Krankheit in Wort u. Bild Homepage-Startseite Patienteninfo Merkblätter

Akne - "Pubertätspickel"

... häufige, hormonabhänginge, ansonsten multifaktoriell bedingte Erkrankung des Talgdrüsen-Haarfollikel-Komplexes, die überwiegend aber nicht ausschließlich in der Phase der Geschlechtsreife (Pubertät) auftritt.

  1. Welche medizinischen Fachgebiete befassen sich mit dieser Erkrankung?
  2. Ätiologie (Ursachen) der vulgären Akne
  3. Epidemiologie
  4. Klinische Symptomatik
  5. Bildmaterial
  6. Sonderformen der Akne
  7. Anamnese und Diagnostik
  1. Therapie
    1. Allgemeine Maßnahmen
    2. Terapie der Komedonen-Akne
    3. Therapie der Akne papulopustulosa
    4. Therapie der Akne conglonata
    5. Therapie der Akne inversa
    6. Therapie der Akne fulminans
  2. Angriffspunkte der externen und internen Aknetherapeutika

Welche medizinischen Fachgebiete befassen sich mit dieser Erkrankung?

Hautärzte und Allgemeinmediziner wegen der Häufigkeit, Kinderärzte und Arbeitsmediziner wegen der Sonderformen im jüngeren Lebensalter bzw. berufsbedingter Ursachen, Frauenärzte wegen der hormonellen Behandlungsmöglichkeit bei Persistenz der Effloreszenzen bis ins Erwachsenenalter bei Frauen

Ätiologie (Ursachen) der vulgären Akne

  1. Allgemein: genetische Disposition (erbliche Veranlagung), hormonbedingte (Überschuß androgener H.) Talgdrüsenüberfunktion (Seborrhoe), Verhornungsstörung im Ausführungsgang des Talgdrüsenfollikels mit der Folge einer verstärkten Bildung von Komedonen (Mitesser), sekundär Besiedlung mit Propiobacterium acnes
    Durch die bakteriellen fettspaltenden Enzyme entstehen wiederum Fettsäuren, die die Haut reizen, die Komedonenbildung und Entzündungsentstehung fördern. Daneben finden sich gelegentlich auch Haarbalgmilben (Demodex folliculorum).
  2. Bei der Akne fulminans (siehe dort) und Akne conglobata bestehen zusätzlich immunologische Störungen.
  3. Im Einzelfall wird die Akne durch exogene Stoffe oder Medikamente hervorgerufen (Steroidakne, Chlor- u. Ölakne, Kosmetika, - siehe dort ).

Epidemiologie

sehr häufig, insbes. in der Pubertät (da bis zu 80% der Jugendlichen), Jungen häufiger und schwerwiegnder als Mädchen betroffen; meist Spontanremission im jungen Erwachsenenalter, spätestens zu Beginn des 3.Lebensjahrzehnts.

Klinische Symptomatik

Prädilektionsstellen: bevorzugt im Gesicht (Stirn, Wangen, Kinn), auf Brust und Rücken, selten an den Oberarmen, Ölakne vor allem an den Oberschenkeln, A.conglobata stark im Nacken

Primäreffloreszenzen:
a- geschlossene Komedonen = hautfarbene bis gelbliche Papeln (Mikrozysten aus Keratin und Sebum)
b- offene Komedonen = Papeln mit oberflächlich gelegenen und schwärzlich pigmentierten Poren

Sekundäreffloreszenzen:
entzündlich gerötete Papel oder Pusteln mit eitrigem Inhalt, bei schweren Verläufen können Abszesse entzündliche Zysten und Knoten entstehen, denen atrophische oder keloidale Narben folgen

Einteilung der Akne nach vorherrschendem Effloreszenztyp
A.comedonica multiple offene und geschlossene Komedonen vor allem Gesicht, aber auch Schulter, Rücken und Brust
A.papulopustulosa Weiterentwicklung von Komedonen zu entzündlichen Papeln und Pusteln
A.conglobata schwerste Form mit ausgeprägter Hautfettung (Seborrhoe), multiplen entzündlichen Knoten, Abszessen, unterminierenden Fisteln und Riesenkomedonen, teils zusammenfließend, neben Gesicht häufig Ausbreitung auf Schulter, Brust, Rücken und Nacken, narbige Abheilung
A.necroticans neben den Erscheinungen bei A.conglobata finden sich Unterblutungen und Gewebezerfall (Geschwürsbildung)

Sonderformen der Akne

hier nur am Rande erörtert, da eher selten

Anamnese und Diagnostik

Anamnestisch sollten Dauer der Erkrankung, psychische Einstellung, Medikamenteneinnahme, Kosmetikagebrauch und evtl. berufliche Faktoren erfaßt werden. In der Regel ist die Diagnose durch Blickdiagnostik zu erfassen. Zwei Bildbeispiele finden Sie sie hier!
Gewebeuntersuchungen (Histologie) haben ausschließlich wissenschaftlichen Wert. Selten sind sie zur Differential-Diagnose (z.B. Tumor?) erforderlich.
Zur Therapieoptimierung kann evtl. ein Bakterienabstrich sinnvoll sein; bei stark entzündlichem Verlauf evtl. auch Blutsenkungsreaktion und Leukozytenzählung.

Therapie

Die Therapie richtet sich nach der Form (siehe Tabelle) und Schwere der Akne.
Lesen Sie unbedingt auch die WARNUNGEN!
Für alle Akneformen und ganz allgemein gilt: Die Arzneimitteltherapie wird weiter unten erörtert. Einige Präparate dürfen in der Schwangerschaft nicht angewendet werden und erfordern besondere Sicherheitsmaßnahmen!

A - Therapie der Komedonen-Akne

Reinigung: Peeling cremes (Brasivil®, Lutsine®), milde Waschsyndets oder antibakterielle Reinigungsgels (Effaclar®, Bactopur®)
Basistherapie: 0,025% - 0,05%iges Isotretinoingel (Isotrex®, Epi-aberel®, Eudyna®)
Erweiterte Therapie: (bei unzureichender Besserung) morgens Isotretionin (s.oben) und abends Azelainsäure (Skinoren®) oder Bezylperoxid 2,5 - 10%ig (z.B. Sanoxit® Gel)
Interne Therapie: (wenn starke Seborrhoe oder Vermännlichungserscheinungen bei Frauen und Besserung nach 4-6 Monaten ausbleibt) ->> antiandrogene Kontrazeptiva (Diane35®, Neo-Eunomin®, Gestramestrol®)

B - Therapie der Akne papulopustulosa

Reinigung: im wsentlichen wie A Basistherapie: im wesentlichen wie A Erweiterte Therapie: mit antibiotischen Salben, Gel oder Lösungen

C - Therapie der Akne conglobata

Immer systemische Behandlung!
Zunächst Kombination aus Basistherapie und Antibiotikagabe wie bei der Akne papulopustulosa beschrieben. Wenn keine Besserung innerhalb von 6 Monaten eintritt, wird zusätzlich intern Roaccutan® verabreicht. Dabei müssen die unten angeführten Sicherheitsmaßnahmen beachtet werden!

Zusätzliche Therapie: - bei Abszessen: Ichtholan® extern - bei abszedierenden Fisteln: Incision (Einschneidung) und antiseptische Tamponade (Fucidine®)

D - Therapie der akne inversa

E - Therapie der Akne fulminans

Stationär hochdosierte Antibiose nach Resitenzlage (bevorzugt Clinda-, Erythro- oder Tetrazyklin), ggf. in kombination mit einer absteigenden Glukokortikoiddosis (Prednison). Nach 7 bis 14 Tagen Übergang auf Roaccutan® (jedoch nie zusammen mit Tetrazyklin!).

Angriffspunkte der externen Aknetherapeutika

Tabelle aus: Klinikleitfaden Dermatologie; Fischer-Verlag 1998
Wirkstoff Seborrhoe Follikel-
Hyperkeratose
Keim-
besiedlung
Entzündung
Azelainsäure (Skinoren®)
- ++ ++ +
Benzoylperoxid (Cordes BPO®)
- + +++ (+)
Clindamycin (Basocin®)
- - ++ -
Erythromycin (Aknemycin®)
- - ++ -
Isotretinoin (Isotrex®)
- ++ (+) +
Tretinoin (Cordes VAS®)
- ++ (+) -

Angriffspunkte der internen Aknetherapeutika

Tabelle aus: Klinikleitfaden Dermatologie; Fischer-Verlag 1998
Wirkstoff Seborrhoe Follikel-
Hyperkeratose
Keim-
besiedlung
Entzündung
Cyproteronacetat (Diane35®)
++ - - -
Chlormadinonacetat (Neo-Eunomin®)
+ - - -
Isotretinoin (Roaccutan®)
+++ ++ (+) ++
Minocyclin (Icht-Oral®)
- - ++ +
Tetracyclin (OTC-Kps.®)
- - ++ +

SeitenanfangSeitenanfangSeitenanfang



Erstellt: 07.04.2003 / Änderung: keine / Autor: F.Wiegleb (fwiegleb@gmx.de)