weder sich selbst noch dem Alzheimer-Kranken die Schuld an all den Problemen, die Sie belasten. Denken Sie immer daran: die Krankheit ist die Ursache. Wenn Sie merken, daß sich die Beziehungen zu Ihren Freunden oder Angehörigen abschwächen, machen Sie ihnen und sich selbst keine Vorwürfe.
Versuchen Sie aber den Grund für deren Verhalten herauszufinden und sprechen Sie dann mit ihnen darüber. Bedenken Sie, daß Beziehungen zu anderen eine wertvolle Quelle der Kraft und Unterstützung für Sie sein können - ein Vorteil sowohl für Sie, als auch für den Alzheimer-Patienten.
Rat suchen und Ratschläge annehmen
Es wird Ihnen helfen, wenn Sie andere um Ratschläge bitten, wie Sie mit Ihrer ständig wechselnden Rolle zurechtkommen bzw. wie Sie mit den Veränderungen, die der Alzheimer-Patient durchmacht, besser umgehen können. Angehörige, die selbst einen Alzheimer-Kranken betreut haben, können Ihnen wertvolle Tips geben.
Nehmen Sie sich selbst als Mensch wichtig
Sie sollten sich selbst wichtig nehmen, aber auch daran denken, daß Sie gleichzeitig eine wichtige Person im Leben eines Alzheimer-Kranken sind. Ohne Sie wäre dieser Mensch verloren. Das ist ein wesentlicher Grund, weshalb Sie auch ganz besonders auf sich selbst schauen müssen.
Hilfe, die sie als Betreuer brauchen
Es könnte sein, daß Sie erst lernen müssen, angebotene Hilfeleistungen auch tatsächlich anzu-nehmen. Oft ist es durchaus der Fall, daß Familienmitglieder, Freunde oder Nachbarn etwas tun möchten, um Ihnen oder dem Alzheimer-Kranken zu helfen. Aber es kann sein, daß diese gar nicht wissen, wie Ihnen geholfen werden kann bzw. ob Sie es überhaupt wünschen. Vielleicht genügt nur ein Wort von Ihnen oder ein Vorschlag - eventuell mit entsprechenden Anleitungen - und Sie geben damit anderen Leuten die Gelegenheit, Sie sinnvoll zu unterstützen. Manchmal sind Menschen sogar froh, wenn sie sich als nützlich erweisen können. Diese Hilfeleistung bringt sowohl dem Alzheimer-Patienten Vorteile als auch Ihnen zeitweise eine gewisse Entlastung. Selbsthilfegruppen
Auch eine Selbsthilfegruppe – in diesem Fall auch Angehörigengruppe genannt - kann für Sie zu einer wertvollen Stütze werden, wo Sie regelmäßig Hilfe bekommen können. Sie gibt Angehörigen und Betreuern die Gelegenheit, zusammenzukommen, ihre Probleme offen auszusprechen, gemein-sam bestmögliche Lösungen zu finden und sich gegenseitig zu unterstützen. Vielleicht möchten Sie auch selbst eine Gruppe gründen, wenn es in Ihrer Nähe keine gibt. Die Selbsthilfegruppe ALZHEIMER ANGEHÖRIGE AUSTRIA wird Ihnen dabei gerne behilflich sein. Wichtig für Sie als Betreuer ist es auch, daß Ihnen bekannt ist, wo Sie medizinische, praktische, persönliche oder finanzielle Hilfe direkt in Ihrem Wohnort oder in Ihrer Nähe bekommen können. Ihr Arzt oder ein Sozialarbeiter können Ihnen sicher die entsprechenden Stellen nennen. Möglicherweise sind die Unterstützungen, die für Alzheimer - Patienten geboten werden, nicht in allen Landesteilen gleich. Doch es gibt einige grundlegende Dinge, auf die jeder Betreuer - unabhängig vom Wohnort - Anspruch hat, und die er unbedingt benötigt.
Anspruch auf Hilfeleistungen, die Sie benötigen:
- Medizinische Hilfe für die Diagnose der Alzheimer-Krankheit und bei der Betreuung des Patienten.
- Praktische Hilfen für die Betreuung.
- Ruhe- und Erholungsphasen für den Betreuer.
- Regelmäßige Gesundheitsvorsorge (Gesunden-Untersuchung) für den Betreuer.
- Heimhilfen, Unterbringung des Patienten in einem Tageszentrum oder vorübergehende Aufnahme in ein geeignetes Pflegeheim (z.B. während Ihres Urlaubs.)
WEITERFÜHRENDE LITERATUR
Wenn Sie sich noch genauer über die Alzheimer-Krankheit sowie über die Pflege und Betreuung dieser Patienten informieren möchten, sind folgende Bücher empfehlenswert:
Dette, Ursula: Ein langer Abschied: Der Verlauf einer Alzheimer-Krankheit,Fischer Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main, 1991, 174 S.
Foldmann, Lili: Leben mit der Alzheimer-Krankheit - Eine Therapeutin und Betroffene berichten ; Piper-Verlag, München, 1992, Neuausgabe 2.Auflage, 174 S.
Furtmayr-Schuh, Annelies: Das große Vergessen - die Alzheimer-KrankheitKreuz-Verlag AG, Zürich, 1990, 159 S.
Götte, Rose / Lackmann, Edith: Alzheimer - was tun? Eine Familie lernt mit der Krankheit zu leben; Beltz-Verlag, Weinheim und Basel, 1991, 140 S.
Klessmann, Edda: Wenn Eltern Kinder werden und doch die Eltern bleiben: Die Doppelbotschaft der Altersdemenz; Hans Huber-Verlag, Bern, 1990, 189 S.
Krämer, Günter Dr. med.: Alzheimer-Krankkeit: Ursachen, Krankheitszeichen, Untersuchung, Behandlung, Georg Thieme Verlag, Trias, Stuttgart, 1989, 138 S.
Mace, Nancy L.: Der 36-Stunden-Tag: Die Pflege des verwirrten älteren Menschen, speziell des Alzheimer-Kranken ; Hans Huber Verlag, Bern, 1988, 248 S.
Reisberg, Barry: Hirnleistungsstörungen: Alzheimersche Krankheit und Demenz, Psychologie Verlags Union, Beltz, 1987, 236 S.
Stuhlmann, Wilhelm (Hrsg): Das Leben vergessen: Leben mit Demenzkranken alten Menschen; WI Verlag, Düsseldorf, 1991, 98 S.
Thulle, Christian Dr. med.: Leben mit Vergeßlichkeit: Das Alzheimer-Buch für Patienten und Betreuer. Herausgegeben von der Spezialambulanz für Gedächtnisstörungen der Universität für Neurologie, Wien ; Neomedica-Verlag, Wien, 1996, 336 S.